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Der Geist der Stadt

23. April 2014

Ich bin das lange Warten auf „Sin City: A Dame to Kill For“ überdrüssig und dabei schwach geworden. Eigentlich wollte ich nicht, aber ich konnte nicht anders. Und jetzt bereue ich es ein bisschen… denn wer auch immer Frank Miller dazu gebracht hat, „The Spirit“ zu drehen, gehört ausgepeitscht. Dieser Film ist der klassische Beweis dafür, dass das Sprichwort „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ seine vollkommene Berechtigung hat. „The Spirit“ dürfte außerdem klar stellen, wer bei den „Sin City“-Filmen wirklich die Zügel in den Händen hält – zumindest was das Regie-Führen angeht. Denn: Frank Miller kann es nicht. Der kann zwar tolle Comics schreiben und zeichnen, aber Regie-Führen… äh, nein!!!

Mit „The Spirit“ verfilmt Miller nun Will Eisners Comic-Figur vom Detective, der nach seinem Tod doch nicht wirklich tot ist und sich dazu entschließt, als Maskierter in den Straßen für Recht und Ordnung zu sorgen. Im Film wird Gabriel Macht zum Spirit und geht gegen den Octopus (Samuel L. Jackson) vor, der mit Hilfe des Bluts von Herakles unsterblich werden und so dann die Welt beherrschen will. Blöd nur, dass ausgerechnet Spirits ehemalige Jugendliebe Sand Saref (Eva Mendez) im Besitz des Bluts ist.

Hoffentlich hat der Spirit keinen Mundgeruch…

Ich muss jetzt gestehen, dass ich die Comics von „The Spirit“ nicht kenne, von daher kann ich an dieser Stelle nicht wirklich sagen, ob Miller es vielleicht wenigstens vom Kern her geschafft hat, der Figur an sich gerecht zu werden. Nach dem Film möchte ich aber mal hoffen, dass man diese Frage mit „Nein“ beantworten kann. Man merkt dem Film deutlich an, dass Miller dem Ganzen seinen eigenen Stempel aufdrücken will. Die Off-Monologe von Spirit erinnerten mich stark an „Sin City“, waren allerdings nicht ansatzweise so cool oder zynisch. Gleichzeitig wirkte der Versuch, den „Sin City“-Look wieder herzustellen, sehr gewollt und hatte irgendwie auch nicht die gleiche Tiefe.

Man merkt „The Spirit“ von Anfang bis Ende einfach an, dass hier jemand zwar etwas Großes machen will, aber grandios daran scheitert. Besonders traurig ist bei Miller der Versuch, Komik in die Geschichte einzubinden… vor allem, weil erst mal gar nicht klar ist, dass man über „The Spirit“ ruhig auch mal lachen darf. So richtig bewusst wurde mir das erst, als Samuel L. Jackson als Octopus vor einem Tisch steht, auf dem eines seiner Klon-Experimente hin und her hüpft – was da nicht viel mehr ist als ein Fuss mit Kopf. Der Humor geht ansonsten komplett in den schlechten Dialogen und unspektakulären Bildern unter. Allein schon beim ersten Kampf zwischen Octopus und Spirit wird das mehr als nur deutlich. Der hätte gut und gerne auch witzig sein können, wirkt aber nur lang und albern… und zeigt damit gleichzeitig an, in welche Richtung es gehen wird.

Gabriel Macht versucht als Spirit sein Bestes, aber leider scheinen ihm vernünftige Regie-Anweisungen zu fehlen. Der Typ bleibt einfach nur ein Ding, das man uns vorsetzt. Richtig mitfiebern kann man mit ihm nicht. Er ist halt nur der Titelheld mit roter Krawatte und angeblichem Charme, der alle Ladies flach legt. Hätte man nen coolen Typen draus machen können, ist hier aber nur ein Langweiler. Dafür bekommen wir mit Samuel L. Jackson als Octopus fast zu viel des Guten. So übles Overacting habe ich bei dem guten SLJ selbst noch nicht erlebt… er schien zwar seinen Spaß gehabt zu haben, aber merkwürdig war es schon.

Frank Miller geht es in „The Spirit“ hauptsächlich wohl um zwei Dinge: Stil und Weiber!!! Den Stil – vor allem den von „Sin City“ – trifft er nur bedingt. Dazu fühlen sich viele Motive an, als wären sie einfach nur billig geklaut. Die Weiber hat er en massé und wie schon in seinen Comics zelebriert er sie auch hier – wenigstens etwas, das er kann und auch gut macht. Ob nun Eva Mendez, Scarlett Johansson, Sarah Paulson oder Paz Vega…. Millers Frauen sind zum Anbeißen und verdammt scharf. Leider fehlt auch den meisten von ihnen jegliche Art von Persönlichkeit, weswegen der Film sich wohl nur für jugendliche Feuchtträume so halbwegs lohnt.

Bleibt also nur zu hoffen, dass Robert Rodriguez auch in „Sin City: A Dame to Kill For“ die Hauptarbeit erledigt, denn Frank Miller sollte den Regie-Stuhl wirklich anderen überlassen.

Wertung: 4 von 10 Punkten („Sin City“ in mies mit netten Miezen)

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