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Der Sklave, der mit Pferden sprach

21. April 2014

Versunkene Städte eigenen sich ja wirklich hervorragend für Filme. Besonders dann, wenn sie auf spektakuläre Weise untergegangen sind. Und deswegen warte ich ja irgendwie auch immer noch darauf, dass sich mal jemand anderes außer Disney um Atlantis kümmert. Da könnte man doch so ein herrliches Fantasy-Cyberpunk-Märchen draus machen – mit cooler Technologie, Göttern und Magie… und irgendwann kommt der große Knall und alles geht im Meer unter.

Einen anderen großen Knall inszeniert „Resident Evil“-Mastermind Paul W.S. Anderson und lässt dabei eine Stadt untergehen, die es nachweislich wirklich gegeben hat: „Pompeii“. Und so gerne ich Paul W.S. Anderson auch mag, aber so langsam scheint sich ein Prinzip zu entwickeln: Außerhalb seiner „Resident Evil“-Reihe produziert der Mann nur noch Mist.

Sein „Pompeii“ ist wirklich nichts besonderes. Eigentlich sogar ziemlich einschläfernd und langatmig und einer der Filme, bei denen man sich schneller das Ende herbeiwünscht… einfach, weil man ganz genau weiß, was kommt und sehen will, wie es umgesetzt wurde. Doch bis Anderson den Vulkan in die Luft gehen lässt, müssen wir eine Story ertragen, die aus anderen Filmen schamlos zusammengeklaut wurde: Da gibt’s ein bisschen „Conan, der Barbar“ vermischt mit „Gladiator“, doch am meisten hat sich Anderson bei „Titanic“ bedient.

Der junge Gladiator Milo ( Kit Harrington) muss als junges Kind mit ansehen, wie seine Familie von den Römern abgeschlachtet wird. Anschließend gerät er in Gefangenschaft und muss sich als Sklave verdingen (besseres dazu: siehe „Conan“). In Sklaverei meistert sich Milo zu einer Art Super-Gladiator, der unter dem Künstlernamen „Der Kelte“ zum echten Hit wird und so nach Pompeii kommt (hat bei Russell Crowe auch alles besser ausgesehen). Und in Pompeii verliebt er sich in die junge Cassia (Emily Browning), doch die wird dem Senator Corvus (Kiefer Sutherland) versprochen, doch das hält Milo von nix ab (statt großem Schiff gibt’s hier den Vulkan, ansonsten ist das wirklich 1:1 Camerons „Titanic“).

You know nothing, Jon Snow… nothing about Gladiators!!!

„Pompeii“ ist wirklich ein anstrengender Film, denn Anderson versucht sich mal wieder mit Story-Elementen, die ihm einfach nicht liegen. Große Dramatik geht bei ihm in schlechten, wirklich, wirklich schlechten Dialogen unter, die so gestelzt wirken, als wären hier Laiendarsteller am Werk. Emotionen erzeugen, dass kann Anderson nicht wirklich. Die Liebesgeschichte zwischen Milo und Cassia ist so bescheuert konstruiert, dass man wirklich nur mit dem Kopf schütteln kann (zwei Mal rettet er sie durch seine „Fähigkeit“, Pferde mit sanfter Stimme zu beruhigen – konnte Robert Redford sicherlich auch besser!). Bei all diesen flachen und miesen „Konstruktionsfehlern“ muss man es dann wohl auch in Kauf nehmen, dass diejenigen, die Milos Volk vernichtet haben, auch nach 17 Jahren noch genauso frisch und munter aussehen wie damals…. Ein bisschen auf die Zeitlinie hätte man schon achten können.

Ähnlich traurig geht’s dann auch bei den Darstellern weiter: Ein Kiefer Sutherland versucht sich verzweifelt daran, Joaquin Phoenix aus „Gladiator“ nachzuahmen und verwandelt seinen Corvus dabei zu einer absoluten Witzfigur. Was Jared Harris (super „Fringe“-Bösewicht) und Carrie-Anne Moss („Matrix“-Mieze“) da zu suchen hatten… keine Ahnung. War ebenfalls gestelzt und peinlich.

Was mich ja noch am ehesten gereizt hat, war Jon Snow… verzeihung, Kit Harrington. Nach seinem „Silent Hill“-Ausflug hier nun sein zweiter Film außerhalb von „Game of Thrones“. Und auch er versinkt in der Belanglosigkeit des Drehbuches. Wie schon gesagt, da hatte Arnie als Conan mehr Tiefe als Harringtons Milo. Der darf nur ein bisschen kämpfen und rennen und verliebt auf Emily Browning starren…. die es wohl nur in diesen Film geschafft hat, um das „Sucker Punch“-hungrige Publikum zu locken. Aber außer traurig dreinzuschauen und ihren Schmollmund zur Schau zu stellen, passiert bei ihr auch nicht viel.

Immerhin lässt sich Anderson dann beim Untergang von „Pompeii“ nicht lumpen und präsentiert uns ein ordentliches Feuerwerk… zwar schreit einem gerade bei den Fahrten über panische Menschenmassen das CGI nur so an, aber im Großen und Ganzen sieht dieser Untergang ziemlich gut aus. Wenn der Rest des Films sich der Qualität des Untergangs angepasst hätte, wäre aus „Pompeii“ ein ertragbarer Film geworden… (und wenn der noch auf die FSK-12 verzichtet hätte, wären auch die Gladiatoren-Kämpfen sehr viel interessanter gewesen)

Wertung: 4 von 10 Punkten (es ist ein langes und anstrengendes Warten auf den großen Knall, mehr nicht)

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6 Kommentare leave one →
  1. 21. April 2014 11:38

    Also, wenn du mich fragst, produziert Anderson nur Mist, denn auch die Resident Evil Streifen sind ziemlicher Müll, die mit den Spielen rein gar nix mehr zu tun haben.
    Bei Pompeii bin ich ja irgendwie davon ausgegangen, dass das Ganze eine Roland Emmerich Zerstörungsorgie wird. Und davon brauch ich eigentlich auch nix mehr. Da gab es schon viel zu viel von.

    • donpozuelo permalink*
      22. April 2014 10:44

      Och, die Resident-Evil-Filme mag ich eigentlich ganz gerne… klar haben die sich von den Spielen schon meilenweit entfernt, aber irgendwie mag ich sie trotzdem.
      Was die Zerstörungswut angeht, hätte sich Anderson aber wirklich noch ein bisschen mehr von Emmerich abgucken können 😀

  2. 21. April 2014 13:06

    Der Trailer offenbarte damals schon die von dir mit charmantem ironischen Unterton dargestellte offensichtliche Misere des Films. Gut, dass ich den nicht im Kino geschaut habe.

    • donpozuelo permalink*
      22. April 2014 10:45

      Ja, der Trailer hat mich eigentlich auch nie angesprochen… Zumal sich das Drama um Pompeii und den Vesuv nun wirklich nicht unbedingt als Film eignet… vor allem nicht als Gladiator-Action-Gedöhns.

  3. 21. April 2014 15:17

    Dachte ich mir schon, dass der nichts wird 😦 Menno, ich mag Harrington doch so gerne.

    • donpozuelo permalink*
      22. April 2014 10:46

      Harrington hat einfach noch nicht das richtige Händchen, sich über „Game of Thrones“ hinaus zu beweisen. Weder „Silent Hill: Revelations“ noch „Pompeii“ waren das richtige für ihn. Aber vielleicht kommt das ja noch.

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