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Fraktion vor Blut!

9. April 2014

Bevor sich jetzt jemand aufregt: Diese Überschrift ist nicht politisch gemeint. Ich wiederhole: Die Überschrift ist wirklich, wirklich nicht politisch gemeint. Nur nachdem ich diese „Weisheit“ knapp zwei Stunden lang eingetrichtert bekommen habe, ist sie nun mal stecken geblieben. Mission erfolgreich ausgeführt, Neil Burger.

Der wechselt nämlich nach Filmen wie „The Illusionist“ und „Ohne Limit“ auch ins Fantasy-Jugend-Roman-Franchise-Business (tolle deutsche Sprache, in der man ewig lange Sinnlos-Wörter erfinden kann). Als hätten wir nach den vielen Reinfällen nicht schon genug davon. Aber zum Glück versucht Burger nix mit Vampiren – das hat ja schließlich schon „City of Bones“ nicht viel gebracht. Stattdessen springt Burger auf den „Panem“-Erfolgszug auf und zeigt uns mit „Die Bestimmung – Divergent“ eine weitere dunkle Zukunftsvision für Teenager.

Chigaco, irgendwann in der Zukunft, nach einem furchtbaren Krieg: Die Bewohner der Stadt sind in fünf Fraktionen eingeteilt: Die einen sprechen Recht, die anderen beschützen die Stadt, die nächsten versorgen sie mit Essen und wieder andere forschen. Insgesamt gibt’s fünf dieser Fraktionen und jeder Bürger wird mit seinem 16. Lebensjahr dazu verpflichtet, einer Fraktion beizutreten. Dabei ist es vollkommen egal, ob er seine Familie dadurch verlassen muss oder nicht. Denn, wie ich gelernt habe, geht die Fraktion vor Blut. Die junge Beatrice (Shailene Woodley) hat aber ein merkwürdiges Ergebnis beim Zugehörigkeitstest: nämlich gar keins. Sie ist unbestimmt. Und Unbestimmte gefährden die Sicherheit des ganzen Systems.

Ich gebe zu, diese Zusammenfassung ist sicherlich nicht die Beste, aber ich muss irgendwann aufhören. Es geht also im Endeffekt, um ein junges Mädchen, dass ihren eigenen Platz in diesem System sucht und die sich als „Freigeist“ nicht der Massengleichschaltung unterwirft und deswegen für Chaos im System sorgt. Dass, immerhin, ist doch mal endlich eine interessante Botschaft für Teenager… und die setzt Neil Burger auch gut um.

Im Gegensatz zu vielen gefloppten Vorgängern versucht „Die Bestimmung – Divergent“ gar nicht erst die Romantik-Schiene zu fahren… was sehr, sehr, sehr angenehm ist. Klar gibt es zwischen Beatrice und ihrem Trainer/ Anführer Four (Theo James) hier und da mal eine Berührung und ein bisschen Knistern liegt auch in der Luft, aber das hat hier überhaupt nicht den Vorrang. Bella und Edward in der Zukunft wollen die beiden schon mal nicht sein, und dafür haben sie meinen Dank!

Neil Burger konzentriert sich vielmehr darauf, dieses ganze System in Ruhe zu erklären. Gut, vielleicht lässt er sich da mit dreiviertel des Films ein bisschen viel Zeit für, aber wenigstens ist er genau. Was allerdings trotzdem immer noch Fragen aufwirft, die zumindest der Film nicht erklären kann. Am meisten gewundert hat mich jedoch die Tatsache, dass alle Jugendlichen einen Test machen, um zu ermitteln, wo sie hingehören… und am Ende dürfen sie trotzdem selbst wählen. Aber gut…

Ich will ja nicht meckern, immerhin hatte ich wider jeder Erwartung durchaus meinen Spaß mit „Die Bestimmung – Divergent“. Zwar müssen die Herrschaften noch lernen, wie man richtig Capture-the-Flag spielt und vor allem, dass man keine leuchtenden Gegenstände auf einem riesigen Turm versteckt. Auch sollten die Ferox ihren Job als Wächter und Beschützer sehr viel ernster nehmen (denn im entscheidenden Moment, der hier nicht gespoilert werden soll), vernachlässigen sie das zu ihrem Nachteil.

Trotzdem hat „Die Bestimmung“ was. Gerade der Anfang, Beatrices Training, ist ein bisschen handfester als erwartet. Hier gibt’s ein paar Stunts und coole Action und zwischendurch ein bisschen Angstbewältigung a lá „Matrix“ oder „The Cell“, doch im Großen und Ganzen gelingt Burger ein unterhaltsamer Film.

Zum Ende wird’s ein bisschen schwächer, dann versucht der Film nämlich noch einmal diesen Gleichschaltungsaspekt sehr viel stärker hervorzubringen und spielt mit einigen NS-Allegorien, die aber etwas plump wirken.

Die Darsteller sind alle recht angenehm, eben weil ihre Figuren nicht so extrem den Stereotypen unterliegen. Shailene Woodley darf dabei allen die Show stehlen und macht das auch sehr gut. Die anderen verblassen da ein bisschen… immerhin dürfen sich junge Damen an Theo James satt gucken, der damit sicherlich auch eine große Zukunft vor sich hat 😉

Diejenigen, die das Buch gelesen haben, dürften vielleicht ein bisschen besser mit dem Film klar kommen (oder auch nicht). Auf jeden Fall ist „Die Bestimmung – Divergent“ kein Totalreinfall… und das ist doch auch schon mal was.

Wertung: 6 von 10 Punkten (was wohl aus diesem Film geworden wäre, wenn sie die Farmer-Fraktion gewählt hätte???)

10 Kommentare leave one →
  1. 9. April 2014 11:00

    Warst du etwa auch Montag in derr Preview?
    Ich weiß nicht, der Film ist mir zu jungmädchenorientiert und mit der Hauptdarstellerin hat man mir zu sehr nach einem Lawrence Pendant gesucht. Wegetan hat er aber nicht.

    • donpozuelo permalink*
      9. April 2014 11:03

      Ich hab den Dienstag vor der Premiere gesehen 😉

      Ja, er ist schon sehr jungmädchenorientiert – gerade, wenn es ein bisschen knistert 😀 Aber gut, muss man halt so hinnehmen. Und was Shailene Woodley angeht, finde ich es ja tatsächlich auch sehr interessant/ witzig, dass die ja ursprünglich auch für „Tribute von Panem“ in Betracht gezogen wurde. Von daher ist der Vergleich mit dem Heranzüchten eines J-Law-Pendants wirklich nicht zu weit gegriffen.

  2. 9. April 2014 17:39

    Puh, ich halte nicht sehr viel vom Trailer. Das sieht alles sehr gewollt nach einem HUNGER GAMES-Pendant aus, in denen sich mal wieder auf Hochglanz polierte Teenies (zumindest Jungdarsteller) austoben dürfen. Es gibt ja noch zwei Hungerspiele-Filme, die reichen mir dann fürs erste auch vollkommen.

    • donpozuelo permalink*
      9. April 2014 17:51

      Wenn man sehr kleinlich ist, geht „Divergent“ nicht wirklich in die Richtung „Hunger Games“… aber das sind wir nicht und von daher hast du wohl Recht. Im Endeffekt ist es wirklich nichts anderes. Nur eine weitere toughe junge Frau, die sich in der Zukunft gegen das bestehende System stellt.

      Der einzige Film, dieser Art, der mich in diesem Jahr noch interessieren würde, wäre „The Maze Runner“. Das sah vom Trailer wenigstens halbwegs interessant aus.

  3. 23. April 2014 22:10

    Gut gut, dann wird der Kinobesuch mit meiner liebsten nicht allzu schlimm. 😉

    • donpozuelo permalink*
      24. April 2014 08:57

      Könnte gut sein 😉 Es war zumindest für mich nicht so eine große Enttäuschung.

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