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Worte bedeuten Leben!

12. März 2014

Wenn diese Erkenntnis nicht aus einem furchtbar traurigen Kontext entnommen worden wäre, könnte ich jetzt alberne Späße darüber machen, dass mein Leben zur Zeit gerade in sehr vielen Boxen in einem Schuppen im Garten meiner Eltern darauf wartet, entweder verschenkt oder weggeschmissen zu werden. Denn der Großteil der Bücher (und damit der Worte), die eine Zeitlang mein Leben bestimmt haben, harren dort ihrer Dinge. Aber es stimmt trotzdem irgendwie… „Worte bedeuten Leben“. Ich könnte mein Leben besser anhand von Büchern beschreiben als zuletzt in dem wunderbar schwierigen Stöckchen „Mein Leben in 15 Songs“ (vielleicht mache ich das demnächst mal als erstes eigenes Stöckchen!!!).

Doch es geht hier gerade nicht um mich, sondern um die junge „Bücherdiebin“ Liesel (Sophie Nélisse), die während der Herrschaft der Nazis von ihrer Mutter an die Familie Hubermann gegeben wird. Während Rosa Hubermann (Emily Watson) ein bissiges Ungeheuer sein kann, freundet sich Liesel sofort mit Hans Hubermann (Geoffrey Rush) an. Schließlich bringt der ihr auch das Lesen bei. Erst als die Hubermanns den Juden Max (Ben Schnetzer) aufnehmen, wird deutlich, dass sich Liesels Leben in Nazi-Deutschland ziemlich bald ändern wird.

Markus Zusak hat wirklich ein wahnsinnig spannendes und vor allem bewegendes Buch geschrieben, das ich wirklich nur jedem ans Herz legen kann. „Die Bücherdiebin“ steckt voller Humor, aber auch sehr viel bitterem Ernst und tränenreichem Drama – alles erzählt von einem ziemlich lakonisch-trockenem Beobachter namens Tod, der tatsächlich der Tod ist.

In Bryan Percivals Verfilmung spielt dieser Tod als Erzähler nur eine geringfügige Rolle, eine, die man hätte vernachlässigen können. Die paar Mal, die der Tod als Erzähler auftaucht, tragen nicht wirklich viel zum Film bei. Aber allein schon um alle Leseratten zu beruhigen, musste man wohl wenigstens den Anstand wahren. Hätte man aber in diesem Fall nicht gemusst, denn der Rest von „Die Bücherdiebin“ erweist sich als durchaus gelungene Adaption, die zum Glück sogar ihrer Vorlage sehr, sehr treu bleibt. Wozu sollte man auch groß verändern, was eh schon verdammt gut ist?

„Die Bücherdiebin“ wird dadurch fast schon richtig gut, dass Percival die Rollen nahezu perfekt besetzt hat. Besonders Hauptdarstellerin Sophie Nélisse hat mich als junge Liesel echt überzeugt: Das war die perfekte Mischung aus Unschuld, Kindlichkeit und Naivität, gefangen in einer unbarmherzigen Welt, die nur durch die gestohlenen Bücher ein bisschen schöner gemacht wird. Nélisse zu zusehen, macht einfach Spaß. Gleiches gilt dann glücklicherweise auch für Geoffrey Rush und Emily Watson. Rush geht in der Rolle als fröhlicher und liebenswerter Ersatzvater richtig auf, während man sich bei Watsons grimmiger Rosa erst einmal nicht so richtig sicher ist, ob man sie wirklich mögen soll oder nicht (was man natürlich tut, weil hinter der grimmigen Fassade steckt ein liebenswerter Mensch).

Aber der vorherige Absatz hatte sehr viele „fasts“ und „nahezus“… und das hat auch seinen Grund. Denn: So richtig gepackt hat mich „Die Bücherdiebin“ dann doch nicht. Ich kann es nicht einmal richtig beschreiben, aber gefühlstechnisch ließ mich vieles dann doch kalt. Ein Weltkriegsdrama mit einer Coming-Of-Age-Geschichte zu verbinden, ist halt ein großes Unterfangen. Wo sich das Buch viel mehr in die Gedankengänge der einzelnen Charaktere begeben kann, bleibt der Film halt außen vor.

Und das hat mich dann irgendwann halt echt gestört: Da hat man tolle Darsteller und auch eine ergreifende Vorlage, aber so richtig emotional wird es alles nicht. Ob nun ein böser deutscher Bub Liesels Buch in den Fluss wirft und ihr Freund Rudi ins eiskalte Wasser springt oder Nazis plötzlich alle Keller untersuchen und Familie Hubermann wegen dem Juden in ihrem Keller Panik schieben – man ist da als Zuschauer nie so richtig involviert. Percival liefert schöne Bilder, aber kaum mitreißende Emotionen.

Trotzdem ist „Die Bücherdiebin“ kein schlechter Film, er ist nur weniger bewegender als er hätte sein können. An der Story und an den Darstellern kann es nicht liegen, die sind nämlich eigentlich top. Also ist Bryan Percival unser Sündenbock, der sich um die Gefühle zu wenig gekümmert hat (für die, lest ihr dann bitte einfach das Buch!!! 😉 )

Wertung: 7 von 10 Punkten (es werden Bücher gestohlen, es gibt eine Diebin… perfekter hätte ein Titel nicht umgesetzt werden können… wenn die Gefühle doch nur auch so funktioniert hätten)

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4 Kommentare leave one →
  1. 24. März 2014 10:03

    Schwubbdiwubb, jetzt habe ich deine Kritik auch gelesen. Alles soweit nachvollziehbar, auch wenn es bei mir nicht so viele „fasts“ und „nahezus“ gab. Deshalb wohl auch die höhere Wertung. Ich fand den Film toll. Einzig beim Tod muss ich dir vollends zustimmen. Hätte man ihn weggelassen, hätte es auch nicht gestört.

    • donpozuelo permalink*
      25. März 2014 09:06

      Hätten sie den Tod weggelassen, hätten aber auch all die Leser – zu denen ich ja auch gehöre – auch geflucht. Schließlich ist der Tod ein sehr, sehr wichtiger Bestandteil des Buches.

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