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Magischer Spielwarenladen

10. März 2014

Gibt’s eigentlich noch so richtige Spielzeugläden? Und ich meine jetzt nicht so etwas wie toys’r’us oder die kleine Abteilung bei Karstadt und Co. Ich rede von richtig, echten Spielzeugläden, die von oben bis unten voll sind mit Spielsachen, Bauklötzern, Plüschtieren, Handpuppen und all dem Kram, den man so braucht. Als ich noch ein kleiner, kleiner Junge war, da gab’s die noch. Mittlerweile mussten die sich aber wohl auch gegenüber den großen Ladenketten geschlagen geben.

Auch Regisseur Zach Helm scheint diese Art von Spielzeugläden zu vermissen. Weswegen er mit seinem Film „Mr. Magoriums Wunderladen“ gleich mal eine Liebeserklärung an solche Läden verfasst.

Mr. Magorium (Dustin Hoffman) ist schon über 200 Jahre alt, was man ihm aber kein bisschen ansieht. Gemeinsam mit seiner jungen Managerin Holly (Natalie Portman) führt er einen gar zauberhaften Spielzeugladen, in dem die Kinder sich ganz und gar ihrer Fantasie hingeben können. Doch was Holly nicht weiß: Magorium macht sich bereit zu sterben und will ihr den Laden vermachen. Dafür stellt er den Buchhalter Henry (Jason Bateman) ein, der für ihn den Wert des Ladens feststellen soll. Doch bei all seinen Plänen hat Magorium nicht an Hollys Widerstand gedacht. Sie will den Laden nicht übernehmen, traut es sich nicht… und der Laden spürt das!

Zach Helm begeisterte Hollywood durch sein Drehbuch für Marc Forsters Film „Schräger als Fiktion“, weswegen er damals schon als neuer Charlie Kaufman gefeiert wurde. Diese Tatsache dürfte dann wohl nicht verwundern, dass Helm für sein Regie-Debüt gleich mal Dustin Hoffman und Natalie Portman vor die Linse bekam. Und für die hat sich Helm… naja, zumindest optisch so einiges einfallen lassen.

„Mr. Magoriums Wunderladen“ ist ein wahres Feuerwerk der Fantasie. Dass, was Mr. Magorium immer wieder predigt – die Macht der Fantasie und was sie alles bewirken kann – genau das lebt Helm in seinem Film aus. Den Film zu gucken, macht vor allem wegen der vielen tollen Ideen Spaß. Da lebt das Spielzeug förmlich. Helm investiert selbst sehr viel Fantasie in jedes noch so kleine Detail, womit jeder Besuch in Magoriums Laden zu einem echten Erlebnis wird.

Allerdings wurde ich den ganzen Film über das Gefühl nicht los, dass Helm alles, was er hatte, in die Effekthascherei steckte und dabei seine Charaktere vernachlässigte. Die Geschichte wandelt vom Komischen ins Tragische, ohne aber jedoch näher auf die Figuren einzugehen. Dustin Hoffmans Mr. Magorium ist ein liebenswerter Abklatsch von Willy Wonka – stets gut gelaunt und immer einen klugen Spruch auf den Lippen. Wieso und warum Magorium jetzt aber das Zeitliche segnen will und warum er überhaupt so ein Gutmensch ist, erfahren wir nie. Wir können nur davon ausgehen, dass Magorium einfach nur eine Art Glücksfee ist, die sich immer um das Wohl der Kinder sorgt. Eine Rolle, die Hoffman soweit er kann mit Leben erfüllt, auch wenn wir nur wenig über Magorium selbst erfahren.

Mit diesem Problem haben wir auch bei Natalie Portman zu kämpfen. Bezaubernd wie eh und je ist ihre Holly doch auch recht simpel gestrickt. In klassischer „Erlöser“-Manier muss sie erst lernen, was ihr Potenzial ist. Sie muss selbst aus ihrer eigenen Verzweiflung herausfinden, um wirklich Großes leisten zu können.

Da wirkt Jason Batemans Buchhalter, der von allen nur liebevoll „Monster“ genannt wird, wie das moralische Gleichgewicht, der Vermittler zwischen dem Rationalen und dem Irrationalen, dass Magoriums Laden beherrscht.

In den Charakteren steckt viel drin, nur verpasst Helm die Chance, diese Einzelgeschichten zu einer stimmigen Geschichte zusammenzuführen. Stattdessen wirkt „Mr. Magoriums Wunderladen“ zum Ende hin sehr gezwungen auf „Happy“ gepolt. Schlussendlich werden die Personen sehr vorhersehbar und der Film verliert ein wenig von seinem Zauber.

Somit bleibt „Mr. Magoriums Wunderladen“ zwar ein sehr schöner, fantasievoller und bunter Film, der am Ende aber trotzdem ein wenig leer wirkt. Egal wie sehr Natalie Portman auch unter ihrer Last der Verantwortung für die Fantasie der Kinder leidet.

Wertung: 6 von 10 Punkten (schöne Idee, die sich wirklich toll anschauen lässt, aber irgendwann wegen ihrer Vorhersehbarkeit langweilt)

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4 Kommentare leave one →
  1. 10. März 2014 21:53

    Ging mir genauso bei dem Film – ich war sooooo gespannt, bevor ich ihn gesehen habe und dachte, dass der bestimmt großartig und zauberhaft wird. Tatsächlich war ich zwischendurch fast ein bisschen gelangweilt und fand die Figuren irgendwie so platt. Der Film hat mich viel zu wenig berührt. Und einer in dem es um einen zauberhaften Spielwarenladen geht, sollte das eigentlich tun … .
    In meiner Stadt gibts übrigens einen Spielzeugwarenladen. 🙂 Bloß gut.

    • donpozuelo permalink*
      11. März 2014 08:57

      Ich hatte auch sehr viel mehr erwartet… vor allem auch wegen Dustin Hoffman und Natalie Portman. Das hätte ein nettes Gespann abgeben können. Tun sie ja auch irgendwie… zumindest ein bisschen, wenn da nicht noch der Rest des Films wäre 😉

      Sei froh über den Spielzeugladen. 😀

  2. 14. März 2014 17:06

    Meine Erwartungen waren dank Natalie Portman auch sehr groß. Grundsätzlich kaufe ich alle Filme mit Natalie, aber es reicht diesen einmal gesehen zu haben. Oder wenn er im TV läuft ist er auch noch gut genug.

    • donpozuelo permalink*
      16. März 2014 19:05

      Ich habe den Film auch wirklich nur im TV gesehen. Wenn ich auch noch Geld ausgegeben hätte, wäre mein Ärger noch viel größer gewesen 😉

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