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Unsere hohle Welt

21. Februar 2014

Es soll ja Leute geben, die behaupten, unsere Erde wäre hohl. Diese Leute behaupten auch, dass in diesem Hohlraum eine zweite Bevölkerung gehaust hat… hochentwickelt. Die Bewohner der Innen-Erde wurden auf der Außenerde wie Götter behandelt und verehrt. Doch irgendwann zogen sich die Innenweltler zurück, verschlossen alle Ein- und Ausgänge und verschwanden aus unseren Oberweltler-Gedanken. Nur noch in Sagen über Shangri-La und Co. lebt der Gedanke an die „Unterwelt“ weiter. Wahrscheinlich ein gutes Thema für Erich von Däniken, wenn er es nicht schon längst bearbeitet hat.

Aber auch für Fantasy-Märchen ist die Idee mit der Welt unter unserer Welt ein gutes Thema. Weswegen Makoto Shinkai das in „Children Who Chase Lost Voices“ (hin und wieder auch „Die Reise nach Agartha“ genannt) aufgreift. Darin reist das junge Mädchen Asuna in die geheimnisvolle Welt von Agartha, die Welt unter der Erde. Hier gibt es angeblich die Möglichkeit, die Toten wieder ins Leben zurückzuholen. Asuna, die vor langer Zeit ihren Vater verloren hat, macht sich mit ihrem Lehrer Herrn Morisaki, der seine Frau wiederhaben will, auf den Weg durch Agartha… doch das Land liegt im Sterben und birgt für die Oberweltler einige Gefahren.

„Children Who Chase Lost Voices“ sieht wirklich toll aus. Wenn Asuna endlich nach Agartha selbst kommt, dann fühlt man sich fast schon an Miyazakis „Das Schloss im Himmel“ oder „Nausicaä aus dem Tal der Winde“ erinnert. Gerade wenn es um die Darstellung der verschiedenen Ruinen-Städte in Agartha geht. Aber auch bei so kleinen Sachen wie zum Beispiel den sogenannten Torwächtern… Gottheiten, die so eine Art Mensch-Tier-Hybrid zu sein scheinen. Wenn man sich das anschaut, möchte man wirklich fast meinen, Miyazaki hätte seine Finger im Spiel gehabt.

Aber je weiter die Story voranschreitet, desto offensichtlicher wird es, dass hier ein entscheidender Miyazaki-Faktor fehlt: Die Liebe zur Story. Shinkai versucht aus „Children Who Chase Lost Voices“ so etwas wie einen philosophisch angehauchten Abenteuerfilm zu machen, der sich mit dem Thema Tod auseinandersetzt. Leider scheiterte das für mich schon ein bisschen an dem Abenteuer an sich.

Asunas Reise durch Agartha hat zwar schon seine spannenden Passagen, aber irgendwie habe ich die ganze Zeit darauf gehofft, dass man mehr von diesem Land zu sehen bekommt. In ein paar kurzen Rückblenden (via Wandtafeln und Teppichen) erfährt man, dass selbst die Nazis versucht haben, Agarthas Schätze an sich zu reißen, aber sehr viel mehr nicht. Anfangs ist man überwältigt von den Ruinen und dem Mysterium dieses Landes, doch man verliert ziemlich schnell das Interesse… weil es auch nur spärlich befriedigt wird. Stattdessen gibt’s ein paar unheimliche Monster, die leichte Andeutung von einer Art Bürgerkrieg und dem Hass gegenüber Oberweltlern… doch nichts davon wird je zu einer ernsthaften Bedrohung… Es sind nur Stolpersteine, die letztendlich die Reise nur verlangsamen.

Während dieser Reise erfährt man dann leider auch nicht sonderlich viel mehr über die beiden Hauptfiguren. Weder Asuna noch ihr Lehrer Herr Morisaki öffnen sich dem Zuschauer und gewähren einen Einblick in ihr Innenleben. Wir müssen daher ihren Wunsch, einen geliebten Menschen wiederzusehen, einfach so hinnehmen. Das ist an sich ja auch kein Problem, nur hätte man darauf ein bisschen mehr eingehen… oder die Story halt mit mehr spannenden Episoden bestücken können.

Eigentlich hat Shinkai ja mit „The Place Promised in Our Early Days“ bewiesen, dass er großartige Geschichten erzählen kann, doch es scheint fast so, als wäre die Reise durch Agartha etwas zu ambitioniert gewesen. Am Ende, an der Schwelle von Leben und Tod, merkt man wieder etwas vom Zauber, den man zu Beginn des Films spürte, doch alles dazwischen wirkt recht einfach gestrickt.

Insgesamt ist „Children Who Chase Lost Voices“ ein wunderbares Sammelsurium an wundervollen Ideen, die aber teilweise nur angeschnitten werden. Vielleicht wäre hier weniger mehr gewesen… optisch ist die Reise nach Agartha aber auf jeden Fall top.

Wertung: 6 von 10 Punkten (etwas mühselige Geschichte, die aber zumindest toll in Szene gesetzt ist)

2 Kommentare leave one →
  1. 21. Februar 2014 13:36

    Ui, wieder ein Anime, schön 😀 Habe auch vor einer Weile mit dem Gedanken gespielt mir den anzuschauen, aber dann doch die Finger davon gelassen. Seit „Voices of a Distant Star“ und “ 5 Centimeters Per Second“ die es mal irgendwie gebündelt auf DVD gab, wollte ich nicht unbedingt wieder was von Makoto Shinkai schauen. „Voices …“ hatte eine grandiose Story, war aber nicht gut umgesetzt. Muss noch aus der Zeit seines 1-Mann-Animationsstudios stammen. Und “ 5 Centimeters …“ war mir viel zu trübsinnig. XD
    Obwohl der Film nicht soooo gut bei dir weggekommen ist, hätt ich nach deinem Artikel jetzt schon mal wieder Lust dem Shinkai eine Chance zu geben. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      21. Februar 2014 14:12

      Ich kenne bisher nur „The Place Promised in Our Early Days“ und den fand ich ziemlich gut, wenn auch reichlich trübsinnig und schwer melancholisch. Die anderen beiden Titel stehen aber schon auf meiner Liste 😉

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