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Fahrkarte zur Hölle

14. Februar 2014

„Ich habe die Zukunft des Horrors gesehen und sie heißt Clive Barker“. In einer Zeit, als Stephen King das Horror-Genre gut für sich allein beanspruchen konnte, war so eine Adelung wahrscheinlich wahres Gold wert und dürfte Clive Barker sicherlich den ein oder anderen Dollar mehr gesichert haben. Doch wer Barker kennt, der weiß, dass er nicht auf das Lob von Stephen King warten muss – er ist nämlich tatsächlich verdammt gut. Naja, zumindest wenn’s ums Schreiben geht.

Mit „The Hellbound Heart“ erzählt Barker eigentlich mehr oder weniger die Geschichte einer Frau, die für einen Untoten zur Mörderin wird, um mit ihm durchbrennen zu können. An und für sich nichts spannendes, wäre da nicht der Grund, warum der Untote untot ist (was das in diesem Fall überhaupt die richtige Bezeichnung ist). Hier spielt eine mysteriöse Puzzle-Box (LeMarchand-Box) eine wichtige Rolle, durch die man die sogenannten Zenobiten ruft, die einem angeblich das ultimative Lust-Gefühl beschaffen können – wenn man denn auf Folter und Qual steht.

Damit sein Baby auch im Kino seinen Vorstellungen entspricht, schrieb Barker kurzerhand das Drehbuch selbst und führte Regie. Entstanden ist dabei ein Horrorfilm, den einige als Kult bezeichnen. Fest steht, dass er eine Kult-Horror-Figur erschuf, die ähnlich wie Freddy Krueger oder Jason oder Mike Myers ihr eigenes Franchise starten konnte. Gemeint ist Pinhead – ein Typ mit einer etwas anderen Vorstellung von Akupunktur. Und die Rede ist natürlich von der „Hellraiser“-Reihe.

„Hellraiser – Das Tor zur Hölle“ (1987)

Die Buchverfilmung vom Autor selbst kann sich durchaus sehen lassen. Zugegebenermaßen hat „Hellraiser I“ einige Längen, aber besticht dennoch durch seine spannende und ziemlich abgefahrene Story. Barker sorgt mit einigen recht optischen Szenen für Bilder, die im Kopf bleiben. Den Vogel abgeschossen hat er aber definitiv mit seinen Zenobiten. Barker zeigt immer nur ein bisschen von ihnen, man erhascht einen kurzen Blick und dann verschwinden sie wieder. Und mit diesem „Köder“ aus SM-Freak-Dämonen angelt Barker sich seine Zuschauer. Man fragt sich die ganze Zeit, was das für Dinger sind und wie es wohl in deren Dimension zur Sache geht… es ist ein bisschen wie in „Event Horizon“, wo man ja auch nur einen kurzen Blick in die Hölle werfen kann und sich mit gemischten Gefühlen wünscht, man würde mehr sehen können.

„Hellraiser I“ wird seinem Kultstatus schon gerecht, weil der Film wirklich mal was Neues zu bieten hat. Eben diese abgefuckten Zenobiten.

Wertung: 8 von 10 Punkten

„Hellbound – Hellraiser II“ (1988)

Fortsetzungen sollten immer größer, besser und ambitionierter sein als ihr Vorgänger, deswegen wird uns im zweiten Teil der Hellraiser das gewährt, was wir uns im ersten Teil schon gewünscht haben. Durch die Machenschaften eines bösen Arztes gelangen wir endlich in die Dimension, in der die Zenobiten und unser guter Freund Pinhead herrschen.

Diese labyrinthartige Reich (und dadurch der ganze Film) erinnert dann irgendwie ein bisschen an Jim Hensons „Labyrinth“ – nur halt ohne David Bowie und die lustigen Puppen. Immerhin kann sich Teil 2 damit rühmen, etwas mehr über Pinheads Vergangenheit zu offenbaren.

Insgesamt eine Fortsetzung, die man als okay bezeichnen könnte, wenn man sich nicht schon an einigen Stellen echt quälen müsste, dran zu bleiben. Wirklich gruselig ist hier nichts mehr und die Zenobiten verlieren auch ein bisschen von ihrem Geheimnis. Manche Wünsche sollte man sich dann halt doch nicht erfüllen.

Wertung: 6 von 10 Punkten

„Hellraiser III – Hell on Earth“ (1992)

Jetzt wird es etwas verwirrend: Nach den Ereignissen im zweiten Teil steckt Pinhead in einer Statue fest und bringt einen Nachtclub-Besitzer dazu, ihn zu befreien. Gleichzeitig kommt eine ambitionierte Reporterin auf das Geheimnis der Puzzle-Box.

Im Großen und Ganzen besteht der dritte Teil der Hellraiser-Reihe aus Rennen und Gewalt. Besonders ein Massaker in einem Nactclub sticht hervor, mehr aber auch nicht. Ansonsten rennt unser Reporter-Püppchen durch die Gegend, es werden neue, recht lustig aussehende Zenobiten erschaffen und auch wieder vernichtet.

Teil 3 führt Pinhead in das verruchte Nachtleben einer Großstadt… richtiges Horror-Feeling ist auch hier nicht vorhanden und die Zenobiten haben ihren „Charme“ irgendwie endgültig verloren.

Wertung: 4 von 10 Punkten

„Hellraiser IV – Bloodline“ (1996)

Für gewöhnlich ist der dritte Teil einer Horror-Reihe fürs Prequel vorgesehen, doch für Pinhead und seine Puzzle-Box geht es erst im vierten Teil in die Vergangenheit. Hier wird die Geschichte vom Erbauer der Box erzählt und der ziemlich ekligen Herbeirufung eines Dämons, der Jahrhunderte damit verbringt, den Spielmacher zu verfolgen. Gleichzeitig schickt uns die Rahmenhandlung des Films aber auch in die Zukunft, wo der Nachfahre des Erbauers in einem Raumschiff die Zenobiten endgültig vernichten will.

Es ist leider genau so albern, wie es klingt. Die Mischung aus Sci-Fi und Prequel haut leider gar nicht hin. Der verzweifelte Versuch, „Alien“ zu kopieren, geht gründlich in die Hose und aus der Vorgeschichte wird leider auch nicht wirklich viel gemacht.

Mit Teil 4 verabschiedet sich dann auch ein wahrscheinlich ziemlich schwer enttäuschter Clive Barker endgültig von seiner Schöpfung, die er bis dahin zumindest immer noch als Produzent betreut hat… ab jetzt ist Pinhead leider ganz auf sich allein gestellt.

Wertung: 4 von 10 Punkten

„Hellraiser V – Inferno“ (2000)

Hellraiser_Teil_5

„Hellraiser V“ ist eigentlich kein richtiger Hellraiser-Film. Die Zenobiten rund um Pinhead dienen nur noch als Schreckgestalten in ein paar kurzen Albtraum-Sequenzen. Vorrangig ist Teil 5 mehr ein Mystery-Thriller, in dem ein Cop merkwürdigen Morden nachgeht und von merkwürdigen Visionen geplagt wird.

Ohne das „Hellraiser“ im Titel hätte Inferno – mit etwas besseren Darstellern und einer etwas besseren Story – sogar recht gut sein können. Doch mit der Erwartungen einen Hellraiser-Film zu sehen, floppt das Ding auf ganzer Linie. Nix Horror, nix Pinhead, nix gar nichts…

„Inferno“ überzeugt wirklich gar nicht… im Allgemeinen bezeichnet man so was als Verarschung der Fans. Es steht zwar Hellraiser drauf, ist aber kein Hellraiser drin. Und Mystery-Thriller gibt’s andere, die tatsächlich spannend sind.

Wertung: 3 von 10 Punkten

„Hellraiser VI – Hellseeker“ (2002)

Hellraiser_Teil_6

Hier könnte man eigentlich sagen: Siehe Teil 5, wenn nicht Ashley Laurence auftauchen würde, die in den ersten Teilen mitgespielt hat. Somit wird der Wiedererkennungswert und die „Hellraiser“-Betitelung durch einen Faktor erhöht. Doch genau wie Pinhead taucht auch Laurence nur kurz auf.

Ansonsten geht’s im sechsten Mal mal wieder etwas blutiger, aber leider auch noch verworrener zu als in seinem Vorgänger. Die Zenobiten rücken in dieser Reihe mehr und mehr in den Hintergrund… das ist als würde man Freddy Krüger zu einer Nebenfigur degradieren…

Wertung: 2 von 10 Punkten

Teil Sechs war dann auch für mich der Punkt, an dem ich nicht mehr konnte. Wie aus einer tollen und interessanten Idee so eine miserable Reihe werden konnte, bleibt mir absolut schleierhaft. Da ist es ja schon fast prophetisch (und von mir ein bisschen blasphemisch diesen Vergleich jetzt überhaupt zu bringen), wenn es am Ende des ersten Teils heißt: „Jesus wept!“ Im Falle der Hellraiser-Reihe müsste es dann wohl heißen: „Pinhead wept!“ Die arme Sau kann einem echt leid tun.

Rundum-Fazit fällt somit wie folgt aus: Ersten Teil kann man gucken, den Rest kann man Dödeln wie mir überlassen, die einfach nicht lernen wollen 😉

8 Kommentare leave one →
  1. 15. Februar 2014 13:02

    Eine schöne Zusammenfassung der Reihe! Teil 1 ist wirklich ein Meilenstein des Genres, wenngleich ich ihn eher verstörend, als gruselig finde. Hat Barker wirklich gut hinbekommen. Teil 2 ist eben von allem mehr: mehr Blut, mehr Zenobiten usw. Fand ich sogar noch schwächer, als du – Teil 3, 4 und 5 hatte ich vor Jahren einmal gesehen, fand aber alle so schwach, dass ich sie bei der letzten Runde komplett ausgelassen hatte. Letztendlich ist – wie so oft – nur Teil 1 wirklich relevant.

    • donpozuelo permalink*
      16. Februar 2014 20:46

      Ist halt vor allem schade drum, dass sie aus den Zenobiten nichts vernünftiges mehr gemacht haben. Im ersten Teil waren die halt noch echt unheimlich, aber später nur noch traurige Witzfiguren. Wenn ich ehrlich sein soll, wäre „Hellraiser“ durchaus mal eine Reihe, die ein Reboot vertragen könnte… ein richtiges, wohl gemerkt 😉

      • 16. Februar 2014 21:53

        Soll ja auch kommen, soweit ich weiß…

        • donpozuelo permalink*
          17. Februar 2014 09:11

          😀 Wie überraschend… aber wie gesagt, hier könnte ich mir das gut vorstellen, dass es auch durchaus mal klappen könnte.

  2. 16. Februar 2014 16:27

    Danke für den Überblick – ich schleiche ja schon ewig um den ersten Teil rum und dachte immer … ‚ach … dann hast du den ersten gesehen, dann musst du auch die anderen schauen‘ … und überhaupt ‚Wer ist eigentlich dieser Pinhead?‘ Jetzt hab ich einen Überblick und einen Plan. Einfach den ersten Film gucken und gut sein lassen XD

    • donpozuelo permalink*
      16. Februar 2014 20:46

      So sieht’s aus!!! Somit bewahrst du dir dann auch den „Zauber“ von Pinhead 😉

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