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Der Halbblut-Samurai

5. Februar 2014

Wie gelangt man von einem klassischen Stoff zu einem Fantasy-Spektakel mit Hexen, Dämonen und Drachen? Die Frage muss man sich zwangsläufig stellen, wenn man sich Carl Rinschs „47 Ronin“ anschaut. Denn die Geschichte um die herrenlosen Samurai, die den Tod ihres Herren rächen, gibt es wirklich. Immer zum 14. Dezember zollen zahlreiche Japaner den Ronin ihren Respekt. Da muss es doch als westlicher Filmemacher echt merkwürdig sein, so einen Stoff zu verfilmen… und dann halt noch als Fantasy-Film. Doch die „47 Ronin“ gibt’s in Japan in allen Varianten, die man sich nur vorstellen kann – tatsächlich macht selbst „Hello Kitty“ nicht davor halt. Und wenn die Story mit süßen, kleinen Kätzchen funktioniert, dann doch sicherlich auch als Fantasy-Abenteuer mit Keanu Reeves.

Genau das ist „47 Ronin“ nämlich geworden. Reeves spielt das Halbblut Kai, der am Hof des Fürsten Asano (Min Tanaka) lebt. Mit Hilfe der bösen Hexe Mizuki (Rinko Kikuchi) gelingt es dem Fürsten Kira (Tadanobu Asano), Asano selbst zu verhexen. Durch einen „schändlichen“ Angriff auf den unbewaffneten Kira wird Asano gezwungen, Seppuku zu begehen. Kira erhält Asanos Länder und auch dessen Tochter Mika (Kou Shibasaki). Dem Anführer von Asanos Samurai (die nun alle Ronin sind), Oishi (Hiroyuki Sanada) wird verboten, Rache für den Tod seines Herren zu nehmen. Doch zur Sicherheit lässt Kira ihn ein Jahr lang in ein dunkles Loch sperren – nur ist Oishis Rachelust damit nicht gebrochen. Nach dem einen Jahr sammelt er seine Krieger wieder zusammen – unter ihnen auch Halbblut Kai – und plant die Ermordung von Lord Kira.

Man muss in erster Linie natürlich Fan von Samurai-Filmen sein, um an „47 Ronin“ seinen Spaß zu haben. Denn glücklicherweise „verwestlicht“ Regisseur Carl Rinsch den Stoff nicht zu sehr. Das merkt man gerade zu Beginn des Films, wenn eigentlich nicht all zu viel passiert, aber ständig über Ehre und Stolz und sonstiges Zeug geredet wird. Zum Glück gibt es bis auf Keanu Reeves in diesem Film auch keinen anderen westlichen Schauspieler. Somit bleibt das ganze Setting des Films auch immer glaubwürdig.

Keanu Reeves ist im Endeffekt nur der weltweite Selling-Point – ohne ihn würde dieser Film wahrscheinlich nicht einmal in unsere Kinos kommen. Und mit dieser Last auf seinen Schultern, geht Reeves seine Rolle an… und macht sein Ding gut. Er ist jetzt nicht überragend, gliedert sich aber ziemlich gut in den japanischen Cast ein und wirkt interessanterweise gar nicht so sehr wie ein Fremdkörper. Auch wenn die Hintergrund-Geschichte zu seinem Charakter nur sehr grob gezeichnet wird, passt es zur Story. Es wird nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig erzählt.

Wenn man sich dann irgendwann mit den ganzen verschiedenen Personen angefreundet hat, dann nimmt auch der Film so langsam Fahrt auf. Carl Rinsch greift gut in die Fantasy-Kiste, aber ohne es zu übertreiben: Es gibt anfangs ein nettes Monster (das mich ein bisschen an „Prinzessin Mononoke“ erinnert hat), später ist es dann hauptsächlich „Pacific Rim“-Mieze Rinko Kikuchi als fiese Hexe, die für ein bisschen Magie sorgt: Und ganz ehrlich: Kikuchi scheint sichtlich Freude an der Rolle haben und lebt das richtig aus. „47 Ronin“ ist also nicht unbedingt nur Fantasy, was recht angenehm ist, da so ein Fantasy-Overkill jetzt sicherlich auch nicht so das Wahre gewesen wäre.

Die Kämpfe, ob nun mit Schwertern im Zweikampf oder große Angriffe, sind dagegen „bodenständig“ geblieben. Hier fliegt keiner wie eine Feder durch die Luft oder springt von Zweig zu Zweig. Allerdings greift die Altersfreigabe wieder sehr – egal, was abgetrennt wird, Blut werdet ihr in diesem Film kaum zu Gesicht bekommen.

Aber das muss ja auch nicht sein. Insgesamt liefert „47 Ronin“ ein gutes Bild ab – Samurai-Film gepaart mit Fantasy und einer netten Dosis Keanu Reeves… es hätte alles viel schlimmer kommen können. Das einzige, was mich wirklich gestört hat, ist die Tatsache, dass die übrigen Ronin ein bisschen blass bleiben. Da wird mal kurz ein dicker Typ als kleiner Witzbold gebracht… sonst erfährt man nichts über die üblichen Samurai. Ich habe jetzt keine lange Einleitung wie bei Kurosawas „Die Sieben Samurai“ erwartet, aber eigentlich müsste der Film „Der eine Ronin, das Halbblut und ihre 45 gesichtslosen Freunde“ heißen. Aber wer darüber hinweg sehen kann, kriegt was fürs Auge…

Wertung: 7 von 10 Punkten (sicherlich nicht Reeves’ großes Comeback, aber durchaus sehenswert)

14 Kommentare leave one →
  1. 5. Februar 2014 12:08

    Falsch. Der Film ist Müll. Die Schauspieler, die alle gebrochen englisch reden, oder der hanebüchene Plot – nichts stimmt da. Ich hatte mich ein bisschen gar gelangweilt. Immerhin war ich nicht der einzige, der zu Beginn an Prinzessin Mononoke denken musste.

    • donpozuelo permalink*
      5. Februar 2014 17:06

      Falsch! So großer Müll ist der Film nun auch wieder nicht. Liegt aber vielleicht daran, dass ich den direkt in der deutschen Synchro gesehen habe. Durch gebrochenes Englisch wollte ich mich nicht quälen. Der Plot ist halt der Plot der echten Story um die Ronin… angereichert mit Fantasy. Muss nicht jedem gefallen, mir gefiel’s 😉

      Bin ja froh, dass ICH nicht der einzige bin, der an Mononoke denken musste 😀

  2. 5. Februar 2014 20:15

    Ich kenne Prinzessin Monoke nicht, darum konnte ich auch nicht an sie denken.
    Aber Du weißt ja, ich mag die 47 Ronin. Werde ich mir gerne auch noch mal ansehen 😀

    • donpozuelo permalink*
      6. Februar 2014 09:08

      In diesem Fall ist es nicht so schlimm, dass du Mononoke nicht kennst… aber das ist trotzdem ein Film, den ich nur empfehlen kann. 😉

  3. 5. Februar 2014 21:04

    Toll…erste gute Kritik die ich dazu höre…ich freu mich

    • donpozuelo permalink*
      6. Februar 2014 09:09

      Kann man sich auf jeden Fall angucken. Was der Owley schreibt… ts, ts, ts… 😀

      Nein, im Ernst: Ich finde, man kann sich den Film ruhig anschauen.

  4. 5. Februar 2014 21:24

    Hm …. also ich ringe ja schon die ganze Zeit mit mir, ob ich mir den anschaue oder nicht. Habe mich etwas gewehrt, weil ich mir ganz schwer vorstellen kann, dass die Japaner ausgerechnet auf Keanu Reeves als Retter der Ehre gewartet haben, aber da tue ich ihm wahrscheinlich unrecht. 😉 Vielleicht sollte ich dem Film mal eine Chance geben. Auf jeden Fall danke für einen Artikel – ich hab die Reviews satt in denen alle schreiben sie würden das mit Japan und den Samurai und der Ehre nicht verstehen und fänden den Film komisch.

    • donpozuelo permalink*
      6. Februar 2014 09:11

      Keanu ist ja zum Glück nicht der einzige Retter der Ehre 😉 Und ja, die Leute, die das mit Japan und den Samurai und der Ehre nicht verstehen, für die ist der Film wahrscheinlich wirklich nichts. Zumal ich mich dann frage, warum sie da überhaupt reingehen.

      • 7. Februar 2014 02:04

        „47 Ronin“ bietet erstklassige Bilder.
        Damit hat es sich aber auch schon, denn der Rest ist eine uninspirierende Story, hölzerne Dialoge und ebenso agierende Darsteller.
        Da bleib ich doch lieber bei Kurosawa 😉

        • donpozuelo permalink*
          7. Februar 2014 19:07

          Keine Frage… an den Meister kommt eh niemand ran 😉 Aber das will „47 Ronin“ ja auch gar nicht. Man darf da jetzt halt auch keine große Erwartungen haben.

      • 8. Februar 2014 20:28

        Erstens das und zweitens frage ich mich bei solchen Meinungen dann immer, warum es sooo schwer sein kann sich in andere Kulturen zu versetzen …

        • 9. Februar 2014 12:55

          @donpozuela: Das war wohl der grosse Fehler, den ich begangen habe: zu grosse Hoffnungen in den Film gesetzt. 😉

          @Miss Booleana: Ebendies habe ich mich auch gefragt- allerdings im Bezug auf Regisseur Rinsch und sein Team; die die japanische (Kino-) Kultur gnadenlos durch den Blockbuster-Fleischwolf drehen.

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