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Die Kobra

3. Februar 2014

Was klingt cooler? „Flucht aus New York“ oder irgendeine Schlange, die mit dem eigentlichen Film mal gar nichts zu tun hat. Natürlich wählt man die Schlange. „Flucht aus New York“ klingt einfach… naja, irgendwie mehr nach einem Fernsehfilm, den eigentlich kein Mensch sehen will. Doch dann steht man vor dem nächsten großen Dilemma: Welche Schlange nimmt man denn jetzt? Das muss sich ja gut anhören. Viper… würde gehen, klingt aber zu sehr nach dem Auto und vielleicht gibt’s dann rechtliche Probleme. Natter… geht gar nicht, noch schlimmer wäre nur Blindschleiche. Deswegen muss auch Kobra ausfallen… denn nachher nennt das irgendeiner noch Brillenschlange und der ganze Film wäre nicht mehr vernünftig zu vermarkten. Also dann vielleicht doch „Die Klapperschlange“? Klingt gut… die ist gefährlich, sieht auch aus wie eine echte Schlange, das passt. Wir ignorieren die Tatsache, dass die Hauptfigur in diesem Film das Tattoo einer Kobra trägt einfach. Darauf wird eh keiner achten, wenn sie sehen, was für ein verdammt geiler Film „Die Klapperschlange“ ist.

Naja, so oder so ähnlich stelle ich mir die Gedankengänge der Filmverleiher vor, als sie John Carpenters „Escape from New York“ vorgelegt bekamen. Abgesehen davon, dass der Titel wirklich nicht besonders spektakulär klingt und man mit jeder Art von Schlangennamen besser gefahren wäre, verbirgt sich hinter diesem Titel ein extrem gelungener Sci-Fi-Endzeit-Streifen mit einer Ikone des Action-Kinos.

Kurt Russell spielt Snake Plissken, seines Zeichens Ex-Elite-Soldat und jetzt Sträfling. Doch kurz bevor Plissken verknackt werden soll, passiert etwas: Die Air Force One stürzt über New York ab. Blöd nur, dass New York mittlerweile ein einziges Gefängnis geworden ist. Da hat man ein paar Mauern drum gezogen, alle Häftlinge eingefercht und sie sich selbst überlassen. Dem entsprechend ist New York vielleicht nicht unbedingt das beste Fleckchen Erde für den Präsidenten der USA. Vor allem, weil der Präsident dringend bei Friedensgesprächen gebraucht wird. Kurzerhand entscheidet man sich dafür, Plissken nach New York zu schicken. 22 Stunden hat er Zeit, um den Präsidenten zu finden. Und damit er sich auch brav an alle Abmachungen hält, bekommt er einen Minisprengsatz implantiert, der nach 22 Stunden hochgeht.

„Die Klapperschlange“ hat für mich schon fast sentimentalen Erinnerungswert. Das ist einer der Filme, den ich stark mit meiner Kindheit verbinde. Das war einer der ersten „Erwachsenenfilme“, den ich sehen durfte, in dem es nicht um Peitschen schwingende Archäologen oder um Laserschwert tragende Jedi-Ritter ging. Ein echt echter Film… der mich damals beeindruckte und es auch heute noch tut.

Allein wie glaubhaft John Carpenter sein Bild von einem verwahrlosten New York zeigt: Schutt und Asche auf den Straßen, die Häuser nur noch Schatten ihrer Selbst – voller Graffiti, Müll und Dreck. Auf den scheinbar ewig dunklen Straßen marodieren verwahrloste Menschen, hinter jeder Ecke lauert eine neue Gefahr. Nirgends ist man sicher. Diese Grundstimmung hält der Film unglaublich gut… wie ein Lone Gunman streift Plissken durch die Straßen. Wenigstens einer, der sich in diesen Straßen nicht fürchten muss. Denn Snake Plissken ist einfach mal die coolste Sau auf Erden. Und jeder, der sich ihm in den Weg stellt, wird es früher oder später bereuen. Wer würde es auch wollen, wenn plötzlich ein Typ mit Mucki-Shirt und Lederhosen, langer Mähne und Augenklappe vor einem steht. Es ist ja immer schwierig sich eine andere Person in einer schon als Kultfigur etablierten Rolle vorzustellen, aber mal im Ernst: Außer Kurt Russell hätte ich niemand sonst als Snake Plissken sehen wollen (zum Glück hatte er ja schon mit Carpenter an „Das Ding aus einer anderen Welt“ gearbeitet). Wenn jemand diesen mürrischen Charme hat, dann Russell. Eigentlich keine Muskeln und trotzdem würde ich ihm abends nicht mehr begegnen wollen.

Somit sind zwei wichtige Faktoren für „Die Klapperschlange“ bestens belegt: eine unheimliche, verfallene Stadt voller Gefahren und ein Typ, der sich hier trotzdem noch frei bewegen kann, ohne vor Angst tot umzufallen.

Dazu kommt, dass „Die Klapperschlange“ jetzt kein typischer 80er Jahre Action-Streifen ist. Statt viel Action lebt der Film von der Stimmung und den Figuren. Neben Snake gibt’s da dann auch noch den wunderbaren Isaac Hayes als durchtriebenen Duke von New York, der sich in New York richtig zum Warlord entwickelt hat und seine Anhänger mit blutigen Spielen bei Laune hält.

„Die Klapperschlange“ ist ein herrlich dreckiger und düsterer Science-Fiction-Endzeitfilm, der durch Atmosphäre und Kurt Russell bestens funktioniert und sogar recht gut gealtert ist.

Wertung: 10 von 10 Punkten (einer meiner All-Time-Favourites… weswegen ich die Fortsetzung bis jetzt auch noch nie angerührt habe)

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11 Kommentare leave one →
  1. DexterWard permalink
    3. Februar 2014 18:42

    Ja, ja, einer meiner Alltimefavourits, aber über Klapperschlange oder Kobra habe ich mir die letzten 30 Jahre keinen einzigen Gedanken gemacht ^.^

    • donpozuelo permalink*
      4. Februar 2014 08:58

      😀 Ich brauchte auch nur irgendwas für die Einleitung, aber komisches ist es trotzdem, warum sie sich ausgerechnet für die Klapperschlange entschieden haben… wo es doch nie eine zu sehen gibt.

      • 4. Februar 2014 15:20

        Das ist doch ganz typisch für die deutsche Titelsuche. Da macht kaum etwas Sinn, vielleicht habe ich darum nie darüber sinniert :))

        • donpozuelo permalink*
          4. Februar 2014 15:42

          Ich könnte mich über sowas immer aufregen 😉 Mit selten-dämlich deutschen Titeln könnte man mittlerweile wohl auch schon Bücher füllen.

  2. 3. Februar 2014 20:48

    Wow. 10 Punkte. Aber ist ja auch ein toller Film, wenngleich mir andere Carpenters wohl lieber sind. Müsste ich aber auch noch einmal schauen, um mir eine endgültige Meinung zu bilden.

    • donpozuelo permalink*
      4. Februar 2014 08:57

      Es gibt auch andere tolle Carpenters, aber der hier gehört schon zu meinen großen Favoriten. Ist auch einer der ersten, den ich von Carpenter gesehen habe. Und damals wie heute hat Kurt Russell einen bleibenden Eindruck hinterlassen 😉

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