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Yakuza Kill Zone

24. Januar 2014

Takeshi Kitano liebt Yakuza-Filme. Und Takeshi Kitano hat es gerne brutal in seinen Filmen. Das hat er in zahlreichen wunderbaren Beispielen gezeigt (unter anderem hat er aber auch gezeigt, dass er immer wieder zwischendurch auch komische, sanfte, nachdenkliche Filme macht… ich erwähne das nur, falls jemand den guten Mann in irgendwelche Schubladen stecken möchte). Kitano ist mittlerweile schon ein alter Hase, schafft es aber trotzdem immer wieder, mit Neuem zu überraschen… und zu beweisen, dass er wirklich in keine richtige Schublade passt. So beweist er dann auch, dass man Yakuza noch steigern kann…

In „Outrage“ nimmt uns Kitano erneut mit in diese Welt des organisierten Verbrechens. Der Oberboss, der Kaicho (Soichiro Kitamura) stellt den Anführer des Ikemoto-Clans (Jun Kunimura) zur Rede. Der hat sich nämlich in seiner Zeit im Gefängnis mit Murase (Renji Ishibashi) verbrüdert. Blöd nur, dass Murase seine Loyalität zum Kaicho nicht erklärt hat. Ikemoto soll Murase deswegen in seine Schranken weisen. Diesen Auftrag reicht Ikemoto weiter – an seinen Untergeordneten Otomo (Takeshi Kitano), der widerum mit seinem Clan bei Murase für Stunk sorgt. Leider funktioniert das Ganze wie ein Schneeballsystem, dass mehr und mehr Gewalt nach sich zieht.

Wenn jemals ein Film wirklich deutlich gemacht hat, wie organisiert das organisierte Verbrechen ist, dann Kitanos „Outrage“. Wie das Organigramm einer großen Firma entfächert Kitano die große Welt der Yakuza-Clans, beschreibt die Befehlsketten, die nur eine Richtung kennen: von oben nach unten. Klar, wie auch sonst.

Gleichzeitig eröffnet sich mit diesem Organigramm auch das wohl größte Problem von „Outrage“: Kitano präsentiert uns mit einer Fülle an Charakteren, dass man nur zu leicht den Überblick verliert. Schließlich ist jeder Clan noch einmal unterteilt und dann nochmal. Wer dann wem warum die Fresse poliert, ist an einigen Stellen schwer zu sagen. Gerade weil es irgendwann nur noch ums Fresse polieren geht. Leider macht sich Kitano auch nicht allzu viele Gedanken darum, einzelne Personen deutlicher hervorzuheben. Warum auch? Sie könnten in der nächsten Szene ja möglicherweise schon wieder tot sein.

Was „Outrage“ an – vorsichtig gesagt – Übersichtlichkeit mangeln lässt, macht der Film durch Brutalität wieder wett. Die Yakuza-Clans sind ja noch nie wirklich zimperlich mit einander umgegangen, aber in „Outrage“ geht’s so richtig zur Sache. Auch hier wird die Gewalt zu einer Art Schneeball-System: jeder sucht Rache für einen vorangegangenen Mord und so stapeln sich die Leichen hier nach und nach höher und höher. Es kann am Ende – genau wie beim „Highlander“ – halt nur einen geben. Und dafür wird Bruder gegen Bruder, Freund gegen Freund, jeder gegen jeden geschickt… schließlich sind sie alle nur die Spielfiguren in einem Spiel, das irgendwelche alten Männer spielen, um ihre Macht zu wahren. Zwar wird auch in „Outrage“ viel von Ehre gesprochen, wirklich ehrenhaft sind hier allerdings die wenigstens. Gefressen und gefressen werden – mehr gibt es in diesem System der Gewalt nicht. Ehre ist nur ein Wort, mehr nicht.

Auf bedrückende Weise macht uns Kitano das deutlich und trägt damit wohl auch viel dazu bei, dem organisierten Verbrechen stärker den Spiegel vorzuhalten als es das ein „Der Pate“ jemals könnte. Da waren die Mafiosi ja irgendwie auch noch cool, aber bei Kitano hegt man nie den Wunsch danach, selber mal so ein Yakuza zu sein. Die Lebensdauer ist bei denen ja noch viel begrenzter.

Takeshi Kitanos „Outrage“ ist schwere Kost: zu fragmentarisch, zu unpersönlich, zu unübersichtlich… aber irgendwie scheint es auch genau das zu sein, was er damit erreichen will. So wie sein Film sind auch die Yakuza-Clans. Diesen Film kann man definitiv nicht so mal nebenbei schauen, dafür muss man doch schon sehr genau aufpassen. Trotzdem ist „Outrage“ ein interessanter Film, ein krasser Film, ein schwerer Film… mit einer Szene, nach der man wirklich NIE wieder zum Zahnarzt gehen will.

Wertung: 7 von 10 Punkten (zäh und hartnäckig wie die Yakuza selbst)

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4 Kommentare leave one →
  1. 24. Januar 2014 13:43

    Ich mag Kitanos Bandbreite – von Kikujiro über Takeshis Castle bis zu dem Film. Das gefällt mir, erinnert mich ein bisschen an Scorsese. Werde ich mir trotz deiner verhaltenen Kritik sicher noch holen, und sei es nur, wegen dem tollen Poster zum Sequel.

    • donpozuelo permalink*
      24. Januar 2014 14:10

      Das mag ich auch sehr an Kitano. Der hat wirklich schon alles gemacht… Haben die „Outrage“ nicht sogar zu einer Trilogie ausgebaut? Zumindest soll’s ja wohl mehr als nur das Sequel geben, oder bin ich da jetzt komplett falsch informiert? Egal, „Outrage“ hat seine Vorzüge, ist aber halt echt ein bisschen anstrengend. Kann man sich aber – gerade als Kitano-Fan – sehr gut anschauen.

  2. 25. Januar 2014 12:08

    OUTRAGE habe ich just letztes Wochenende gesehen. Bei der vor etwa einem halben Jahr verpflichtenden Sichtung von Kitanos SONATINE bin ich tatsächlich zwischnendurch eingeschlafen und auch bei OUTRAGE haben die Augen angesichts der Uhrzeit kämpfen müssen. Trotz der Gewaltexzesse fehlt es dem Film an einem klar erkennbaren Tempo. Es wird immer wieder angezogen und gebremst, mir fehlte da ein angenehmer Rhythmus, eine klar erkennbare Linie. Die habe ich immerhin in der Kameraarbeit und der Gewalt wieder erkennen können. OUTRAGE wird seinem Titel jedenfalls gerecht, aber etwas spannender oder personalisierter an bestimmten Charakteren ausgerichtet, hätte mich der Film wohlmöglich besser unterhalten.

    • donpozuelo permalink*
      25. Januar 2014 18:50

      Das habe ich mir auch immer gedacht. Personalisierter hätte es für mich auch sein können… aber wer weiß, vielleicht ist Teil 2 ja besser 😀

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