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Nichts im Leben ist umsonst…

22. Januar 2014

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, da muss jeder von uns diese eine Wahrheit lernen. Selbst die Sachen, die kostenlos sind, haben ihren Preis. So denken viele… so habe ich es selber erlebt, als ich mal einen lieben Sommertag verzweifelt versucht habe, einen Kühlschrank zu verschenken. Das war so eine Werbeaktion. Kein Schwein wollte diesen Kühlschrank, der wirklich komplett umsonst war. Inklusive Lieferung… einziger Preis: Einmal kurz nen blöden Spruch in die Kamera abliefern. Aber selbst das war für manche zu viel. Sachen, die umsonst daher kommen, beäugen wir mittlerweile viel skeptischer. Der Spruch „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“ hat sich relativiert. Mittlerweile ist nicht einmal mehr der Tod umsonst.

Denn in Andrew Dominiks Romanverfilmung „Killing them softly“ lernen wir das ziemlich schnell. Hier wird jeder Tod nochmal schön business-like verhandelt. Es geht schließlich immer nur ums liebe Geld. Frankie (Scoot McNairy) und sein drogenabhängiger Freund Russell (Ben Mendelsohn) überfallen eine Poker-Runde von Markie Trattman (Ray Liotta). Es könnte das perfekte Verbrechen sein, denn Mark hat schon einmal seine eigene Runde überfallen und der Verdacht würde nach diesem Raub erst einmal auf ihn fallen. Blöd nur, dass der „Ermittler“ der Mafia, Killer Cogan (Brad Pitt) genau zu wissen scheint, dass Markie nur ausgenutzt wurde… was aber nicht heißt, dass Markie ungeschoren davon kommt.

„Killing them softly“ ist schwierig zu beurteilen. Für mich zumindest. Auf der einen Seite fand ich ihn echt nicht schlecht. Auf der anderen Seite gab es viele Dinge, die mich gestört haben. Die Story an sich ist schon interessant… während im Hintergrund – ob nun im Radio oder im Fernsehen – amerikanische Politiker über die Finanzkrise quatschen, sehen wir im Vordergrund, dass selbst die Mafia nicht davon ausgeschlossen ist. Hier wird alles zum Geschäft, hier wird um jeden Cent gehandelt. Jeder will in schweren Zeiten mehr Geld haben. Eine nette Idee – die Finanzkrise trifft auch das organisierte Verbrechen. Nur übertreibt es Dominik ein bisschen mit dem „unterschwelligen“ Botschaften. Wenn es mal keinen Dialog gibt, kann man sich sicher sein, irgendwo Obama, McCain, Bush oder irgendeinen anderen Politiker reden zu hören. Mir ging das irgendwann auf den Sack… ich hatte schon nach den ersten Anspielungen verstanden, worum es Dominik geht.

Was noch irgendwie stört, sind manche der Dialoge. Manchmal sind die richtig gut… doch einige sind einfach nur anstrengend. Besonders einer zwischen Brad Pitt und James Gandolfini… in dem es hauptsächlich um die eine besonders schöne Nebensache im Leben geht. Blöd nur, dass das Ding einfach nur lahm ist. Oftmals fehlt Dominik, der auch das Drehbuch geschrieben hat, das Feuer, das gewisse Etwas. Als der Film in die Kinos kam, habe ich in vielen Kritiken Vergleiche (positive und negative) zu „Pulp Fiction“ gelesen…. aber an den alten Tarantino kommt Dominik nicht ran. Vielleicht eher an den Tarantino aus „Death Proof“. Es wird halt viel geredet, manchmal gut, manchmal schlecht…

Und wenn mal nicht geredet wird, dann wird’s blutig. Meistens geht das aber schnell… nur einmal lässt sich Dominik dazu hinreißen, einen Tod in Zeitlupe zu zelebrieren. Das sieht zwar verdammt cool aus… aus verschiedenen Perspektiven sehen wir die Kugel den Lauf verlassen, durch die Fensterscheibe eines Autos und in ihr Ziel knallen. Alles ziemlich beeindruckt inszeniert… nur fragt man sich am Ende trotzdem auch wieder: „Warum?“ Bei seinen Finanzkrisen-Gemurmel aus dem Hintergrund bleibt Dominik etwas konsequenter…

„Killing them softly“ ist halt sicherlich nicht für jeden was. Man könnte ihm vorwerfen, ziemlich langweilig und lieblos zu sein. Allerdings kann man auch loben, wie gut Dominik Finanzkrise und organisiertes Verbrechen miteinander verbindet. Größter Pluspunkt des Films ist definitiv ein verdammt cooler Brad Pitt, ohne den dieser Film endgültig den Bach runtergehen würde.

Andrew Dominiks dritter Film muss man vielleicht auch eine zweite Chance geben… ich glaube, man könnte diesen Film lieben lernen…

Wertung: 6 von 10 Punkten (es wird viel geredet… man könnte fast meinen, das Buch zu lesen, wäre einfacher)

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2 Kommentare leave one →
  1. 22. Januar 2014 10:38

    Mir hat der Film ja seiner Zeit im Kino sehr gut gefallen. Ich hatte auch nicht die Vergleiche zu PULP FICTION gescheut, würde auch immer noch behaupten, dass KILLING THEM SOFTLY eine klare Weiterentwicklung vom Gangster-Film ist, die seit PULP FICTION immer mehr zu Kopien vom Tarantino-Stil verkommen sind.
    Hier reden die Gangster wirklich nur noch Schwachsinn, trotz der Probleme sind die Typen einfach ein langweiliger Haufen, unsympathische Kerle. Besonders der alternde Gandolfini hat sich in seiner Rolle in mein Herz gespielt. Aber – ein Meisterwerk ist der Film nicht.

    • donpozuelo permalink*
      22. Januar 2014 14:45

      Ob’s jetzt wirklich so eine klare Weiterentwicklung ist, will ich jetzt gar nicht so genau sagen. Fällt mir auch schwer. Ja, es thematisiert die Gangster mal in einem anderen Licht und auch auf eine sehr andere Art als zum Beispiel „Pulp Fiction“. Gandolfini konnte bei mir wirklich gar nicht punkten, da fand ich schon Pitt sehr viel stärker.

      Naja… hätte man sicherlich auch insgesamt viel stärker machen können.

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