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Kommet und sehet!

13. Januar 2014

Thriller mit biblisch motivierenden haben es schwer. So ziemlich jeder neue Film muss sich mit David Finchers „Seven“ messen. Schließlich war es Fincher, der diese Thematik wirklich gut verarbeitet hat, ohne das es in billigen Klischees versinkt. „Seven“ war atmosphärisch und spannend zugleich und lieferte zugleich auch noch einen der besten psychopathischen Killer aller Zeiten. Da muss man sich als Regisseur nun was einfallen lassen, um im Vergleich zu „Seven“ (der bei dieser Thematik zwangsläufig sowieso immer ansteht) nicht abzustinken. Der schwedische Regisseur Jonas Åkerlund wagte den Versuch mit „Horsemen“.

Darin bekommt es Detective Aiden Breslin (Dennis Quaid) mit einer unheimlichen Mordserie zu tun: Alle Opfer, die er im Laufe des Films untersucht, befinden sich an Haken für eine sogenannten Body-Suspension. Dazu weißt das in Blut geschriebene „Come and See“ auf eine Bibelstelle in der Offenbarung (wo auch sonst!!!) hin, in der es um die Vier Apokalyptischen Reiter geht. Als erste Tatverdächtige erweist sich die Adoptivtochter des ersten Opfers – Kristin (Zhang Ziyi), die Breslin aber mit mehr Rätseln statt mit Antworten quält.

Das einzig Nennenswerte an diesem Film ist das Hollywood-Debüt von Zhang Ziyi. Statt sich wie in „Tiger and Dragon“ oder „Hero“ stilsicher mit dem Schwert durch die Luft zu schwingen, verkümmert sie hier schnell in einer Gefängniszelle und darf ein bisschen böses Mädchen spielen. Das scheint ihr zwar Spaß zu machen, nur nervt sie irgendwann… was man so von fast allen Charakteren in diesem Film behaupten kann.

Dennis Quaid versucht als gebeutelter und gestresster Cop und Vater, den Film zu tragen. Dabei muss er mit dem Tod seiner Frau klarkommen und aufpassen, dass er seine beiden Söhne nicht zu sehr vernachlässigt. Quaid quält sich durch diesen Film und so richtig weiß man nicht, wo man nun Sympathie für ihn entwickeln soll. Dazu kommt, dass Quaids Cop weniger forschen muss als noch Brad Pitt und Morgan Freeman in „Seven“.

Womit wir dann jetzt zu den „Seven“-Qualitäten von „Horsemen“ kommen. Åkerlund weiß um Finchers „Standardwerk des Bibel-Killers“ und in einigen Szenen erkennt man deutlich, dass Åkerlund brav kopiert: Es gibt da diese eine Szene, in der Breslin sich zuhause für die Arbeit fertig macht. Alles, was er braucht (Marke, etc.), liegt fein säuberlich auf der Kommode, wo er es Stück für Stück an sich nimmt. Eins zu eins die gleiche Szene findet sich auch bei Fincher, wenn Morgan Freeman als Somerset sich auf den Weg zur Arbeit macht.

Natürlich schreien auch die Morde selbst ganz klar nach „Seven“. Gut, im Fall von „Horsemen“ sind es – gemäß der Apokalyptischen Reiter – nur vier Morde und sie sind auch nicht so krass wie bei Fincher, dennoch bieten sie genügend Spielraum für wilde Spekulationen. Breslin ermittelt, liest brav seine Bibel und bekommt bald die ersten Hinweise. Nur hier hören die großen Gemeinsamkeiten mit „Seven“ auch schon wieder auf. Åkerlund kann die Spannung nicht so gut halten wie Fincher. Das Rätsel um die Mörder wird hier sehr viel schneller aufgelöst und die Frage nach ihrem Motiv zu einer lächerlich albernen Drehbuchwendung. Ich will jetzt nichts verraten, für den Fall, dass sich jemand diesen Film noch anschauen möchte, aber die Auflösung von „Horsemen“ ist arg an den Haaren herbeigezogen. Größtes Problem dabei ist, dass man es irgendwann zur Hälfte des Films auch schon erahnt und eigentlich die ganze Zeit nur hofft, dass es nicht wirklich so blöd wird, wie man es sich denkt. Leider Gottes wird es dann genau so.

Immerhin gibt sich Åkerlund viel Mühe, befolgt die meisten Genre-Regeln brav, liefert seine skurrile Story mit der nötigen Ernsthaftigkeit ab und hat mit Dennis Quaid wenigstens einen halbwegs gute Entscheidung gemacht. Wen man es lapidar ausdrücken würde, würde man „Horsemen“ als einen soliden Thriller bezeichnen. Nicht wirklich innovativ, aber auch nicht sooo schlecht. Wenn die Auflösung ein kleines bisschen glaubwürdiger gewesen wäre, hätte es sogar ein guter Thriller sein können.

Wertung: 5 von 10 Punkten (zum Glück sind es nur vier Reiter… so ist das Ganze etwas schneller vorbei)

4 Kommentare leave one →
  1. 13. Januar 2014 11:45

    Hatte ich schon mal erwähnt, dass man bei Dir oft lange nach dem Filmtitel suchen muss? Ich meine, den hier kannte ich, lief ja vor ein paar Jahren auf dem Fantasy Filmfest und meist erkenne ich die Filme an den Bildern…ist wahrscheinlich ein Trick, damit man Deinen Beitrag auch wirklich genau liest 😀
    Im Übrigen fand ich den Film auch sehr schwach, fast schon ärgerlich. Er fing zwar okay an, baute dann aber ab.

    • donpozuelo permalink*
      13. Januar 2014 11:56

      😀 Ja, das ist ein bisschen so gewollt 😛

      Was den Film angeht… da muss man nix mehr zu sagen. Es ist schade, denn er fängt wirklich ganz gut an…

  2. Iwo permalink
    16. Januar 2014 20:04

    Haben wir den nicht zusammen gesehen, vor einem Jahr, bei dir? 🙂

    • donpozuelo permalink*
      16. Januar 2014 21:43

      😀 Echt schon ein Jahr her??? Kann fast sein. 😉

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