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The Zec

10. Januar 2014

Es passiert ja immer wieder mal, dass sich einige Menschen bei gewissen Schauspielern darüber aufregen, dass die eine bestimmte Rolle abbekommen. Prominentestes Beispiel ist wohl der Aufruhr über die Tatsache, dass der gute Ben Affleck unser nächster Batman wird. Ja, der Mann hat mit „Daredevil“ gezeigt, wie man es nicht machen sollte. Aber verdient nicht jeder eine zweite Chance – „the benefit of the doubt“, wie es so schön im Englischen heißt? Ich finde schon, schließlich zeigen auch andere Beispiele, dass so ein anfänglicher Shitstorm völlig fehl am Platze war (ich bringe jetzt nicht mein Daniel-Craig-spielt-Bond-Beispiel… upps).

Aber es passiert halt immer wieder… und bei einem Projekt war Tom Cruise das Opfer wütender Fans. Als bekannt wurde, dass er in der Lee-Child-Verfilmung „Jack Reacher“ die Hauptrolle übernommen soll, war das Entsetzen groß. Jack Reacher wäre ein 1, 90 großer Hüne, während Tom Cruise ja nun nicht gerade der Größte ist. Ich habe Childs Bücher nie gelesen, deswegen konnte ich auch das Drama nicht so ganz verstehen… schließlich ging es hier nur um die Größe.

Nach langer Wartezeit habe ich „Jack Reacher“ endlich gesehen… und muss zu meinem Erstaunen feststellen, dass ich – trotz meiner literarischen Unwissenheit, was Lee Childs Reacher angeht – nicht so hundertprozentig zufrieden mit Cruise bin. Aber von Anfang:

Cruise spielt also Jack Reacher, der der jungen Anwältin Helen Rodin (Rosamund Pike) zur Seite steht. Die ist die Verteidigerin eines ehemaligen Army-Scharfschützen, der angeblich fünf Menschen umgebracht haben soll. Doch mit Reachers Hilfe wird schnell klar, dass hier was nicht stimmt.

Kommen wir am besten gleich zu Cruise. Ich mag ihn ja eigentlich immer sehr, doch in „Jack Reacher“ hat er mir wirklich nicht gepasst. Cruise war mir persönlich zu glatt gebügelt. Er spielt einen Typen, der wie ein Vagabund ist, keine feste Anschrift hat, kein richtiges Leben. Ein Typ, der stur seinen Weg geht und für das kämpft, was er für richtig hält. Ohne Childs Bücher je gelesen zu haben, habe ich mir jemand anderen gewünscht. Eher so einen Mickey Rourke oder Vinnie Jones 😉 Irgendwas, das vom ersten Augenblick nach Ärger aussieht. Ein Tier, dem man erst einmal gar nicht glauben mag, dass es auch hinterhältig und gerissen sein kann. Reacher hätte wirklich jemand sein müssen, der animalischer wirkt. Tom Cruise macht seine Sache routiniert wie eh und je, konnte mich aber nicht so richtig davon überzeugen, dass ich hier den nächsten neuen „Helden“ des Action-Kinos sehe.

Dabei ist Action-Kino im Fall von „Jack Reacher“ vielleicht auch etwas zu hoch gestochen. Es ist schon mehr Thriller gepaart mit Detektiv-Story. Wirkliche Action-Szenen gibt es in dem Sinne nicht viele… die paar, die es gibt, sind ganz ordentlich. Besonders beeindruckt hat mich die eine große Verfolgungsjagd… und zwar aus zwei Gründen. Zum einen verzichtet Regisseur Christopher McQuarrie auf jegliche musikalische Untermalung. Man fühlt sich fast ein bisschen an „Bullitt“ erinnert. Hier geht’s mal tatsächlich nur um die Verfolung, ohne spektakuläre Stunts und Schnick-Schnack. Das war irgendwie ganz angenehm. Der zweite Grund ist eher einer, der mich gestört hat: Die ganze Sache endet, damit, dass Reacher aus seinem Auto steigt und sich in einer Menschenmenge versteckt, die ihm sogar hilft, sich vor der Polizei zu tarnen. Eine nette und halbwegs witzige Nummer, aber irgendwie komplett an den Haaren herbeigezogen. Würde das jemand wirklich für einen Menschen machen, der so offensichtlich von der Polizei verfolgt wird? Reacher ist ja nicht Spider-Man oder so. Kein Schwein kennt ihn…

Der Rest des Films ist aber ähnlich wie diese Verfolgungsjagd. Schnörkellos und solide. McQuarrie benutzt dazu sehr gerne die sich langsam drehende Kamera, um es besonders spannend zu machen. Was irgendwann etwas nervt, aber gut… jedem das seine. Gefallen hat mir außerdem, dass „Jack Reacher“ nicht unbedingt sofort extrem vorhersehbar ist. Der Film lässt einem die Zeit, sich seinen eigenen Reim zu bilden… selber ein bisschen zu ermitteln.

Außerdem ein großes Plus: Werner Herzog als mysteriöser Zec. Ich mag’s ja allein schon, wenn der Mann mit seiner etwas merkwürdig klingenden Stimme anfängt zu reden. Aber so mit Glasauge und weggefressenen Fingern… der Typ bleibt so fast mehr in Erinnerung als Tom Cruise.

Insgesamt ist „Jack Reacher“ solide (wie ich dieses Wort hasse). Der Film haut nicht wirklich vom Hocker, ist aber an und für sich ganz unterhaltsam.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ich hätte auch gern lieber jemand anderen in der Hauptrolle gehabt… aber Tom Cruise ist zu ertragen 😉 )

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6 Kommentare leave one →
  1. 10. Januar 2014 07:50

    Werner Herzog hatte mir nicht so gefallen. Was aber wirklich ganz großes Kino war: Die Anfangssequenz mit dem Sniper. Die war richtig packend!

    • donpozuelo permalink*
      10. Januar 2014 08:11

      Doch, Werner Herzog fand ich irgendwie schon ziemlich cool. Aber so viel Zeit haben sie ihm ja auch nicht gegönnt 😉 Die Anfangssequenz war wirklich cool.

  2. 10. Januar 2014 13:30

    Ich fand Herzog ganz, ganz übel. Und ich liebe Herzog.

    • donpozuelo permalink*
      10. Januar 2014 14:13

      😀 Oh Mann, echt??? Naja, zum Glück taucht er ja nicht so oft auf 😉

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