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Sunglasses at night

6. Januar 2014

Ist es nicht ziemlich traurig, dass man heutzutage beim Thema Vampir immer etwas die Nase rümpft und teilweise automatisch an diese traurigen Wesen denken muss, zu denen die Vampire in den „Twilight“-Filmen verkommen sind? Vielleicht geht es auch nur mir so, aber allein der eine Film hat viel von dem Gefährlichen, dem Geheimnisvollen, dem Anziehenden von Vampiren für mich zerstört. Vampire, die in der Sonne glitzern – pfff… Vampire, die sich unsterblich verlieben – Doppel-pfff… Vampire, die depressiv durch die Gegend starren – Triple-pfff… das passt alles nicht. Bella und Edward haben es so richtig, gründlich versaut… aber zum Glück gibt es immer noch die eisernen Versuche, den Vampir und seine Sippschaft wieder zu rehabilitieren.

Den wohl besten Versuch (und so gesehen auch den größten Erfolg) macht einer, von dem man nun nicht unbedingt einen Vampir-Film erwartet hätte… und das ist vielleicht auch der Grund, warum seine Vampire so großartig sind. Jim Jarmusch, der Meister des gemächlich-ruhigen Films, zeigt uns in „Only Lovers Left Alive“, wie das mit dem depressiven Vampir und seiner Liebesbeziehung wirklich zu funktionieren hat: Vampir und Musiker Adam (Tom Hiddleston) lebt zurückgezogen in einem dunklen Haus in einem wie ausgestorbenem Randbezirk von Boston. Sein Frau und große Liebe Eve (Tilda Swinton) lebt in Marokko. Adams einzige Verbindungen zur Außenwelt sind der junge Ian (Anton Yelchin) und ein Arzt namens Watson, der Adam mit Blut versorgt. Als Eve bei einem ihrer Telefonate mit Adam spürt, dass der ziemlich niedergeschlagen ist, kehrt sie nach Boston zurück… und irgendwie kommt mit ihr auch ihre Schwester Ava (Mia Wasikowska) zu den beiden und sorgt für reichlich Trubel.

„Only Lovers Left Alive“ ist ein langweiliger Film, der nicht langweilt. Das klingt jetzt im ersten Augenblick vielleicht komisch, aber es stimmt auf eine gewisse Weise. Langweilig meint in diesem Fall auch eher, dass eigentlich nicht wirklich viel passiert. Es tauchen keine Vampir-Jäger auf, kein neuer Vampir versucht sich zu etablieren. „Only Lovers Left Alive“ ist ein kurzer Blick in das Leben von Wesen, die schon seit Jahrhunderten leben – vielleicht sogar seit Jahrtausenden. Jarmusch gewährt uns einen Einblick, um zu zeigen, was das für Wesen sind. Mehr nicht. Keine Action, kein gar nichts. Und das ist etwas, was ich an diesem Film so sehr mochte: Der ganze Film versprüht so eine ruhige Atmosphäre, was durch den genial passenden Soundtrack nur noch untermalt wird.

Jim Jarmusch schafft es eben auch ohne viel Action oder blutige Effekte, diese Vampire interessant wirken zu lassen. Das macht er, in dem er interessante Details einbaut – kleine Rätsel, für die es keine zureichenden Antworten gibt. Bei anderen Filmen hätte mich das vielleicht gestört, aber „Only Lovers Left Alive“ stellt so viele Rätsel, dass es schon wieder Spaß macht, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Sind Adam und Eve wirklich Adam und Eva – kleine Hinweise darauf gibt’s schon im Film. Warum leben die beiden zu Beginn am Anfang getrennt? Was macht Eves Schwester Ava eigentlich wirklich? Was sollen die Handschuhe? Und was will uns der Titel sagen – sind wirklich nur noch die Liebenden am Leben? Immerhin beantwortet der Film eine Frage: Nämlich die, ob Sonnenbrillen in der Nacht wirklich cool sind! Sind sie!!! (Was ich hier eigentlich sagen will: Jarmuschs Film ist eine tolle Geschichte, eben weil sie uns nicht alles einfach nur vorkaut…)

Sehr interessant fand ich auch die Tatsache, dass gerade Adam ein Vampir ist, der mehr Angst vor den Menschen hat als die vor ihm. Adam nennt die Menschen Zombies und beschwert sich alle Naselang darüber, wie schlecht die Menschheit ist. Im Laufe der Jahrhunderte haben die Zombies sich alles selbst kaputt gemacht. Erst verlangsamen sie den wissenschaftlichen Fortschritt, dann stürzen sie sich und die Erde selbst ins Chaos. Aus ihren Fehlern lernen die Zombies nicht, nur die Vampire aus denen der Zombies. Und die können nichts dagegen tun – außer versuchen, sich von den Menschen fernzuhalten. Indem sie lieber künstliches Blut zu sich nehmen statt kontaminiertes Menschenblut.

Vampire, die vernünftiger sind als Menschen; Vampire, die sich um die Umwelt kümmern – sind Vampire möglicherweise die besseren Menschen? In „Only Lovers Left Alive“ auf jeden Fall. Dazu spielen sowohl Tom Hiddleston als auch Tilda Swinton mit einer Erhabenheit, die sehr gut zu diesen Vampiren passt. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden ist einfach nur wunderbar schön… zwar genauso ziellos wie der ganze Film. Aber einfach nur wunderbar…

„Only Lovers Left Alive“ ist endlich mal wieder ein Film, bei dem einem die Vampire wirklich sympathisch sind.

Wertung: 9 von 10 Punkten (langsam, aber uuuunheimlich cool)

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11 Kommentare leave one →
  1. 6. Januar 2014 08:07

    Kann ich so unterstreichen, viel Grunge, viel Philosophie und kei Geglitzer…teilweise vielleicht etwas langatmig aber sonst ziemlich gelungen

    • donpozuelo permalink*
      6. Januar 2014 10:04

      Langatmig find ich gar nicht. Es gab keine Stelle, an der mich sowas gestört hätte. Es ist halt Jarmusch… da läuft die Zeit immer ein bisschen anders 😉

  2. 6. Januar 2014 12:35

    Jarmusch – der Meister der Entschleunigung. Ich war ja schon vom Trailer voll gepackt, obwohl der überhaupt nichts über den Film zu verraten schien. Aber dann kommt eben doch ein Film ganz nach meinen Erwartungen dabei raus: Ein Jarmusch-Film mit Vampiren – und die sind einfach interessant genug, dass ich keine große Handlung gebraucht habe. Und diese Musik!

    • donpozuelo permalink*
      6. Januar 2014 12:56

      Es gibt ja eigentlich auch nicht sonderlich viel über den Film zu verraten… keine großen Plot-Twists, gar nichts. Man könnte die komplette Handlung verraten und wäre wahrscheinlich trotzdem nicht in seinem Vergnügen gestört, diesen Film zu schauen. Das macht Jarmusch ziemlich gut. Swinton und Hiddleston spielen die Vampire wirklich absolut großartig, endlich mal wieder Vampire, die man irgendwie mit sehr viel Respekt betrachtet… und die Musik ist auch wirklich großartig.

      Freut mich ja, dass so viele an diesem Film gefallen gefunden haben 😉

  3. 6. Januar 2014 14:08

    Sag ich doch, ein wunderbarer Film 🙂

    • donpozuelo permalink*
      6. Januar 2014 14:36

      Ja, haste gesagt. Kann ich mich dran erinnern 😀

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