Skip to content

Die Musik und die Katze

20. Dezember 2013

Ich finde Fragen, was ich den so für Musik höre, immer echt ätzend. Früher war ich da aber auch echt immer recht einfallslos und habe den Standardspruch gebracht: „Och, ich höre eigentlich alles gern!“ Mit zunehmendem Alter wird mir aber immer wieder klar, dass dieser Spruch einfach nur scheiße ist! Ich mag handgemachte Musik… ich brauche einfach nur einen Menschen mit einer Gitarre in der Hand und ich bin schon glücklich. Herangezüchtet wurde meine Musikgeschmack durch meinen Opa (Led Zeppelin, The Doors, Rolling Stones), meinen Vater (Deep Purple, Bob Dylan), meine Mutter, den größte lebende Elvis-Fan, den ich kenne und meinen älteren Bruder, der mir moderne Rock-Musik näher gebracht hat.

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Der Mann/ die Frau mit der Gitarre in der Hand ist bei mir schon ein guter Anfang. Und deswegen war der neue Film der Coen-Brüder eigentlich genau das richtige für mich. Denn da geht es um den erfolglosen Musiker Llewyn Davis (Oscar Isaac), der – bewaffnet mit Gitarre und Katze – einen Weg sucht, um seine Musik erfolgreich zu vermarkten. Seine Musik – das ist Folk. Sein Leben – das ist ziemlich mies. Seine Ex-Freundin Jean (Carey Mulligan) ist möglicherweise von ihm schwanger, vielleicht aber auch von ihrem neuen Freund Jim (Justin Timberlake). Um die Musik, von der er nicht leben kann, nicht aufgeben zu müssen, reist er nach Chicago… im Auto von Musiker Roland Turner (John Goodman)… und natürlich mit dieser ominösen Katze…

inside-llewyn-davis

Was es mit der Katze auf sich hat, will ich nicht weiter vertiefen. Sie ist ein großartiger Running Gag. Man könnte sie aber auch als das einzige Wesen deuten, das Llewyn nicht sofort vergrault oder verärgert. Denn ansonsten hat Llewyn nicht wirklich viel zu lachen. Im Gegenteil, er ist ein Loser. Pennt ständig bei irgendwem auf der Couch oder auf dem Boden, seine Ex lässt eine der schlimmsten Schimpftiraden auf ihn los, die ich je gehört habe. Da sitzt man im Kino und dieser Mann tut einem einfach nur Leid. Was muss der Bursche verbrochen haben, dass ihm das Leben aber auch wirklich keinen – wirklich keinen einzigen – Lichtbpunkt schenkt??? Und auch da sorgt die Katze für ein bisschen Wärme in Llewyns ansonst recht trostlosem Leben.

Drei Jahre nach ihrem Ausflug ins Western-Genre mit „True Grit“ kümmern sich die Coens mit „Inside Llewyn Davis“ mal wieder um das, was sie gut können… uns zum Lachen, zum Weinen und zum Nachdenken bringen. Mit Oscar Isaac haben sie auch den perfekten Schauspieler für die Rolle des Llewyn Davis gefunden. Isaac spielt den Loser Davis mit einer gekonnten Gratwanderung – man weiß eigentlich nie so genau, ob man ihn mögen soll oder nicht. Spätestens, wenn dieser glücklose, aber hoch talentierte Mann aber anfängt zu spielen, dann geht einem das Herz auf (vorausgesetzt man mag Folk-Musik).

Nach „O Brother Where Art Thou“ frönen die Coen-Brüder jetzt schon zum zweiten Mal ihrer Liebe zur Folk-Musik und widmen ihr einen ganzen Film. Wie gesagt, wer die Musik mag, dem wird der Soundtrack mehr als nur gefallen. Gut gefallen hat mir auch die Tatsache, dass „Inside Llewyn Davis“ jetzt kein übliches Sänger-Biopic a lá „Walk the Line“ oder „Ray“ geworden ist. Die Geschichte basiert zwar auf den Memoiren des Folk-Sängers Dave van Ronk, die Coens machen da aber ihre eigene Geschichte draus. Nur die Orte, die verrauchten Kneipen, sind wohl reale Orte.

„Inside Llewyn Davis“ ist einfach ein toller Film. Wer die Musik mag, wird den Film eh lieben. Doch auch alle anderen kommen auf ihre Kosten. So ironisch, bissig und gleichzeitig so gefühlvoll waren die Coens schon lange nicht mehr. John Goodman bekommt in einer kleinen, aber feinen Rolle auch endlich mal wieder die Chance zu zeigen, wie gut er ist. Aber letzten Endes steht und fällt der Film mit Oscar Isaac. Und der ist einfach nur spitze.

Wertung: 10 von 10 Punkten (bitterböse und zuckersüß – mit tollen Darstellern und toller Musik)

Advertisements
8 Kommentare leave one →
  1. 20. Dezember 2013 11:28

    Puh – überschwängliche Meinungen zu dem Film habe ich ja schon einige gelesen. Und ich kann sie ganz ehrlich allesamt nicht nachvollziehen.
    Klar, Oscar Isaac spielt den melancholischen Loser mit Hingabe, aber der Rest war einfach lahm. Die Katze hat zwar eine Funktion, die uns am Ende aufgedrückt wird, diente meiner Meinung nach aber einfach nur dazu, etwas „Süßes“ in den trostlosen Film zu kriegen. Natürlich ist der gesamte Kinosaal darauf angesprungen. Ich fand das ätzend.
    Schlimm war meiner Meinung nach auch der Soundtrack, der sonst überall so gelobt wird. Bis auf das aus dem Trailer bekannte „Fare Thee Well“ war da noch das Lied in Chicago von Llewyn wirklich herzerwärmdend. Aber selbst ersteres wurde meiner Meinung nach in den ganzen Variationen abseits des Duetts komplett verhunzt.

    Ansonsten hatte mich bei dem Film der optische Stil überhaupt nicht angesprochen. Vielleicht lag es an der digitalen Projektion. Irgendwie schien über alles ein Weichzeichner gelegt worden zu sein. Das sah furchtbar aus und war vielleicht noch ein kleiner, aber entscheidender Faktor, warum ich zu keiner Sekunde mit dem Film warm geworden bin.

    • donpozuelo permalink*
      20. Dezember 2013 17:54

      Echt? Doch so mies? Ich fand’s toll. Gut, die Musik muss man mögen, sonst kann’s halt echt ein bisschen anstrengend werden. Ansonsten finde ich echt, dass „Inside Llewyn Davis“ einer der besten Film der Coens seit langem mal wieder. Dieses bissig-melancholische Etwas, dass sich nicht nach irgendwelchen Regeln auf Teufel-komm-raus einem Happy-End entgegen bewegt… Isaac ist auf sympathisch Weise unsympathisch. Ich fand’s ziemlich gut, mal nicht das zu sehen, was man bei so einem „Biopic“ (es ist ja nicht so richtig eins) sonst immer bekommt.

  2. Dennis permalink
    23. Dezember 2013 19:03

    Du bist nun schon der dritte der diesen Film empfiehlt … Muss ich mir nun unbedingt noch vor Sylvester reinziehen 🙂

    • donpozuelo permalink*
      23. Dezember 2013 23:04

      Wenn du die Musik magst, auf jeden Fall. Wenn du auf die Coen-Brüder stehst, dann auch. Und überhaupt… einfach gucken. Der ist toll.

  3. 27. Dezember 2013 08:43

    Eine großartige Lobes-Hymne! Du bringst das wesentliche dieses kleinen Coen-Kunstwerks sehr schön auf den Punkt … Auch wenn es bei mir nicht ganz für die volle Punktzahl gereicht hat, ist es trotzdem einer der besten (und vor allem besondersten) Filme des Jahren … Und er hat mich dazu inspiriert eine Coen-Werkschau zu machen, denn er hat mich daran erinnert wie sehr ich die Arbeit der beiden Brüder Schätze. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      29. Dezember 2013 19:29

      So eine coen-Werkschau fördert ein paar tolle Filme zutage… da bin ich ja mal gespannt 😉

  4. 27. Dezember 2013 19:46

    Ich fand den Film etwas lahm und bin enttäuscht aus dem Kino raus. Anscheinend mache ich mir damit hier nicht viel Freunde, aber: Wenigstens die Katze hat da etwas Schwung rein gebracht. Und die Episode mit John Goodman. Und der Timberlake war auch ok. Aber erreicht hat mich der Film nicht.

    • donpozuelo permalink*
      29. Dezember 2013 19:30

      Da bist du ja hier auch nicht der einzige… aber wozu sind verschiedene Geschmäcker da. Und immerhin hat dir die Katze gefallen 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: