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Satansbraten reloaded

16. Dezember 2013

Manchmal hat man so das Gefühl, dass wenn in Hollywood namenhafte Regisseure ein Remake in Angriff nehmen, schämen sie sich deswegen ein bisschen und erfinden dann immer diese sagenhafte Ausrede von der „Neuinterpretation“. Besonders wenn es sich bei dem Original um die Verfilmung eines Buches geht. Jüngst hat sich ja Spike Lee mit der gleichen Ausrede an „Oldboy“ zu schaffen gemacht (nein, um den geht es hier jetzt nicht) und selbst die Coen-Brüder haben bei „True Grit“ mit der Neuinterpretation argumentiert. Wenn’s dem Gewissen hilft, können sich die Herrschaften das ruhig weiterhin so einreden… die Vergleich zum Original-Film werden sie dadurch trotzdem nicht verhindern können.

Und somit kommen wir zu dem Remake, um das es jetzt gehen soll. Wenn es „Oldboy“ nicht ist, dann kann es sich ja nur noch um die „Neuinterpretation“ von Stephen Kings „Carrie“ handeln. 1976 verfilmte Brian De Palma „Carrie“, jetzt versucht sich Regisseurin Kimberly Pierce am Stoff. Wer noch nicht weiß, worum es geht: Carrie (Chloe Moretz) lebt unter der Fuchtel ihrer streng religiösen Mutter (Julianne Moore), die ihre Tochter am liebsten komplett von der Welt abschotten würde, um sie so vor jeglicher Sünde zu bewahren. Doch leider kann Mama Carrie nicht vom wahren Leben abhalten – blöd nur, dass die Kleine für den Alltag nichts gelernt hat. Deswegen wird sie von ihren Mitschülern gemobbt, was das Zeug hält. Sue Snell (Gabriella Wilde) hat aber irgendwann Mitleid und bringt ihren Freund Tommy (Ansel Elgort) dazu, Carrie auf den Schulball einzuladen… und da gibt’s dann jede Menge Schweineblut und den üblichen Rest, den es im Original auch schon gab.

Ganz ehrlich, ich hatte irgendwie gehofft, dass das Remake von „Carrie“ gut werden würde. Ein bisschen mehr Kritik an der Facebook-Generation, ein bisschen Cyber-Mobbing anklagen und ein bisschen die Oberflächlichkeit und Gedankenlosigkeit verwöhnter Teenager beklagen. Hätte man irgendwie gut machen können… macht der Film aber nicht. Im Endeffekt ist Remake-Carrie wie Original-Carrie nur mit Smartphones und youTube. Dazu scheint sich Regisseurin Kimberly Peirce dann auch gedacht zu haben, dass heutige Zuschauer Subtilität nicht mehr nachvollziehen können und haut uns deswegen alles lang und breit ausgelutscht vor die Nase. Neuinterpretation, Remake… egal wie man die neue „Carrie“ nennen möchte, am Ende stimmt nur eins: Sie ist unnötig, unnötig und unnötig.

Das fängt mit „Hit-Girl“ Chloe Moretz an – die man einfach mal als absolute Fehlbesetzung bewerten kann. Nicht etwa, weil sie sich nicht anstrengt, mal gegen ihr Action-Image zu spielen und uns hier ihre verletzliche Seite zu zeigen. Nein, sie ist einfach viel zu hübsch für die Rolle. Nur weil sie ein paar Klamotten trägt, die sonst keiner mehr anziehen würde, den Kopf neigt und die Schultern nach vorn beugt, kaufe ich ihr das Mobbing-Opfer nicht ab. Sissy Spacek – der habe ich das abgekauft, die hatte so einen leichten Creep-Faktor. Chloe Moretz sieht einfach nur niedlich aus… hier wäre Mut zu einem gewissen Grad an Hässlichkeit genau das Richtige gewesen
.
Eine Carrie ist nichts ohne ihre religiös-fanatische Frau Mama. Im Original großartig von Piper Laurie gespielt, muss im Remake Julianne Moore ran. Die traut sich ein bisschen mehr, schockt am Ende aber auch nur durch ihr Ritzen und Stechen und nervt irgendwann mit ihrem Gerede über die Sünde. Somit kommt auch das Verhältnis zwischen Carrie und ihrer Mutter nicht wirklich zur Geltung… was zum einen daran liegt, dass sich der Film viel mehr auf Carries Kräfte konzentriert und zum anderen, weil es so ein High-School-Drama werden soll und deswegen die Mitschülerinnen stärker in den Vordergrund treten. Und leider muss man auch hier sagen: Es funktioniert beides nicht.

Die Darstellerinnen der Mitschüler sind alles Möchtegern-Models, die in knappen Hot-Pants und engen Tank-Tops zur Schule gehen. Keine von ihnen kann man wirklich anfangen zu hassen, weil sie einfach nur langweilig sind. Peirce kratzt bei den Charakteren nur an der Oberfläche. Schlimme Videos auf youTube stellen, muss ausreichen. Auch hier verschenkt die „Neuinterpretation“ viel Potenzial und liefert uns einfach kein würdiges Hass-Objekt, sondern nur reiche Prinzessinnen ohne Hirn.

Und als wenn das alles noch nicht reichen würde, müssen Carries telekinetischen Fähigkeiten viel mehr in den Vordergrund gerückt werden. Im Original fand ich es immer toll, dass Carrie nur in Situationen, in denen sie in die Enge getrieben wird, ihre Kräfte einsetzt. Sie sind unerklärlich, irrational und impulsiv. Bei der Remake-Carrie wartet man nur noch auf den Moment, in dem Yoda vorbeispringt und irgendwas über die Macht faselt. Mit Hilfe von Google, Videos im Internet und Büchern lernt Carrie ihre Fähigkeiten einzusetzen… und löscht somit jeglichen Funken an Spannung sofort aus.

Somit wartet man diesen ganzen plakativen Film über nur auf die berühmte Endszene, die dann schon cool inszeniert ist. Aber letzten Endes kann auch das nichts retten. Während das Original ein spannendes Drama über ein junges, verwirrtes Mädchen war, ist das Remake/ die Neuinterpretation einfach nur langweilig, oberflächlich und ohne Gespür für die Dramatik, die eigentlich in der Story steckt. „Carrie“ ist somit leider auch wieder einmal mehr der Beweis dafür, dass man es bei einigen Filmen einfach gesetzlich verbieten sollte, sich an bereits großartig verfilmten Stoffen noch einmal zu versuchen.

Wertung: 2 von 10 Punkten (diese Carrie macht weder Angst noch betroffen… und damit ist das Thema voll komplett verfehlt)

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9 Kommentare leave one →
  1. 16. Dezember 2013 08:08

    Das sind nicht die Horrorfilme, die ihr sucht. – Das sind nicht die Horrorfilme, die wir suchen. Er kann den nächsten ansehen. – Den nächsten ansehen, den nächsten ansehen!

    • donpozuelo permalink*
      16. Dezember 2013 12:42

      Ist das Entsetzen soo groß? 😉 Ja, den kann man wirklich auslassen und sich den nächsten – etwas besseres – ansehen.

      • 16. Dezember 2013 12:46

        Ach, kam mir nur so bei deiner Anspielung auf Yoda.

        • donpozuelo permalink*
          16. Dezember 2013 13:09

          😀 Sehr gut und sehr passend… Carrie wäre sicherlich Vaders neue Lieblingsschülerin.

  2. 18. Dezember 2013 22:35

    Och, wie schade. Die Kritiken sind ja insgesamt alle eher mau ausgefallen. Dabei hatte ich mich nach dem etwa 30 Sekunden Teaser richtig auf den Film gefreut. Nach dem ersten richtigen Trailer war mir schon etwas mulmig und der Kinostart ist dann irgendwie vollends an mir vorbei gezogen. Aber so richtig etwas verpasst zu haben, scheine ich ja nicht. Trotzdem ist es schade, dass der Film dem Stoff wohl nichts wirklich neues abgewinnen konnte. Ärgerlich.

    • donpozuelo permalink*
      19. Dezember 2013 09:27

      Danke! So hatte ich nämlich auch gedacht. Da hätte man wirklich viel draus machen können. Am ende orientiert sich alles zu sehr am Original-Film und macht die kleinen Innovationen einfach nur schlecht.

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