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Victor Crowley lebt

13. Dezember 2013

Jeder Film braucht eine gute Tagline… der Spruch, der uns neben dem Titel des Films schon ein bisschen was über selbigen verraten soll, ohne wirklich viel zu verraten. Es ist wohl mehr so eine Art Leckerbissen, die schriftliche Form des Teasers. Es gibt gute und es gibt schlechte Beispiele (für ein paar gute Sachen klickt einfach mal hier… da hat EMPIRE ONLINE ein paar schöne Sachen zusammengepackt).

Taglines… manchmal sind sie auch einfach nur fies. Erst machen sie dich neugierig und dann zerschmettern sie dich. So war es zumindest bei meinem letzten spontanen DVD-Kauf. Ich kannte „Hatchet“ so vom Hören-Sagen und wusste, dass einige den Film richtig gut fanden. Tja, und dann lag da die Blu-Ray auf einmal für fünf Euro auf dem Krabbel-Tisch. Und noch über dem Titel stand jene Tagline, die mich dann zum Kauf brachte: „It’s not a remake. It’s not a sequel. And it’s not based on a Japanese one.“ Ich fand das in dem Augenblick richtig gut. Das ist doch mal eine Aussage… Kein Remake, keine Fortsetzung und definitiv nichts japanisches. Nur wurde mir nach dem Film klar, warum das nix japanisches war. Japanische Horrorfilme haben Stil, deswegen bekommen sie ja so viele Remakes. „Hatchet“ hat eigentlich gar nichts. Das einzig wirklich Gute an dem Film ist halt die Tagline.

Ben (Joel Moore) wurde gerade von seiner Freundin verlassen und quält sich durch einen New Orleans-Trip mit seinen Freunden. Weil er irgendwann die Schnauze voll hat von Party, Weiber und Alkohol überredet er seinen Kumpel Marcus (Deon Richmond) zu einer „Haunted Swamp Tour“. Die Bootstour durch den Sumpf – inklusive altem Pärchen auf Reisen, Porno-Häschen und einer schweigsamen Fremden – endet abrupt, als der Tour-Führer das Boot zum Sinken bringt. Alle können sich an Land retten, doch blöd nur, dass dieses Land Victor Crowley gehört. Einem irren Typen, der eigentlich tot sein sollte, aber plötzlich quicklebendig vor der kleinen Truppe steht und damit beginnt, diese noch viel kleiner zu machen.

Originell ist an „Hatchet“ wirklich gar nichts. Die Tagline ist voll doof gewesen. Wenn man es nämlich ganz genau nehmen würde und dabei auch noch extrem pingelig wäre, müsste man sagen, dass „Hatchet“ von der Grundidee her schon extrem stark an den Klassiker „Freitag, der 13.“ erinnert (wenn man vor allem die Geschichten von Victor Crowley und Jason Voorhees miteinander vergleicht und auch ihre „Herangehensweise“ an dumme Teenager).

Gut, so originell ist „Hatchet“ also nicht. Aber welcher Slasher-/ Horrorfilm kann das heute noch von sich behaupten? Es ist ja schließlich auch schon alles da gewesen. Es braucht also jemanden, der altbekanntes gut verpackt, um tatsächlich so richtig guten „Old School American Horror“ (eine weitere Tagline des Films) zu machen. Leider gelingt das Adam Green nicht. Stattdessen setzt er auf die gleichen „Gesichter“, die wir schon kennen: Porno-Babes, die schnell den Geist aufgeben; alte, schreckhafte Leute, die noch schneller den Geist aufgeben; einen buntgemischten Hautfarben-Mix, bei dem auch schnell klar ist, wer wohl als nächstes drauf geht; sowie die stumme Heldin und den nerdigen Helden des Films. Die Figuren sind bekannt, nur Green spitzt die Dämmlichkeit und Naivität noch weiter zu. Die Leute nerven nach einer Weile so sehr, dass man sich so sehr wünscht, Crowley würde sich endlich beseitigen. Keine der Figuren wirkt wirklich sympathisch, für niemanden in der Gruppe erwächst wirklich Empathie. Sie sind einfach nur Spielfiguren, die nach und nach eliminiert werden.

„Hatchet“ langweilt dazu noch durch das Fehlen von Spannung. Crowley taucht eigentlich fast immer zum erwartenden Moment auf. Das Ganze untermalt Green dann mit extrem lauter und extrem nerviger „Horror-Musik“, die gerade mal so vom Gröllen Crowleys und dem Kreischen seiner Opfer übertönt werden kann.

Auch mit seinem „Monster“ Crowley kann Green nicht wirklich punkten – der sieht so 08-15 aus, wie jeder „normale“ atomar oder chemisch Entstellte, den uns andere Horror-Filme schon vorgegeben haben. Dabei erinnert Crowley – ACHTUNG SPOILER – so ein klein bisschen an eine verrückte Form von David Lynchs „Der Elefantenmensch“. Was ziemlich schade für den Elefantenmenschen ist.

Somit hätten wir es: Die Story ist furchtbar öde und auch nur wild zusammengeklaut. Die Figuren sind langweilig und nervig. Das Monster ist einfach nur doof. Immerhin versucht Green die Inhaltlosigkeit seines Film durch extreme Splattermomente aufzuwerten. Da werden einem zwar schon Sachen geboten, die echt ziemlich hart sind… den Film rettet das aber nicht.

Aber was beschwer ich mich eigentlich? Beim Namen Adam Green hätten bei mir doch schon alle Alarmsirenen losheulen müssen. Schließlich langweilte der gute Mann schon mit seinem „Frozen“. Und nur weil die Tagline irgendwie ganz nett war, soll alles besser sein? Leider nicht. Bleibt für mich nur wieder das große Kopfschütteln, dass Green es tatsächlich mit „Hatchet“ zu einem zweiten Teil geschafft hat. Wie wohl die Tagline bei dem Film lautete???

Wertung: 2 von 10 Punkten (laute Musik und Eimerweise Kunstblut machen noch lange keinen guten Horror-Film)

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6 Kommentare leave one →
  1. 13. Dezember 2013 12:15

    Ach ein herrlicher Bericht … Ich kenne den Film zwar nicht, aber durch deine Beschreibung habe ich das Gefühl, ihn gesehen zu haben. Ich weiß genau wie ein Horrorfilm langweilen und nerven kann, wenn er schlecht gemacht ist … 🙂

    Das interessanteste … jetzt weiß ich was aus „Kenny“ (Deon Richmond – dein Bild) aus der Cosby Show geworden ist. Der Quoten-Schwarze in einem 3-klassigem Horrorfilm. 😦 Und ich fand damals, dass er so viel Potential hatte … Als sexistischer kleiner Freund von Rudy war er so herrlich!

    • donpozuelo permalink*
      13. Dezember 2013 14:13

      😀 Danke, danke!!! Allerdings kenne ich auch ein paar Leute, die irgendwie ihren Spaß an diesem Film gehabt haben. Vielleicht hängt das mit der Menge an Alkohol zusammen… keine Ahnung. Das war wirklich eine Schlaftablette von einem Horror-Film. Und schön, dass ich – ohne es zu wissen – dein „Kenny“-Problem auflösen konnte 😀

  2. laosüü permalink
    13. Dezember 2013 13:53

    Habe den ersten Teil tatsächlich nie gesehen, sondern nur den zweiten bei einem Filmabend. Schau ihn dir lieber nicht an ^^

    • donpozuelo permalink*
      13. Dezember 2013 14:13

      Nach diesem ersten Film wird mich garantiert nichts mehr dazu bewegen können, den zweiten Teil zu schauen. Also musst du dir da echt keine Sorgen machen 😀

  3. 14. Dezember 2013 01:10

    Ich scheine wohl der einzige zu sein, der Cr-Owley liest. Okay.

    • donpozuelo permalink*
      14. Dezember 2013 12:27

      😀 Ja, auch Cr-Owley lebt… und kann sicher besser unterhalten als sein uncooler Kollege Crowley 😀

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