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Hobbit versus Drache

11. Dezember 2013

Darauf haben wir doch die ganze Zeit gewartet, oder? Endlich einmal Smaug zu Gesicht bekommen. Das ist in etwa so, wie man während der ganzen „Star Wars“-Trilogie darauf wartet, endlich mal einen Blick unter Darth Vaders Helm erhaschen zu können. Deswegen verspricht ja schon einmal allein der Titel des zweiten Hobbit-Films „Smaugs Einöde“ wesentlich interessanter zu werden als der erste Teil. Naja, zumindest war das meine Denke, da ich mit „Eine unerwartete Reise“ nicht so viel anfangen konnte. Jetzt also endlich mehr Drache als nur ein paar Schatten und ein Auge inmitten eines Goldberges.

Doch auf den Drachen muss man auch in „Smaugs Einöde“ noch ein bisschen warten. Schließlich müssen Hobbit Bilbo (Martin Freeman), Thorin Eichenschild (Richard Armitage) und die anderen Zwerge erst einmal zum Einsamen Berg kommen. Der Weg dahin führt sie zum Gestaltwandler Beorn (toll, aber viel zu kurz zu sehen: Mikael Persbrandt), dann zu fiesen Spinnen im Düsterwald… nur um da in die Hände von Elfen zu geraten – unter ihnen auch ein junger Legolas (Orlando Bloom) und die agile Tauriel (Evangeline Lilly). Den Elfen entkommen die Zwerge dank „Meisterdieb“ Bilbo und kommen schließlich nach Seestadt, wo sie durch die Hilfe des Fährmanns Bard (Luke Evans) irgendwie auch endlich zum Ziel ihrer Reise kommen… dem riesigen Berg aus Gold, auf dem Drache Smaug (Benedict Cumberbatch) schon wartet.

Es dauert eine ganze Weile, bis man Smaug wirklich zu Gesicht bekommt. Bis dahin liefert „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ aber endlich mal die Art von Mittelerde-Abenteuer, auf die ich seit dem ersten Teil gewartet habe. Allerdings war das, vor allem wenn man das Buch kennt, abzuwarten… schließlich ist allein schon die Flucht der Zwerge durch die Weinfässer auf dem Fluss ein großes Highlight im Buch. Hier tobt sich Peter Jackson nach den wirklich widerlichen Spinnen dann auch so richtig aus… und erinnert bei den herrlich absurden Aktionen zu Land, Wasser und auch Luft (!) ein bisschen an Indys Fahrt durch die Minen in „Tempel des Todes“. Hier geht’s rasant zu: Zwerge im Wasser verfolgt von Orks und Elfen… da fliegen die CGI-Pfeile… da macht „Der Hobbit“ endlich mal richtig Spaß.

Gut fand ich auch, dass Jackson den Ton nicht sonderlich verändert… Tolkiens „Hobbit“ ist ein Kinderbuch und so behandelt Jackson es auch. Ein wenig düster wird’s nur, wenn der Film die Geschichte von Gandalf (Ian McKellen) verfolgt. Bei Tolkien verschwindet der einfach, für Jacksons Trilogie erfahren wir, wohin er verschwindet und was ihm dort widerfährt. Eine sinnvolle Ergänzung der Original-Story… die nur von der lahmen Liebesgeschichte zwischen Legolas, Tauriel und einem Zwerg gestört wird. Naja… man kann nicht alles haben. Dafür sorgt Evangeline Lilly trotzdem für gute Abwechslung (und sei es nur als elfische Augenweide 😀 Nein, nein, zum Glück kann sie auch noch mehr!!!)

Abwechslung gibt’s, wie schon gesagt, in „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ genug. Action und Spannung auch… und halt Drachen. Und den präsentiert uns Jackson nach einer echt fies langen Wartezeit dann auch in voller Pracht. Mit Smaug haut unser Lieblingsneuseeländer dann alle aus den Socken. Smaug ist groß… und großartig. Es ist unglaublich, wie realistisch und agil der Drache dargestellt wird. Was WETA mit Gollum perfektioniert haben, scheinen sie mit Smaug noch einmal übertreffen zu wollen. Das Vieh wirkt so echt, so riesig, so unheimlich. Dazu kommt, dass Benedict Cumberbacht diesem Monster eine würdevoll-bosartige Aura verleiht… wenn das irgendwie Sinn macht. Damit will ich eigentlich sagen: Smaug ist ein wankelmütiges Vieh… mal nett, mal garstig. Er ist ein cleveres, hinterhältiges Biest, dem man keine Minute lang trauen darf und auch nicht aus dem Auge lassen sollte (was man eh nicht schafft 😉 )

Aber es ist nicht unbedingt alles rosig in „Der Hobbit – Smaugs Einöde“. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass ein Gros des Budgets nur für Smaug draufging. Daraus ergeben sich zwei Probleme… die zumindest mich sehr gestört haben: Zum einen wirken einige Effekte recht billig (vom „jüngeren“ Orlando Bloom wollen wir gar nicht erst reden) . Hin und wieder hatte ich das Gefühl, ich könnte den Green-Screen schon riechen. Nicht unbedingt schön… aber alles Geld steckte ja in Smaug, weswegen der auch eine gefühlte Ewigkeit mit Bilbo palavern darf und in einem sich extrem dahinziehenden Finale sein ganzes Wesen zeigen darf.

Immerhin ist hier für Martin Freeman eine von vielen Möglichkeiten im neuen Film etwas mehr durch seine schauspielerischen Leistungen zu punkten. Freeman reißt sowieso das Steuer in „Smaugs Einöde“ an sich. Sein Bilbo wird sehr vielschichtiger, auch mal hintertriebener und etwas mutiger. Allerdings bleibt Freeman der einzige, der sich wirklich weiterentwickelt. Die Zwerge bleiben ein Meer aus schwer auszumachenden Gestalten… was nach wie vor echt schade ist.

Im Endeffekt kann man über „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ aber nicht wirklich ernsthaft schimpfen. Jackson dürfte alle Nörgler des ersten Teils (mich inbegriffen) überzeugt haben, dass da noch was geht. Die kleinen Schönheitsfehler verschmerzt man dann auch irgendwie… immerhin macht der Film Spaß.

Wertung: 8 von 10 Punkten (mit Smaug entschädigt Peter Jackson für fast alles… fast alles, wohl gemerkt)

9 Kommentare leave one →
  1. 11. Dezember 2013 14:27

    Na, dann darf ich ja weiterhin frohen Mutes auf Smaugs Auftreten gespannt sein. Hoffentlich ist es dann auch schon morgen Abend bei mir soweit, das zweite Kapitel der HOBBIT-Trilogie zu sichten.

  2. 14. Dezember 2013 01:12

    Finde es immer wieder schön, wenn wir uns einig sind. Ist zwar nicht ganz 1:1 meine Meinung (ich fand das CGI nicht so mies), aber unterm Strich sehen wir es halt doch gleich: Cooler Film.

    • donpozuelo permalink*
      14. Dezember 2013 12:28

      In einigen Szenen ist mir das CGI zu sehr aufgefallen, fand ich schade… zum Beispiel die riesige Goldstatue… fand ich jetzt alles nicht so berauschend. Aber alles in allem ein cooler Film. Stimmt!!!

  3. 16. Dezember 2013 10:45

    Ich muss sagen, wir haben den selben Film gesehen :D:D

    Nein, jetzt mal ehrlich: Mich regt das CGI schon seit dem ersten Teil auf. Warum man die Orks, die in der Herr der Ringe so gut mit Masken funktioniert haben, plötzlich durch dieses technische Gefummel ersetzen muss, bleibt mir ein Rätsel. Dann ist halt auch Legolas davor nicht sicher. Wenigstens darf er dafür ordentlich auf die (Ork-)Kacke hauen 😀
    Evangeline Lilly passt optisch und darstellerisch wie die Faust aufs Auge (aber dafür hatte Jackson ja schon immer ein Händchen, siehe auch Bard und Thranduil). Die Liebesgeschichte (von der ich immer noch der Meinung bin, dass es gar keine ist) ist leider nötig, glaube ich. Man brauch irgendeinen plausiblen Grund, warum sie Filly rettet und den Zwergen nachläuft. Ich glaube, es ist eher eine Neugier, aber die Handlung verlangt da eine Motivation um das elbische Duo weiter im Film zu halten. Und Liebe zieht da wohl am ehesten (und es schlägt in die selbe Kerbe wie Gimli & Galadriel).

    • donpozuelo permalink*
      16. Dezember 2013 12:44

      Ja, das CGI ist wirklich, wirklich miserabel… bis auf Smaug. Tauriel hat schon ihre Berechtigung, aber sie hätte nicht sein müssen. Meine Meinung… aber wenigstens ist sie eine angenehme Abwechslung.

Trackbacks

  1. Kleiner Hobbit, großer Krieg | Going To The Movies

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