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Das Schwein im Wolkenmeer

6. Dezember 2013

Es heißt ja immer, dass das Unmögliche wahr wird, wenn Schweine fliegen können. Tja, ab heute solltet ihr wissen, dass das schon lange der Fall ist. Schweine können fliegen. Naja, zumindest ein Schwein. Und dieses Schwein, wie könnte es anders sein, entstammt dem Genie von Hayao Miyazaki, der mit dem fliegenden Schwein auch gleich seine Liebe zum Fliegen zelebriert (wie man das ja unter anderem schon bei „Nausicaä“ und „Das Schloss im Himmel“ erleben konnte). Doch fliegende Schweine gab’s selbst bei Miyazaki bis zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Mit „Porco Rosso“ stürzt sich Miyazaki in die Vollen und zelebriert das Fliegen in vollen Zügen. Porco ist ein Schwein unter Menschen. Früher war er mal ein Mensch, doch etwas passierte… und naja, jetzt ist er ein Schwein. Der Fliegerveteran aus dem Ersten Weltkrieg verdingt sich als Kopfgeldjäger und jagt fliegende Piraten. Die haben aber auch den Amerikaner Curtis angeheuert, der es tatsächlich schafft, Porcos Flugzeug zu ruinieren. Porco reist nach Mailand, wo ihm die junge Mechanikerin Fio bei der Reparatur hilft. Und mit neuem Flugzeug stellt sich Porco erneut Curtis.

„Porco Rosso“ ist wie kein Film, den ich bis jetzt so von Miyazaki gesehen habe. „Porco Rosso“ ist ein Film, der in erster Linie wirklich einfach nur Spaß machen soll. Es geht nicht um die Umwelt oder um den Kampf zwischen Mensch und Natur – wie sonst oft der Fall. „Porco Rosso“ fühlt sich an, als hätte Miyazaki einfach mal ein bisschen Spaß haben wollen.

Deswegen gibt’s einen sympathisch-skurrilen Protagonisten in einer rasanten Story vollgepackt mit grandiosen Flugszenen. Und die können sich wirklich sehen lassen. Miyazaki hebt ab und selbst unsere Lieblingspiloten aus „Top Gun“ kommen da nicht hinterher. Zum Glück für Miyazaki muss er sich nicht unbedingt den Regeln der Physik unterwerfen – schließlich reden wir hier von wunderbarem Zeichentrick. So rauschen wir dann mit unglaublichen Geschwindigkeiten durch die Luft, über das Meer, mitten durch die Wolken oder ganz knapp über den Boden. Die Flugszenen machen in „Porco Rosso“ einfach nur verdammt viel Spaß… und ganz ehrlich, den Film in 3D und einem könnte richtig schwindelig werden.

Neben den tollen Stunts gibt’s jede Menge zu Lachen. Ich meine, wir reden nach wie vor von einem fliegenden Schwein. Und Porco ist ein echter Sympath. Ein Kämpfer für Recht und Ordnung mit dem wohl schönsten und idyllischsten Versteck aller Zeiten. Mit „Porco Rosso“ spricht Miyazaki aber auch ernst Töne an. Hier zeigt sich, dass selbst ein Schwein immer noch schlauer ist als manch ein Mensch. Gefragt, ob er nicht lieber den italienischen Faschisten im Kampf helfen will, erwidert Porco lässig: „Ich bin lieber Schwein als ein Faschist!“ Mehr muss man zu dieser Type… verzeihung… zu diesem Schwein nicht sagen. Der Typ ist einfach kultig.

Ich gebe es an dieser Stelle allerdings dann doch nur ungern zu, aber trotz all der coolen Stunts und des kultigen Helden hat „Porco Rosso“ nicht unbedingt ganz die Durchschlagskraft, wie man sie von Miyazaki gewöhnt ist. Lange runzelt man doch ein bisschen die Stirn über dieses eine Schwein unter all den Menschen, und lange wartet man auf eine Art der Erklärung. Die fällt dann etwas dürftig aus, aber zu dem Zeitpunkt hat man sich an Schwein Rosso schon längst gewöhnt und hinterfragt nichts mehr. „Porco Rosso“ weicht halt einfach vom üblichen Miyazaki ab… auf etwas skurrile Art und Weise.

Aber trotzdem: Der Film unterhält (Achtung, jetzt ein Wortwitz) saugut. Ich habe viel gelacht und verdammt viel Spaß gehabt. „Porco Rosso“ mag etwas merkwürdig wirken, aber selbst ein merkwürdig-absurder Miyazaki ist immer noch ein sehenswerter Miyazaki. Nach dem Film hat man das Flieger-Schwein dann auch so gern, dass es schon fast schade ist, dass das geplante Sequel weiterhin auf sich warten lässt. Immerhin kehrt Miyazaki mit seinem neuen Film „The Wind Rises“ einmal mehr in die Luft zurück… nur ohne Schwein. Schade…

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein fliegendes Schwein… dass der Gedanke ziemlich lustig ist, beweist „Porco Rosso“)

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3 Kommentare leave one →
  1. 7. Dezember 2013 12:05

    Ich liebe diesen Film so dermassen, Porco Rosso ist Kult! Und erst recht der Soundtrack von Joe Hisaishi. Ich empfehle dir, da mal reinzuhören, bzw. in das Image-Album (ein erster Versuch für einen Score anhand von Konzeptbildern – voll schräg). 🙂

    • donpozuelo permalink*
      9. Dezember 2013 11:57

      Porco Rosso ist wirklich Kult!!! Ein cooler Typ… äh, Schwein. Den fand ich spitze… hätte da gerne die Fortsetzung 😉

Trackbacks

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