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Abrakadabra

4. Dezember 2013

Ich habe früher immer gerne diese Show gesehen, wo dieser maskierte Zauberer die Tricks seine großen Kollegen verraten hat. Kennt die jemand? Irgendeiner mit schwarzer Maske. Ich habe vergessen, wie sie heißt. Aber ich habe es gerne und doch mit gemischten Gefühlen geschaut, denn diese Show hat einem wirklich den Glauben an all die tollen Illusionen genommen. Da war durch Glas gehen und Elefanten verschwinden lassen auf einmal nur noch ein technisch ausgetüftelter Trick anstatt tolle Magie. Doch der Magier hat eines immer wieder herausgestellt: Das Wichtigste am Zaubern ist Ablenkung… weswegen die Damen im knappen Outfit natürlich wie geschaffen für so eine Magier-Show sind.

Ablenkung und Täuschungsmanöver sind das richtige Stichwort, wenn es um Louis Leterriers Zauberer-Action-Abenteuer „Now You See Me“ geht – allerdings ohne die knappen Outfits. Als „The Four Horsemen“ werden die vorher unbekannten Magier Atlas (Jesse Eisenberg), McKinney (Woody Harrelson), Wilder (Dave Franco) und Reeves (Isla Fisher) zu echten Stars ihrer Branche. Ein Trick macht sie nicht nur zum Gesprächsthema Nummer Eins, sondern auch zum Zielobjekt des FBI-Ermittlers Rhodes (Mark Ruffalo): Die vier Reiter rauben nämlich während einer Show in Las Vegas eine Bank in Paris aus und lassen das Geld auf ihre Zuschauer niederregnen. Doch wie sich ziemlich schnell herausstellt, ist dieser Trick nur der Anfang.

Loius Leterrier steht vor allem für rasantes Popcorn-Kino, wobei es bei ihm mal solche und mal solche Filme gibt. Während ich mit „Clash of the Titans“ wirklich nicht so viel anfangen konnte, ist mein persönlicher Lieblingsfilm von Leterrier nach wie vor „Unleashed“. Obwohl die „Transporter“-Filme natürlich auch nicht unbedingt zu verachten sind. Mit „Now You See Me“ hat er nun einen weiteren Film in der Kategorie amüsantes und actionreiches Popcorn-Kino geschaffen. Denn genau das bekommt man hier… plus die obligatorischen Zaubershows.

Dabei muss man es Leterrier zugute schreiben, dass die Spannung eigentlich nie abnimmt. Selbst wenn nach nur wenigen Minuten bereits der Bankraub-Trick aufgelöst wird, verliert der Film dadurch nicht an Fahrt. Zwar fragt man sich kurzzeitig schon, wohin das alles führen soll, wenn sie jetzt schon so einen großen Trick auflösen, aber „Now You See Me“ hat da immer noch ein Ass mehr im Ärmel als man denkt. Wie gesagt, in der Magie geht es immer um Ablenkung. Und so lenkt uns Leterrier mit schnellen Schnitten und noch schnelleren Dialogen gekonnt davon ab, zu viel über den Film und die Handlung nachzudenken.

Stattdessen ergötzt man sich dann lieber an dieser „Ocean’s Eleven“-Story, die nach und nach zum großen Showdown aufgebaut wird. Hier und da gibt’s immer mal wieder einen neuen Trick und die dazugehörige Katz-und-Maus-Jagd zwischen Ruffalos Rhodes und den vier Illusionisten nimmt mehr und mehr Fahrt auf. Wenn man sich drauf einlässt, starrt man wie gebannt auf das Geschehen und hofft auf den größten Knall der Kinogeschichte. Leider kann Leterrier damit nicht ganz dienen, die Auflösung von „Now You See Me“ ist irgendwie ein bisschen blöd und einfallslos.

Aber gut… im Endeffekt ist „Now You See Me“ auch „nur“ ein Action-Film. Denen muss man sowas auch mal verzeihen können. Ja, das Ende ruiniert ein bisschen den ganzen Film, aber zum Glück ist es ja am Ende und man hatte trotzdem gute anderthalb Stunden beste Unterhaltung. Das liegt zudem auch daran, dass die Darsteller des Films perfekt auf ihre Rollen zugeschnitten sind. Jesse Eisenberg darf seine zynischen Kommentare in Überschallgeschwindigkeit abliefern, während Woody Harrelson in seiner kleinen Rolle als Mentalist der Clown der Gruppe ist. Von Dave Franco und Isla Fisher hätte ich durchaus gern mehr gesehen. Aber vor einem müssen sich in diesem Film alle verbeugen – selbst Morgan Freeman und Michael Caine, die hier nur kleine Nebenrollen haben. Mark Ruffalo toppt sie alle. Im Gegensatz zu allen anderen darf Ruffalo hier ein wenig mehr schauspielern. Das soll jetzt nicht heißen, dass alle anderen schlecht sind. Im Gegenteil, ihre Charaktere sind schon gut dargestellt. Aber Ruffalo hat mehr Möglichkeiten. Sein Agent Rhodes erlebt Niederschläge, kleine Erfolge, rastet auch mal aus (und wird dabei wider Erwarten doch nicht zum Hulk 😉 ) und darf auch mal sanftere Momente mit der bezaubernden Mélanie Laurent haben. Somit ist Rhodes der interessanteste Charakter des Films und Ruffalo erfüllt das alles auch sehr gut.

„Now You See Me“ ist schon sehenswert. Schnell, stylish und spannend flitzt Leterrier durch diesen Film und lässt Zauberer endlich mal wieder cool aussehen. Und damit befolgt er dann auch brav die Regeln der Magie: Ablenkung ist alles! Was man jetzt davon halten soll, dass es eine Fortsetzung geben, sei an dieser Stelle jedem selbst überlassen. Immerhin hat sich Leterrier dieses Fensterchen mit einer Geheimorganisation namens „Das Auge“ schön offengehalten. Aber begnügen wir uns erst mal mit diesem Film…

Wertung: 8 von 10 Punkten (Ruffalo beherrscht diesen rasanten Action-Zauber-Film, der einfach nur Spaß macht)

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7 Kommentare leave one →
  1. 4. Dezember 2013 13:22

    Die Auflösung fand ich nicht blöd und einfallslos. Dennoch stimmen wir fast in jedem Punkt überein. Ich fand auch, dass das pure Unterhaltung war. Gelungen, weiter so! Eine mögliche Fortsetzung fände ich nicht übel.

    • donpozuelo permalink*
      4. Dezember 2013 14:40

      Es war echt gute Unterhaltung… bei einer Fortsetzung müssen sie aber schon ordentlich was aufbieten und originell werden, ansonsten könnte das auch gut in die Hose gehen.

      Und was das Ende angeht: Ich weiß auch nicht… vielleicht habe ich da zu viel erwartet, aber diese Rachenummer und die Erklärung des Warums war mir ein bisschen zu wenig – gerade nach dem eigentlich recht guten Aufbau. Ich hätte mir da einfach ein krasseres WARUM gewünscht.

  2. 4. Dezember 2013 20:08

    Ja, am Schluss ist er etwas eingebrochen, aber insgesamt mochte ich ihn ganz gerne.

  3. 5. Dezember 2013 09:36

    Das letzte Drittel des Filmes ist ganz klar das Schwächste, nicht zuletzt da man in diesem unnötigerweise auf die Action-Masche setzt.
    Im grossen und Ganzen überzeugt der Film jedoch – nicht zuletzt dank seiner Darsteller.

    • donpozuelo permalink*
      5. Dezember 2013 15:17

      Vor allem wegen Mark Ruffalo… das muss ich echt sagen. Den fand ich am besten von allen und er war auch der, der mich am meisten interessiert hat.

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