Skip to content

Gier ist der Abgrund

2. Dezember 2013

Der Pulitzer-Preis ist so was wie der Oscar – nur für Journalisten und Schriftsteller. Und man muss schon was ordentliches abliefern, um überhaupt nominiert zu werden (womit die Chancen für mich wohl ziemlich schlecht stehen 😀 ). Einer, der so ein Ding im Schrank zu stehen hat (wenn das was ist, was man sich in den Schrank stellen kann), ist Cormac McCarthy. 2007 gewann er den Preis für „The Road“ – vollkommen zu Recht! Grandioses Buch, ziemlich guter Film! McCarthy war da auf einmal sehr viel präsenter… Schließlich konnte der Mann was und war nicht nur ein blindes Huhn, das zufällig mal ein Korn gefunden hatte. Doch Cormac McCarthy beweist mit „The Counselor“, dass ein sehendes Huhn auch mal ordentlich in die Scheiße laufen kann. Statt Roman entschied sich McCarthy mal dafür, ein Drehbuch zu schreiben… für Ridley Scott, der das Ganze mit Michael Fassbender, Penelope Cruz, Javier Bardem, Camron Diaz und Brad Pitt verfilmte.

Der Counselor (Michael Fassbender) hat auf den ersten Blick alles, was man sich nur erträumen könnte: Er fährt nen schicken Bentley, lebt im Luxus und seine bildhübsche Freundin Laura (Penelope Cruz) hat auch gerade seinen Antrag angenommen. Doch scheinbar hat der Counselor Geld sorgen, ansonsten würde er nicht mit Drogenboss Reiner (Javier Bardem) und dessen Unterhändler Westray (Brad Pitt) in einen riskanten Drogendeal einsteigen. Aber 20 Millionen klingen dann doch zu verlockend… blöd nur, dass der Deal in die Hose geht, das Geld verschwindet und der arme Counselor plötzlich gejagt wird.

Von Ridley Scott enttäuscht zu werden, ist nach „Prometheus“ ja eigentlich nichts Neues mehr. Von Cormac McCarthy schon eher… und wenn dann selbst ein Michael Fassbender das Blatt nicht mehr wenden kann, dann ist wirklich alles zu spät. Ich weiß wirklich nicht, was dieser Film sollte… McCarthy hat nicht die Klasse, die er sonst hat.

Den ganzen Film über bekommen wir nur platte, langweilige Dialoge geliefert, in denen es entweder um Möchtgern-Weisheiten über Leben und Tod geht oder um merkwürdige Sexfantasien. Gerade die Sex-Geschichten sind teilweise so peinlich, dass man nur froh sein kann, dass man im dunklen Kino nicht gesehen wird. Leider ist der ganze Film voll davon… mit langatmigen, langweiligen und viel zu langen Dialog-Szenen. Vielleicht hat sich McCarthy beim Drehbuchschreiben von Quentin Tarantino inspiriert, aber Tarantino könnte wahrscheinlich auf dem Klo bessere Dialoge schreiben als das, was man in „The Counselor“ geboten bekommt.

Zweites Problem des Films ist die Story… bzw. das Nicht-wirklich-Vorhandensein einer Story. Wenn eine Story spannend ist, dann kann ich auch den ein oder anderen langweiligen Dialog verschmerzen. Aber „The Counselor“ bietet uns wirklich gar nichts. Von einem Mann, der eigentlich gut schreiben kann, hätte ich mehr erwartet: Erst gibt’s Luxus-Menschen in ihrem Luxusleben, die über langweilige Luxusprobleme labern, dann passiert kurz was und dann philosophieren die gleichen Luxus-Menschen plötzlich über Leben und Tod. Vielleicht will uns McCarthy ja genau so die Oberflächlichkeit dieser Menschen vor Augen führen. Denn außer um sich selbst kümmern sie sich um nichts weiter. Sie leben verträumt und vollkommen verstrahlt ihr Leben. Die Sonne kreist nur um sie. Doch leider fehlt dem Film, dem Drehbuch, wem auch immer, eine gewisse Tiefe, um diese (mögliche) Kritik auch vernünftig zu präsentieren.

Alles, was wir bekommen, sind Fassaden. Hübsche Menschen zum Anstarren, aber keinen einzigen zum Mitfiebern. Wie schon gesagt, wenn nicht einmal ein Michael Fassbender den Film aufwertet, dann finde ich das äußerst bedenklich. Fassbender darf seiner Rolle zumindest noch ein paar Facetten hinzufügen, ist er doch schließlich der Einzige, der die volle Gratwanderung von reich und abgedreht zu vollkommen hilflos hinlegt. Alle anderen aber nicht: Javier Bardem spielt einen schrillen Typen, bei dem man nicht so richtig weiß, was man mit ihm anfangen soll. Seine Frau Penelope taucht auch nur ein paar Mal kurz auf… und hat eigentlich nicht viel zu tun. Genauso ergeht es auch Brad Pitt. Und Cameron Diaz als eiskalte Biatch? Nun, das einzig erwähnenswerte ist ihre Sexszene mit einer Windschutzscheibe… aber fragt bitte nicht weiter nach. Bitte!!!

Man muss also leider zu dem Schluss kommen, dass „The Counselor“ eigentlich nichts taugt. Gute Darsteller werden in einer öden Story verhunzt und faseln blödes Zeug. Cormac McCarthy hat mit dem Drehbuch wirklich ins Klo gegriffen… und das obwohl ich glaube, dass er die Story in Buchform sehr viel besser hinbekommen hätte. Aber jetzt kann man das auch nicht mehr ändern… manchmal ist das mit dem Huhn und dem Korn halt nicht so einfach.

Wertung: 2 von 10 Punkten (schöne Fassaden labern „philosophisches“ Gedöns… kann man sich echt sparen)

Advertisements
10 Kommentare leave one →
  1. 2. Dezember 2013 10:58

    Wir schliefen da beinahe ein, und mussten uns Kaffee holen, um die zweite Hälfte durchzustehen. Auch mit dem Gedanken, das Kino vorzeitig zu verlassen, haben wir gespielt. Doch dann kam die Drahtspann-Szene. Aber nein, The Counselor taugt wirklich nichts. Auch technisch total bescheiden…

    • donpozuelo permalink*
      2. Dezember 2013 11:50

      Und selbst die Drahtspann-Szene hat hier nichts gerettet. Genauso wenig wie Diaz‘ Sexszene mit dem Auto. Bei diesem Film kann man wirklich nur einschlafen. Bei mir im Kino sind auch mehrere Leute mittendrin einfach rausgegangen und nie wieder gekommen. Dafür ist mir mein Geld dann immer zu schade, deswegen leide ich da immer still weiter. Aber „The Counselor“ ist wirklich großer, großer Mist. Schade eigentlich, wenn man sich die Besetzung und vor allem den Drehbuchautoren anschaut.

      • 2. Dezember 2013 11:53

        Ja das Geld wär mir auch zu schade, wenn ich denn welches ausgegeben hätte… 😛

        • donpozuelo permalink*
          2. Dezember 2013 11:57

          Du Glücklicher. Mich hat dieser Zeit-Raub-Film 10 Euro gekostet.

  2. 2. Dezember 2013 20:42

    Hm, schon die zweite vernichtende Kritik – ich werde skeptisch 😀
    Dann bleibt das hier ein Fall für einen DVD Abend, da muss man sich auch keinen Schal übers Gesicht werfen, wenn man sich fremdschämt ^.^

    • donpozuelo permalink*
      3. Dezember 2013 09:01

      Da darfst du dir die Skepsis ruhig beibehalten und selbst auf den DVD-Abend würde ich verzichten… es gibt doch gerade zuhause immer eine bessere Wahl als diesen Film!

  3. 7. Dezember 2013 12:04

    Passenderweise konnte ich weder mit dem Buch, noch mit dem Film zu THE ROAD viel anfangen. Gänzlich überschätzt und dass dafür ein Pulitzer raussprang… wegen mir.
    Derweil gefiel mir THE COUNSELOR ziemlich gut, fraglos einer der besseren Filme des Jahres. Und in meinem Kino ging auch niemand raus, jedenfalls erst, als der Film vorbei war 😉

    Aber ich kann nachvollziehen, dass das nicht jedermann zusagt.

    • donpozuelo permalink*
      9. Dezember 2013 11:56

      Ich habe auch schon mit einigen gesprochen, die den Film gut fanden. Mich hat’s so wirklich gar nicht angesprochen… anders als „The Road“, da konnte ich das Buch echt nicht weg legen. Aber so sind sie halt die Geschmäcker… 😀

Trackbacks

  1. Mein Merkzettel für 2014 | Going To The Movies
  2. Der irre Einsiedler | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: