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Lärnen is dof!

29. November 2013

Kennt ihr das eigentlich noch? Als irgendwie gerade frisch an der Schule war und sich vom ganzen Lernen eher blockiert in seinen eigentlichen Wünschen sah? Da hatte man noch so verrückte Wünsche wie „Ich werde später mal Tourist oder Rentner“, um den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen zu können. Ich gebe zu, ich wäre immer noch gerne Tourist! Aber leider gab’s das Fach nicht an der Uni. Genau so wenig wie Drogenboss oder Hartzer. Nur was macht man, wenn seine Schüler mit solchen Zukunftsträumen ankommen? Ein Schulausflug bietet sich da an – so ein vor sich hin siechender und kotzender Junkie im kalten Entzug ist ein genauso gutes Abschreckungsmittel wie das dicke Hartz-IV-Pärchen, dass sich eigentlich nichts mehr zu sagen hat.

Manchmal muss man halt um die Ecke denken. Und manchmal funktioniert das auch, wenn man kein studierter Mensch ist. Wie der Fall Zeke Müller in „Fack ju Göhte“ eindrucksvoll beweist. Zeke (Elyas M’Barek) hat gerade 13 Monate Haft abgesessen und will sich mit der versteckten Beute ein gutes Leben finanzieren. Blöd nur, dass seine Freundin die Kohle da vergraben hat, wo jetzt die neue Turnhalle der Goethe-Gesamtschule steht. Um trotzdem irgendwie ans Geld zu kommen, will sich Zeke als Hausmeister bewerben, bekommt aber unerwarteter Weise den Job als Aushilfslehrer der Klasse 10b. Die Chaoten haben schon Lehrerin Ingrid (Uschi Glas) und Referendarin und ambitionierte Weltenverbesserin Lisi (Karoline Herfurth) in den Wahnsinn getrieben. Bei Zeke beißen sich Danger (Max von der Groeben) und Chantal (Jella Haase) aber schnell die Zähne aus.

„Fack ju Göhte“ ist für mich schon jetzt die kleine große Überraschung des Jahres. Nicht nur, weil es der erste deutsche Film ist, der mich 2013 ins Kino gelockt hat, sondern weil er dann auch wirklich noch verdammt unterhaltsam und in großen Teilen sehr gut geworden ist. Dass liegt vor allem daran, dass Regisseur Bora Dagtekin sich und seinen Film selbst nicht zu ernst nimmt. „Fack ju Göhte“ soll keine satirische Kritik am Bildungssystem sein oder Problemschulen anprangern. Es ist einfach pure Unterhaltung, bei dem einfach alles vorkommt, worüber man sich schon früher in seiner eigenen Schulzeit einfach nur schlapp gelacht hat.

Da ist die übereifrige Referendarin, die versucht, sich mit besonders ausgefallenen Methoden den Schülern. Das sind die Möchtegern-Proleten und die Nerds. Es ist alles vertreten und auch jeder bekommt auf die eine oder andere Art sein Fett weg, ohne alles komplett in den Dreck zu ziehen. Natürlich muss man aber auch diese Art von Humor mögen, aber ich habe einfach nur gefeiert. Besonders Proll-Tussi Chantal ist einfach mal nur geil. Sorry, anders kann man es nicht ausdrücken… von ihr kommen die besten und dämlichsten Sprüche in diesem wunderbar bescheuerten Deutsch-Sprech-Müll, den man so kennt… so wie Chantal stellt man sich echten deutschen White-Trash vor.

Aber es ist auch nicht alles perfekt… so geht dem Film zum Ende hin ein bisschen die Puste aus, wenn Dagtekin zwanghaft auf ein besonders kitschiges Hollywood-Happy-End zu steuert. Und nicht so richtig gefallen hat mir dann, dass der Kontrast zwischen Nicht-Lehrer Zeke und Streber-Referendarin Lisi so extrem stark überzeichnet wurde. Letztendlich ist das jedoch reine Geschmackssache, denn für den Film selbst funktioniert die Variante perfekt und hat so die Chancen auf mehreren Ebenen unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander prallen zu lassen.

Was man„Fack ju Göhte“ aber wirklich hoch anrechnen muss, dass es trotz einiger auch recht flacher Witze nie zu sehr abdriftet. Der Film ist absurd herrlich, ohne dabei seine Charaktere komplett lächerlich zu machen. Und er bietet natürlich viele Möglichkeiten, um sich an seine eigenen Schulerfahrungen mit Proleten, Tussis und merkwürdigen Lehrern zurück zu erinnern.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Schule ist vielleicht doof, aber als kleines Mikrouniversum an Kuriositäten kaum zu übertreffen)

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5 Kommentare leave one →
  1. 2. Dezember 2013 10:29

    Da kann ich das Kompliment nur zurückgeben. Wir hätten unsere Artikel zusammenlegen sollen, ich glaube dann bliebe bis in den letzten Nebensatz nichts mehr unerwähnt. Kann das alles zu 100 % unterschreiben, sehr schön 🙂

    • donpozuelo permalink*
      2. Dezember 2013 11:48

      😀 So was passiert ja auch nicht alle Tage. Aber ich bin echt froh gewesen, dass dieser Film mehr zu bieten hatte als nur die Gags aus dem Trailer.

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