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Nur ein Stück Würfelzucker

27. November 2013

Studio Ghibli ist ein echter Segen für die Kinowelt. Und ich finde es immer wieder schade, wenn ich Leute treffe, die sagen: „Mit Animes kann ich nichts anfangen!“ Leider muss ich dann immer wieder feststellen, dass diese Menschen meistens nur die doofen RTL II-Serien wie Digimon, etc. mit Anime verbinden. In diesem Sinne: „Schaut mehr Animes!!! Ihr verpasst wirklich etwas! Und nein!!! Es ist nicht so schrecklich wie Digimon und Co.!!! Wenn ihr nicht wisst, was ihr schauen sollt, dann nehmt einen Studio Ghibli-Film. Abgesehen von „Die Chroniken von Erdsee“ kann man da eigentlich nicht wirklich viel falsch machen.“ Schließlich steht hinter den meisten Film der großartige Märchenerzähler Hayao Miyazaki… und was der Mann für großartige Geschichten erzählen kann, erstaunt mich jedes Mal aufs Neue.

In „Arriety – Die wundersame Welt der Borger“ spürt man den Miyazaki-Faktor, auch wenn der Gute dieses Mal nur das Drehbuch (basierend auf der Erzählung „Die Borger“ von Mary Norton) verfasst hat. Der junge Sho hat Probleme mit seinem Herz – echte, gesundheitliche Probleme, keinen Liebeskummer (!!!). Deswegen verfrachtet man ihn aufs Land, in das Haus, in dem seine Mutter als junges Mädchen lebte. Allein mit der Haushaltshilfe Haru bewohnt Sho das große Haus… naja, nicht ganz allein: Denn Arriety und ihre Eltern leben auch noch da. Nur gehört Arriety zu den „Borgern“. Kleine, winzigkleine Menschen, die alles, was sie brauchen, von den Menschen „borgen“. Doch irgendwann wird Sho auf das winzige Mädchen aufmerksam und versucht, sich mit ihr anzufreunden.

„Arriety – Die wundersame Welt der Borger“ ist ein Beweis dafür, dass man mit einem guten Drehbuch eigentlich nicht mehr viel falsch machen kann. Da hat man Miyazakis wunderbare Charakterzeichnung, die dem Zuschauer genug Zeit gibt, für jede Figur ein bestimmtes Gefühl zu entwickeln. Und wenn man das mit dem Ghibli-Team zusammenführt, dann entsteht einmal mehr ein wahrlich sehenswerter Film.

Sehenswert sind allein schon die ersten paar Minuten, wenn Arriety das erste Mal mit ihrem Vater durch die ganzen kleinen Gänge zwischen den Wänden durch das Haus wandern darf. Die große Entdeckungstour des kleinen Mädchens ist einfach nur toll. Da werden Nägel zu einer Leiter umfunktioniert und Nähnadeln werden Degen. Wenn die kleine Welt auf die große trifft, dann staunt man schon mal nicht schlecht, wo und wie diese kleinen Borger ihre Besorgungen durchführen. Aus dem „gewöhnlichen“ Haus wird ein riesiges Universum… voller wunderschöner Dinge, die man entdecken kann, aber auch voller Gefahren.

In diesem „Universum“ erinnert die kleine, aber furchtlose Arriety sehr stark an einige andere starke Mädchenfiguren, die Miyazaki erschaffen hat. In allererster Linie ist sie eine Mischung aus „Nausciaä“ und „Prinzessin Mononoke“. Eine starke Persönlichkeit, die ihren eigenen Willen durchsetzen will, aber auch genau weiß, wann sie sich eher für das Wohl der anderen einsetzen muss. Wie schon gesagt lässt sich der Film unter der Regie von Hiromasa Yonebayashi, der vorher vor allem für die Animation der Studio Ghibli-Filme verantwortlich war, genug Zeit, um die wunderbaren Charaktere zum Leben zu erwecken. So wird auch das Treffen zwischen Sho und der menschenscheuen Arriety behutsam vorbereitet und letztendlich zu einem echt spannendem Erlebnis, dass für beide etwas ganz Besonderes wird. Arriety erfährt erstmals, dass Menschen nicht wirklich schlimm sind und der junge Sho bekommt endlich einen Freund, den er nicht irgendwo in seinen Büchern findet.

Mit dem Aufeinandertreffen von Mensch und Borger tauchen dann aber auch die ersten Probleme auf. Denn die sonst so schweigsame Haru hat plötzlich Witterung aufgenommen. Von nun an erinnert „Arriety – Die wundersame Welt der Borger“ ein wenig an die verzweifelte Jagd Gargamels nach den Schlümpfen. Das ist in diesem Fall aber zum Glück nicht negativ zu sehen, macht aber widerum auch deutlich, dass „Arriety“ vermehrt für ein jüngeres Publikum gemacht wurde – ähnlich wie „Ponyo“. Die Action ist spannend, bleibt aber „sauber“. Hier stirbt keiner, alles bleibt mehr oder weniger friedlich… und trotzdem ist es aufregend, macht Spaß und ist verdammt unterhaltsam.

„Arriety“ ist ein wunderbarer und vor allem schön anzuschauender Film, der einmal mehr von diesem Zauber Miyazakis beeinflusst wurde.

Wertung: 9 von 10 Punkten (unsere Welt aus der Sicht ganz, ganz kleiner Menschen… voll schööön)

7 Kommentare leave one →
  1. 27. November 2013 16:49

    obwohl eigentlich erstaunlich wenig passiert, erneut ein grossartiger Ghibli bzw. Miyazaki Film

    • donpozuelo permalink*
      28. November 2013 09:05

      Ich weiß, keine Ahnung, wie die das machen, aber sie sind und bleiben großartig. Da bin ich ja schon mal echt auf Miyazakis neuen (und letzten) Film gespannt.

      • 28. November 2013 17:12

        Obs der letzte ist, ist ja noch nicht zu 100% sicher

        • donpozuelo permalink*
          28. November 2013 21:45

          Ja, wollen wir’s mal nicht hoffen. Das wäre eigentlich auch viel zu schade für die ganze Animationsbranche!

  2. 1. Dezember 2013 14:20

    Meine filmischen Wege haben sich bisher irgendwie nie mit denen des schönen Anime-Genres gekreuzt (ausser Mila-Superstar ;)) … Ich weiß auch nicht warum, aber jetzt will ich es auch wissen und meine dass „Arriety“ für den Anfang nicht schlecht wäre, oder hast du eine bessere Empfehlung für mich. Überhaupt würde ich mich über Tips sehr freuen …

    • donpozuelo permalink*
      1. Dezember 2013 17:10

      Wenn du mit Miyazaki anfangen willst, dann empfehle ich dir „Spirited Away“ (Chihiros Reise ins Zauberland) oder „Prinzessin Mononoke„. Sehr gut sind natürlich auch die Klassiker wie „Akira“ oder „Ghost in the Shell„. Besonders zu empfehlen ist auch immer wieder Satoshi Kon mit „Perfect Blue“ oder „Paprika„. Grundsätzlich ist Studio Ghibli aber immer ein guter Anfang, weil die einfach nur schöne Filme machen. Und ansonsten empfehle ich oben in der Leiste den Punkt „Animationsfilme“ – da findest du zumindest all die, die ich hier schon rezensiert haben 😀

Trackbacks

  1. Auf bald, Ghibli!!! | Going To The Movies

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