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Venedig im Pyjama

25. November 2013

Ich war in meinem ganzen Leben noch nie in Venedig. Und trotzdem: Wann immer Venedig in einem Film als Handlungsort eine Rolle spielt und mich als Zuschauer durch diese wirklich tolle Stadt führt, habe ich das Gefühl, als wäre ich schon einmal dort gewesen. Das ist auch so, allerdings aus einem anderen Grund: Ich bin ein leidenschaftlicher „Assassin’s Creed 2“-Zocker. Und da streift man als Assassine Ezio ja auch sehr viel durch Venedig. Tja, und deswegen sehe ich jedes Mal, wenn Venedig in einem Film auftaucht, eher das Venedig, das ich als Game-Charakter erkundet habe. Ich weiß genau, wo ich an welchen bekannten Plätzen irgendeine Wand hochgeklettert oder wo ich jemanden leise um die Ecke gebracht habe. Ein bisschen traurig, nicht wahr??? Ich frage mich, wie das wohl erst sein wird, wenn ich wirklich mal nach Venedig fahre… dann nicht als animierter Assassine, sondern als einfacher Tourist.

So wie Johnny Depp, der in „The Tourist“ eigentlich nur ein braver Ami-Tourist namens Frank ist, der die bezaubernde Stadt besuchen will. Während der Zugfahrt dahin wird er von der mysteriös-charmanten Elise (Angelina Jolie) angesprochen. Doch die will nicht nur Small-Talk führen, denn sie folgt den Anweisungen von Alexander Pearce. Pearce ist ihr Liebhaber und vor Jahren untergetaucht, weil er einem russischen Mafiosi eine verdammt große Menge Geld geklaut hat. Außerdem ist Interpol, in Form von Inspector Acheson (Paul Bettany), hinter Pearson her… der schuldet der britischen Regierung nämlich auch noch so knappe 500 Millionen Pfund. Frank soll nun also als Lockvogel fungieren… da niemand mehr weiß, wie Pearson jetzt aussieht, soll Frank herhalten, damit Elise und Pearson sich in Venedig treffen können.

Florian Henckel von Donnersmarck war nach seinem Oscargewinn für „Das Leben der Anderen“ ganz heißer Scheiß. Wir Deutschen waren happy, mal wieder einen Oscar bekommen zu haben; die Amis waren von der Stasi-Story ebenfalls schwer begeistert und Donnersmarck sah sich einer rosigen Zukunft entgegen. Da verwundert es wohl niemanden, dass er bei seinem Hollywood-Debüt gleich zwei Hochkaräter auf einmal in die Hand bekommt.

Leider ist „The Tourist“ trotzdem nicht das geworden, was man vielleicht erwartet hätte. Falls man überhaupt noch Erwartungen an einen Film mit Johnny Depp und Angelina Jolie in den Hauptrollen stellen darf. Depp spielt seinen Frank als leicht naiven, gutgläubigen und liebenswerten Trottel, während Jolie hauptsächlich in hohen Schuhen durchs Bild stöckelt und dabei versucht, nicht all zu magersüchtig auszusehen. Große Leistungen darf man hier von beiden nicht erwarten… denn sowohl Jolie als auch Depp bleiben hier hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Stattdessen bedienen sie brav die etwas seichte Liebesstory mit Gangster-Anleihen. Immerhin, seichtes A-Klassen-Kino sieht bei Donnersmarck tatsächlich sehr leicht und seicht aus. Es entsteht nie wirklich eine spannende Atmosphäre, aber immerhin schwimmt der Film nett und schnell dahin wie eine Gondel in den Kanälen Venedigs. Donnersmarck erzählt temporeich genug, so dass man bei der Story nicht komplett einschläft und sorgt nebenbei auch dafür, dass zumindest Venedig einmal mehr sehr schön in Szene gesetzt wird.

Ein wenig schade ist es trotzdem… schließlich birgt die Story durchaus Potenzial. Und vielleicht hat es das französische Original „Anthony Zimmer“ mit Sophie Marceau was Spannung angeht, etwas mehr zu bieten. Ohne arrogant klingen zu wollen: Den großen Plottwist hatte ich schon nach fünf Minuten erraten… und jeder, der auch nur einen einzigen Gangster-Film oder ähnliches gesehen hat, wird das auch tun.

Trotzdem fällt es mir schwer, „The Tourist“ als totalen Reinfall zu bezeichnen. Es ist kein großartiges Kino. Jolie und Depp sorgen dafür, dass die Story irgendwie so zu ertragen ist. „The Tourist“ plätschert behände vor sich hin… nettes, seichtes Kino halt. Wer weiß, vielleicht brauchte Donnersmarck nach seinem Stasi-Drama was, das nur sehr wenig Anspruch hat.

Wertung: 5 von 10 Punkten (vorhersehbar, aber nett anzusehen)

 

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2 Kommentare leave one →
  1. 25. November 2013 10:30

    Ich fand das Original schon nicht so gut, aber der hier wirkte auf mich so richtig lieblos dahingeschludert, mit zwei Darstellern, die keinen Bock hatten.

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2013 11:04

      Das Original kenne ich nicht… und ja, man hätte sicherlich sehr viel mehr aus diesem Film machen können.

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