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Der Metall-Fetischist

22. November 2013

Diesen Titel sollte man sich gleich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und die erste Frage, die dann aufkommt, wäre wohl „Dafuq???“ Und das ist auch die einzige, richtige Frage, die man im Bezug auf den Metall-Fetischisten stellen kann. Immerhin schlitzt der sich sein eigenes Bein auf, nur um in die Wunde eine alte, rostige Metall-Stange zu stopfen. Tja… und das ist wirklich nur der Anfang von einem äußerst merkwürdigen Filmerlebnis namens „Tetsuo – The Iron Man“.

Denn nachdem dieser Metall-Fetischist (Shinya Tsukamoto) sich selbst mit rostigem Metall geschmückt hat, wird er bei einem Autounfall angefahren. Der Mann (Tomorowo Taguchi) und seine Frau (Kei Fujiwara) versuchen daraufhin, den Körper des Fetischisten im Wald zu vergraben. Doch der ist nicht tot… und rächt sich auf ziemlich abartige Weise. Irgendwie (fragt nicht, wie) zwingt er den Körpers des Mannes dazu, sich zu verwandeln. So wird der mehr und mehr zu einem riesigen Metall-Monster.

Ja, ja, lange vor Robert Downey Jr.s Variante des Iron Man kam also ein Japaner und nahm das mit dem Eisenmann viel zu wörtlich. Um ehrlich zu sein will ich eigentlich gar nicht wissen, was Regisseur Shinya Tsukamoto zu diesem Film bewegt oder inspiriert hat. Eine Möglichkeit, die nicht den Gebrauch von starken Halluzinogenen beinhaltet, macht tatsächlich sogar ein bisschen Sinn. Das wäre, dass Tskuamoto einfach einen Teil aus Katsuhiro Otomos „Akira“ verfilmt hat. Da verwandelt sich der junge Tetsuo (!!!) am Ende ja auch in ein merkwürdiges Monster – allerdings besteht das sehr viel mehr aus Fleisch als aus Metall. Das könnte also eine gute Erklärung sein.

Aber kommen wir zurück zum eigentlich Film, der wohl am besten als experimenteller und ziemlich schmerzvoller, aber dennoch wahnsinnig gut gemachter Horror / Cyberpunk-Streifen zu bezeichnen wäre. Auf schmerzvoll war ich irgendwie gefasst, denn mit „Haze“ durfte ich ja schon einmal einen Tsukamoto-Film sehen. In „Tetsuo – The Iron Man“ schmerzt vor allem der extreme Soundtrack – wenn man die Geräuschkulisse von kreischendem Metall, donnernden Maschinen und lauten Quietschen als Soundtrack bezeichnen kann. Auf jeden Fall geht das extrem an die Nieren… da einem der Sound selbst ein wenig in den Ohren weh tut, überträgt sich das Leiden des Mannes auf unschöne Weise auf den Zuschauer.

Aber auch der Rest des Films ist darauf ausgelegt, eher unangenehm zu sein. Wackelkamera trifft auf schnelle Schnitte, die die düsteren und dreckigen Schwarz-Weiß-Bilder zu einem unheimlichen Filmzusammenbringen. Da sich die meiste Handlung sowieso auf die Wohnung des Mannes bezieht, wird’s irgendwann auch ziemlich eng – das heißt, der Kamera entgeht nichts. Vor allem dann nicht, wenn dem Mann nach und nach mehr metallische Gegenstände aus dem Körper wachsen. Hier muss man allerdings Tsukamotos Make-Up-Team beglückwünschen. Was die hier aus Tomorowo Taguchi machen, sieht verdammt echt und vor allem ziemlich widerlich aus.

„Tetsuo – The Iron Man“ ist aber vielleicht weniger ein Horror-Streifen… denn gruselig wird’s nicht. Eher skurril und abartig… vor allem wenn der Mann plötzlich einen kleinen Bohrer als Penis bekommt oder im Traum von einem Mischwesen aus Metall mit einem Schlauch vergewaltigt wird. Alles in „Tetsuo – The Iron Man“ will schocken… und das gelingt dem Regisseur auch verdammt gut. Gleichzeitig kann man aber auch seine Augen nicht davon wenden…

Was mich am Ende aber dann am meisten an dem Film fasziniert hat, ist die Tatsache, dass die Story sogar irgendwie halbwegs Sinn macht. Auch wenn in diesem Film nicht sonderlich viel geredet wird, hat man am Ende nicht das Gefühl, irgendwas verpasst zu haben. Bei der Art von Film hatte ich eigentlich erwartet, dass man mich im Dunkeln stehen lässt… finde deine eigenen Antworten! Aber nein, Tsukamoto liefert eine begründete Story ab… die immer wieder auf diesen verrückten Metall-Fetischisten zurückführt.

„Tetsuo – The Iron Man“ ist wirklich nicht für jedermann oder frau, aber es ist ein grandios, wirres Spektakel, das einem noch lange im Kopf bleibt… unter anderem auch wegen der Kopfschmerzen, die dieses Geräusch-Bild-Gewusel hinterlassen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (so was sieht man auch nicht alle Tage)

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5 Kommentare leave one →
  1. 22. November 2013 10:41

    WTF? Was schaust du dir denn an? 😀

    • donpozuelo permalink*
      22. November 2013 11:52

      😀 Manchmal komische Sachen… Bei dem Film war es jetzt tatsächlich so, dass ich schon soooo oft davon gehört hatte und jetzt musste ich mir einfach selber ein Bild machen.

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