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Der Spotttölpel singt wieder

20. November 2013

Es ist schon ein bisschen bitter, wenn sich eine große Hollywood-Produktion mit einem Federvieh schmückt, dass einen so albernen Namen wie „Spotttölpel“ in der Übersetzung bekommt. Hätte man nicht einfach – ganz neudeutsch – beim englischen „Mockingjay“ bleiben können? Oder sich, wie es sich gehört, einen anderen, viel komplizierteren englischen Namen ausdenken können? Aber Spotttölpel??? Das klingt nun wirklich nicht cool… vor allem nicht als Symbol für eine aufkeimende Revolution.

Doch genau das erwartet uns im zweiten Teil von „Die Tribute von Panem“. Denn statt wie andere Teenie-Roman-Verfilmungen (ich gucke dich an, „City of Bones“) schnell wieder in der Versenkung zu verschwinden, rockte Jennifer Lawrence im letzten Jahr die 74. Hungerspiele und überlebte gemeinsam mit Bubi Josh Hutcherson das Gemetzel, bei dem sich Kinder gegenseitig zum Vergnügen der Reichen umbringen müssen.

In „Catching Fire“ werden Katniss (Lawrence) und Peeta (Hutcherson) wie Trophäen durch die verschiedenen Distrikte von Panem kutschiert, um hier die frohe Botschaft des ach-so-tollen Kapitols zu verkünden. Doch sowohl Katniss und ihr Gefolge als auch der Präsident des Kapitols Snow (Donald Sutherland) müssen erkennen, dass Katniss’ Sieg etwas in Bewegung gebracht hat. Überall prangt der Spotttölpel als Zeichen für den aufkeimenden Widerstand. Da Katniss für viele Ursprung und Symbol der Revolution ist, soll sie eliminiert werden… und wie macht man das möglichst medientauglich? Man inszeniert die 75. Hungerspiele mit vorherigen Gewinnern und hofft, dass die feiste Bogenschützin dabei drauf geht.

„Die Tribute von Panem“ war für mich im letzten Jahr eine kleine Überraschung. Ich war nicht davon ausgegangen, es zu mögen, und dann mochte ich es auf einmal. Der Film hatte seine kleinen Fehler, war aber unterm Strich eine ziemlich gelungene Sache, die vor nur wenig zurückschreckte. Und sich somit erfrischend gut von so weichgespülter Teenie-Unterhaltung abgrenzte. „Die Tribute von Panem – CatchingFire“ will das nun fortsetzen und orientiert sich dabei an Spiele-Fortsetzungen: Am Grundgerüst wird nicht viel gerüttelt, dafür gibt’s viele kleine, aber feine Neuerungen, die das Ganze extrem gut aufpeppepn.

Soll heißen: Wenn man meckern wollen würde, könnte (und kann) man sagen, dass „CatchingFire“ eigentlich wie der erste Teil ist. Es gibt wieder eine sehr lange Vorbereitungsphase und dann kommen die Hungerspiele. Im Endeffekt hätte man auch diesen zweiten Teil zum ersten machen können. Einfach ein 10-Minuten-Prolog davor, warum und wieso Katniss und Peeta vorher gewonnen haben und fertig!

Doch zum Glück zieht Regisseur Francis Lawrence, der vorher so Sachen wie „I Am Legend“ oder „Constantine“ gemacht hat, seine Version durchaus spannenderer auf als sein Vorgänger Gary Ross. Gerade die erste Hälfte von „Catching Fire“ hat deutlich mehr Kraft und hat sehr viel mehr zu bieten. Zum einen hätten wir da das Gespann Katniss-Peeta. Beide werden für Propaganda missbraucht, müssen der ganzen Welt eine Liebesgeschichte vorgaukeln und vor allem die junge Katniss verzweifelt an ihrer neuen Stellung als a) Gallionsfigur der Unterdrücker und b) Werkzeug der Obrigkeit. Hier gelingt es Lawrence echt gut (und vor allem viel, viel besser als seinem Vorgänger) die krassen Kontraste zwischen Arm und Reich in Panem deutlich zu machen.

Zum ersten Mal wird hier auch sehr viel deutlicher, dass den Leuten etwas nicht passt. Im Vorgänger kam mir das noch nicht so rüber. Und dabei haben die da ja auch schon sehr gelitten. Jetzt wird das große Ganze viel offensichtlicher, wodurch die Spiele in ein anderes Licht gerückt werden. Im ersten Teil war es Medienspektakel, hier wird jetzt viel deutlicher, dass es ein Instrument der Unterdrückung ist (natürlich war es das auch schon im ersten Teil, aber irgendwie ging mir der Faktor fast verloren).

Lawrence denkt bei all diesen Themen zum Glück auch nicht an Teenies, sondern an junge Erwachsene, denen man auch mal was zumuten kann. Und so geht das Regime von Präsident Snow nicht gerade zimperlich zu, um die drohende Revolution im Keim zu ersticken. Doch da ja das große Finale nun auch in zwei Filme geteilt wird, muss man sich hier aufsparen. Weswegen der Film sich dann einmal mehr in die Hungerspiele stürzt. Und die sind dieses Mal nicht unbedingt spannend.

Auch hier wurde sich natürlich wieder fleißig bei „Battle Royale“ bedient – sogar ein kleines bisschen mehr als im Vorgänger. Doch die Action ist hier sehr viel glatter (keine wackeligen Handkameras mehr) und mit sehr viel mehr Effekthascherei versehen (manche Sachen davon sind ganz nett, andere eher lahm – und die Verneigung vor Hitchcocks „Die Vögel“ hätte nun wirklich nicht sein müssen). Richtig gekämpft wird auch nicht mehr, die Gruppen dafür sind viel zu groß und dieses ganze Verbündeten-System ersetzt Spannung durch teils recht doofe Dialoge.

Somit versaut sich „Catching Fire“ am Ende (und mit einem offenen Ende) etwas den ganzen Film. Naja, zumindest ein bisschen… es bleibt ein kleiner bitterer Nachgeschmack übrig, doch davon sollte man sich nicht zu sehr irritieren lassen. Wenn einem der erste gefallen hat, wird man auch am zweiten Gefallen finden. Jennifer Lawrence sorgt auch dafür, darf sie ihrer Katniss dieses Mal etwas mehr Tiefe verleihen. Doch damit bleibt die Oscar-Gewinnerin dann auch ziemlich allein. Große Namen wie Philip Seymour Hoffman, der großartige Stanley Tucci, die charmante Elizabeth Banks oder Woody Harrelson versauern weiterhin als kleine Nebencharaktere. Und von Josh Hutcherson, Liam Hemsworth und den anderen Neuzugängen wollen wir nicht sprechen. „Die Tribute von Panem“ bleiben vorerst eine reine Lawrence-Show, aber sie trägt das ziemlich gut.

Somit bleibt mir jetzt nur das Warten auf die nächsten zwei (!!) Teile, die sich dann hoffentlich nicht mehr nach Schema F an ihren Vorgängern orientieren (ihr seht, ich habe ausnahmsweise mal nicht die Bücher gelesen).

Wertung: 7 von 10 Punkten (fängt stark an, lässt dann etwas nach und unterhält trotzdem ziemlich gut)

26 Kommentare leave one →
  1. 20. November 2013 08:00

    Ich bin so froh, dass der zweite Teil nun mehr Tiefe bekommt und man mehr über den Hintergrund von Panem und über seine Politik erfährt … Das ist im ersten Teil tatsächlich ziemlich auf der Strecke geblieben. Ich lese gerade das 2te Buch (… muss mich beeilen, damit ich bald ins Kino kann ;)) und bin gerade bei dem Spielen angekommen … und die beginnen erst im letzten Drittel, somit scheinen die in dem Fall auch nicht sooo wichtig zu sein. Deiner Kritik nach scheint Francis Lawrence alles richtig gemacht zu haben (so wie ich es mir gewünscht habe) … Bis auf die Tatsache, dass die tollen Nebendarsteller zu wenig zum Zug kommen. Ich freue mich jetzt in dem Fall noch mehr auf den Film! 😀

    • donpozuelo permalink*
      20. November 2013 09:21

      Eigentlich hat er auch alles richtig gemacht, nur wie gesagt: Durch die Spiele am Schluss nimmt er viel von der Spannung weg. Dieses unterschwellige Brodeln der bevorstehenden Revolution ist da doch um einiges spannender. Und ja, die Nebendarsteller werden hier echt einfach nur so verheizt. Vor allem Philip Seymour Hoffman, der gefühlte fünf Minuten zu sehen ist. Aber wer weiß, die werden vielleicht alle in den kommenden Filmen mehr zu tun haben.

      • 20. November 2013 10:20

        Ich glaube ehrlich gesagt auch, dass die noch Zum Zug kommen!

        Ach ja „Spotttölpel“ finde ich auch ziemlich lächerlich. Ich weiß auch nicht was die sich da dabei gedacht haben.

        • donpozuelo permalink*
          20. November 2013 10:53

          Gedacht haben die sich vielleicht schon irgendwas, vielleicht auch nicht. Aber jeder andere Name wäre dann doch besser gewesen als „Spotttölpel“. Aber gut… 😉

  2. 20. November 2013 12:22

    Eigentlich ist das Verlangen, HUNGER GAMES 2 zu sehen, derzeit vollkommen wider meinem eigentlichen Filmgeschmack. Aber ab und zu kann ich mich dann doch noch im Vorfeld für einige wenige Blockbuster erwärmen. Den ersten Film mag ich – trotz seiner Schwächen – und ich bin einfach gespannt, wie die Geschichte um Panem und Katniss weitergeht. Insofern scheine ich bei der Fortsetzung ja gut aufgehoben zu sein.

    Blöd nur, dass ich es wieder einmal nicht schaffe, das Buch VOR dem Film zu lesen. Nun, ich halte es zumindest danach parat.

    • donpozuelo permalink*
      20. November 2013 12:48

      Dieses Mal habe ich es auch nicht geschafft, die Bücher zu lesen… auch „Panem 2“ hat seine Schwächen, ist aber trotzdem gute Unterhaltung – mit einem wirklich sehr, sehr guten Anfang!

  3. 20. November 2013 13:23

    Du sprichst imho ein bisschen die Schwäche des Buches an: Wenn man eine Fortsetzung zu so einem ersten Teil macht, wirkt das immer konstruiert. „Oh sie müssen schon wieder in die Arena? How convenient…“ Ich finde aber, Collins setzt das dann doch irgendwie spannend um, dennoch so eine Vorlage ist nicht gerade allzu innovativ.

    Und so ist der Film sicher nicht perfekt (war ja, wie du richtig sagst, auch der erste nicht) aber er hat seine Momente und ist im Grossen und Ganzen unterhaltsam. Und in seinem Genre ist er bei Weitem das Beste.

    • donpozuelo permalink*
      20. November 2013 14:36

      Das mit dem Buch habe ich schon von vielen gehört, die deswegen auch nicht besonders glücklich waren. Aber gut… ich hoffe halt, dass sie es für die zwei Nachfolger besser und innovativer machen. Der Film ist trotzdem sehenswert und unter den ganzen Jugend-Roman-Verfilmungen wirklich eine Wohltat.

  4. 20. November 2013 17:22

    Ich werde den Film vermutlich am Wochenende sehen und freue mich nun nach deiner Kritik noch mehr darauf. Das zweite Buch hat mir aus der Trilogie am besten gefallen und ich bin schon sehr gespannt, wie sie alles umsetzen. Vorfreude. Toll.

    • donpozuelo permalink*
      20. November 2013 17:27

      Das freut mich, dass ich dir jetzt nichts versaut habe 😉 Es ist halt wie der erste Teil, aber ich habe mir sagen lassen, dass es in den Büchern ja genauso ist. Die kleinen Veränderungen machen sich allesamt ziemlich gut und lassen den Film schon zu einem gelungenen Erlebnis werden.

  5. 21. November 2013 22:55

    Überrascht mich jetzt ein wenig bis jetzt habe ich nur gutes bis sehr gutes über den Film gehört, aber ich mach mir dann am Samstag meine eigene Meinung

    • donpozuelo permalink*
      22. November 2013 09:00

      Dann bin ich ja mal gespannt. Wenn dir der erste gefallen hat, dann wird’s hier auch so sein.

  6. 25. November 2013 10:33

    Im Grunde sehen wir das ja ähnlich – nur das die Spiele bei dir anscheinend noch mehr Einfluss auf die tatsächliche Wertung hatten. Alles davor war tatsächlich sehr gut umgesetzt.

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2013 11:04

      Das liegt halt daran, dass mich die Spiele irgendwie komplett rausgerissen haben. Vorher war’s einfach nur verdammt gut und richtig spannend… und dann gab dieser Bruch, dann kamen die Spiele und ab da fand ich es ein bisschen langatmig und zu gewollt.

      Aber ich habe auch große Hoffnungen auf die Fortsetzungen. Immerhin soll’s da ja schon mal keine weiteren Hungerspiele geben 😉

  7. jaju1 permalink
    6. Januar 2014 21:23

    Zuallererst: Spotttölpel kommt ja von Mockingjay und zufälligerweise heißt to mock = verspotten also ist der Name nicht weit hergeholt. Bubi Josh Hutcherson kann ich nun nicht nachvollziehen, denn dieser Mann ist erwachsen und verdient sein Geld mit Schauspielen. Ein großes Lob an Jennifer Lawrences, der man diese Rolle abkauft, wie auch jede andere, da ihr Schauspiel wirklich grandios ist. Und das mit Battle Royale stimmt einfach nicht, denn Suzanne Collins, die Autorin dieser wundervollen Bücher, hat es mit ganz anderem Hintergedanken geschrieben. Wie die Medienunterhaltung in naher Zukunft aussehen könnte und es jetzt auch schon tut. Es tut mir leid, aber ich finde den Film sehr gut umgesetzt, sowie die Geschichte und auch die Effekte. Darüber, dass einige Nebendarsteller „verheizt“ werden, kann ich ebenfalls keine Meinung mit dir teilen, denn es ist ja Suzanne Collins, die die Personen nunmal nicht so oft eingesetzt hat. Was aber auch nicht schlimm ist, denn viele werden in Mockingjay Part 1 und 2 ihren großen Auftritt haben.

    Wenn man so eine Reszension schreibt, muss man sich vorher informieren, was du nicht getan hast, wie man an einigen Stellen lesen kann. Liebe Grüße & einen schönen Tag.

    • jaju1 permalink
      6. Januar 2014 21:25

      Edit: nicht umsonst ist Catching Fire auf Platz 36 der erfolgreichsten Filme gelandet und hat sogar Harry Potter Filme überholt.

    • donpozuelo permalink*
      7. Januar 2014 09:14

      Ich wollte jetzt auch niemanden hier angreifen… ist ja schließlich nur die Meinung eines Einzigen, der noch nicht einmal die Bücher gelesen hat. Der Vergleich zu „Battle Royale“ bezieht sich in meinem Fall auch einzig und allein auf die Verfilmung. Sicherlich ist das im Buch mit anderen Hintergedanken geschrieben, im Film wirkt das halt auf Buch-Unwissende eher so. Außerdem habe ich mich nicht sonderlich über den Film beschwert, ich mochte ihn – allerdings sind die Gemeinsamkeiten (was das Filmische angeht), doch recht deutlich. Trotzdem gefiel mir der Film gerade wegen seinem Anfang, in dem die aufkommende Revolution gezeigt wird.

  8. JuliOdair permalink
    6. Januar 2014 21:26

    Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob du die Bücher gelesen hast oder nicht.. Catching Fire ist überhaupt nicht gleich wie Hunger Games! (und ja,es heißt verdammt nochmal NICHT Hunger Games 2/ Die Tribute von Panem 2)
    1. in der ersten Hälfte des Buchs von Catching Fire geht es um die Aufstände,die Siegertour,… dann kommt erst des ganze Arenazeugs! in HungerGames fängt es schon von anfang an mit dem Arenazeugs an!
    2.Ist dort alles anders! Die ganzen Animationen undso sind viel besser wie in Hunger Games.
    3. Passieren in der Arena viiiel andere Sachen wie in Hunger Games!

    Ich kann einfach nur den kopfschütteln über diese ‚Kritik‘.. ich will dich jetzt nicht dich angreifen oder so..aber ich spreche in Namen der Panemics dass diese ‚Kritik‘ einfach nur schwachsinn ist.Sry aber ist so.

    • donpozuelo permalink*
      7. Januar 2014 09:16

      Ich habe ja auch nie behauptet, dass „Catching Fire“ genau gleich ist wie „Hunger Games“. Die Bücher habe ich tatsächlich nicht gelesen, deswegen kann ich nur die Filme vergleichen, die sich in diesem Fall vom Aufbau ähneln… nur vom Aufbau. Dass in der Arena anderes Zeug passiert und auch vorher, dass bestreite ich überhaupt nicht. Meine Kritik als „Schwachsinn“ abzustempeln, finde ich dann schon ein bisschen hart – ist ja schließlich nur meine Meinung und auf die habe ich ein Anrecht 😉

  9. jassiTMI permalink
    8. Januar 2014 06:56

    Lies doch mal die Bücher! Wenn du die lesen würdest, dann wüsstest du wieso das so ist!!!

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