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Erinnerungsjunkies

18. November 2013

Drogen! Drogen sind voll böse. Nehmt bloß keine Drogen!!! Wenn jemals jemand auf die Idee kommt, Süßstoff auch als Droge abzutun, dann würde das mein Ende bedeuten. Mein nutella-Konsum kommt schon Drogenkonsum gleich… inklusive Entzugserscheinungen. Worauf wollte ich jetzt eigentlich hinaus??? Irgendwas mit Drogen und Abhängigkeit, schätze ich… wobei mein komisches nutella-Beispiel wahrscheinlich zu verharmlosend ist, um überhaupt als ernsthafter Vergleich in Betracht gezogen zu werden.

Also noch mal von vorne: Drogen!

Oder vielleicht doch besser anders: Kathryn Bigelow und Drogen! In letzter Zeit möchte man ja fast meinen, dass Kathryn Bigelow zur Kriegsfilm-Expertin Hollywoods geworden ist. Nach langer Pause taucht sie mit „The Hurt Locker“ wie aus dem Nichts auf und reißt den Oscar an sich. Kurze Zeit später beeindruckt sie Kritiker (mich nicht so sehr 😉 ) mit ihrer Jagd auf Bin Laden in „Zero Dark Thirty“.  Da mag man schon mal fast vergessen, dass die Gute früher verdammt gute Filme gemacht hat, in denen es nicht um Krieg ging, wie beispielsweise in meinem absoluten Lieblingsfilm „Point Break – Gefährliche Brandung“. Nach diesem Meisterwerk mit Keanu Reeves und Patrick Swayze arbeitete Bigelow an einem anderen Film… der wieder nur sehr wenig mit Krieg zu tun hatte, dafür aber mit Drogen (und endlich schließt sich mein komplizierter Kreis an Einleitungsgeschwafel):

Mit „Strange Days“ verfilmte Bigelow damals ein Drehbuch von Noch-Ehemann James Cameron. Der Sci-Fi-Cyber-Thriller (oder wie man auch immer ihn bezeichnen kann) spielt im Jahr 1999. L.A. ist ein gefährlicher Brennpunkt geworden. Hier lebt Ex-Bulle Lenny (Ralph Fiennes) davon, eine neue Art von Droge zu verticken. Dabei geht es um aufgezeichnete Erinnerungen (egal welcher Art – es gibt Raubüberfälle, Sex oder Spaziergänge), die als Clips auf Mini-Disk verkauft werden… und eben süchtig machen. Eine Bekannte Lennys versucht ihm dann eines Abends einen Clip zukommen zu lassen, wird jedoch vorher getötet. Und kurz darauf erhält Lenny einen weiteren Clip der die Ermordung zeigt. Lenny muss nun also herausfinden, warum sie sterben musste.

„Strange Days“ ist kein Science-Fiction-Film mit fliegenden Autos und Robotern. Außer der neuartigen Drogen spielt der Film in einem fast normalen Umfeld… wenn da nicht die ständigen Krawalle und Aufstände in den Straßen wären. Immerhin ist das aber auch eine verdammt gute Stimmung, die Bigelow hervorragend einfängt. Wer würde nicht lieber in Erinnerungen schwelgen (auch wenn es nicht die eigenen sind), wenn die Welt vor der Tür so miserabel aussieht. „Strange Days“ wird so zu einer recht scharfen Gesellschaftskritik. Visuelle Medien werden hier genutzt um zu entfliehen oder gar um bestimmte Gefühle noch zu steigern. Die Erinnerungsjunkies verlieren den Bezug zur eigentlich Welt… halt fast so wie ich, wenn mal wieder eine neue Staffel „The Walking Dead“ oder „Game of Thrones“ ansteht. Bloss schauen, nichts selber machen. In diesem Sinne ist „Strange Days“ schon erschreckend, vor allem wenn die Leute da statt echtem Sex lieber virtuellen Sex haben….brrrr!!!

Doch leider verlässt Bigelow sehr schnell diese kritische Ebene und „Strange Days“ verfällt zu einem typischen, recht uninspiriertem Thriller. Jetzt kann man wohl weniger Bigelow den Vorwurf machen als vielmehr James Cameron. Sein Drehbuch ist Schuld, dass aus der spannenden Milieu-Studie ein Thriller wird, der etwas unübersichtlich und in seiner Auflösung eher verwirrend ist.

Immerhin gelingt es dem Film auch am Ende noch hier und da ein paar aktuelle Themen anzusprechen, doch die gleiche Intensität wie am Anfang sucht man vergeblich. Trotzdem ist „Strange Days“ kein Total-Reinfall… auch hier beweist Bigelow, dass sie in dem Männerverein Hollywood sehr wohl und sehr gut ihren Mann ihre Frau stehen kann. An „Point Break“ reicht es zwar nicht ran, ist aber durchaus ein interessanter Ansatz.

Wertung: 7 von 10 Punkten (beginnt vielversprechend und äußerst atmosphärisch, verspielt dann aber zu viel mit einem einfachen Killer-Plot)

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12 Kommentare leave one →
  1. 18. November 2013 07:24

    Einer meiner Lieblingsfilme (wie Gefährliche Brandung)! Stimmt zwar, dass der Film etwas mehr aus der Szenerie häte raus holen können, aber ich fand die zweite Hälfte nicht so schwach. Könnte ich auch mal wieder schauen.

    • donpozuelo permalink*
      18. November 2013 09:16

      Ich fand die erste Hälfte richtig gut, danach bin ich einfach irgendwie nicht mehr hinterher gekommen. Diesen ganzen Mord-Komplott hätte man sicherlich auch interessanter gestalten können. Trotzdem durchaus ein interessanter Film mit interessanter Idee.

  2. 18. November 2013 09:48

    Auch ich liebe den Film, wenngleich ich bei den ersten Sichtungen den Dreh Richtung Thriller auch stärker kritisiert habe. Allerdings mag ich das Setting so sehr, dass ich inzwischen darüber hinwegschauen kann. Von mir würde es also eher 8-9 Punkte geben.

    • donpozuelo permalink*
      18. November 2013 09:53

      Das Setting ist auch toll… und ich mag die Tatsache, dass hier eine Zukunft ohne Roboter oder glänzende Flugobjekte gezeigt. Ein glaubwürdiger Blick in eine unschöne zukunft 😉 Wer weiß, vielleicht gefällt er mir beim nächsten Mal besser.

      • 18. November 2013 11:54

        Wobei deren Zukunft ja mittlerweile unsere Vergangenheit ist!

        • donpozuelo permalink*
          18. November 2013 12:39

          Stimmt wohl. Und wieder einmal hat die Vorhersehung nicht funktioniert. Keine Erinnerungschips und auch immer noch keine coole Hover-Boards 😉

  3. Sebastian permalink
    18. November 2013 11:27

    Cameron verzapft natürlich Murks, ansonsten nearly perfect.

    • donpozuelo permalink*
      18. November 2013 12:39

      Kurz (und sehr richtig) auf den Punkt gebracht!

  4. 18. November 2013 14:49

    Komisch ich kann mich noch genau an die Preview erinnern. War vom Prinz und fand im Zoo-Palast Atelier (4) statt und ich fand den Film extrem scheiße und viiiel zu lang. Meine Begleitung litt unter voller Blase, wollte aber nicht raus, wegen Juliette Lewis und meiner Kollegin war das alles zu brutal (ich sag nur Erzieher 😆 ).
    Ich finde den Film bis heute doof und mit Fiennes absolut fehlbesetzt, aber das ist eben meine gaaanz persönliche Meinung.

    • donpozuelo permalink*
      18. November 2013 15:03

      😀 Was hast du nur gegen Erzieher??? Ich kannte da eine, mit der konnte man wunderbar alle möglichen Horror-Streifen gucken gehen. Es gibt halt solche und solche.

      Extrem scheiße würde ich zu dem Film jetzt nicht sagen. Anfang ist super und auch sehr interessant, das Ende versaut’s dann aber richtig. Dadurch ist er tatsächlich auch etwas zu lang… aber da gebe ich eher James Cameron und seinem Drehbuch die Schuld 😀
      An der Besetzung von Fiennes habe ich jetzt persönlich nicht so viel auszusetzen, das ging eigentlich in Ordnung.

      • 18. November 2013 15:12

        Ach was, ich habe nichts gegen Erzieher 😀
        Horrorfanerzieher sind selten, einen habe wir auch im Haus (von 50 😉 )

        Nein scheiße war seinerzeit mein erster Eindruck, jetzt finde ich ihn nur noch schlecht ;D

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