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Verwirrt verirrt im Wald

11. November 2013

Das einsame Haus im Wald steht für nichts Gutes. Kein Internet, kein Telefonempfang, kein gar nichts. Wenn man Glück hat, gibt’s ein Klo und ein Bett und das war’s auch schon. Das einsame Haus im Wald steht immer irgendwie für Rückschritt. Vielleicht ist es deswegen so beliebt im Horror-Genre. Denn nur in dem einsamen Haus im Wald erwarten wir auch sofort die Hexen, Dämonen oder durch Inzucht entstandene Verrückte, die alle nichts lieber tun würden als uns die Haut vom Leib zu ziehen. Also der perfekte Urlaubsort… entkomme der Großstadt, kehre zurück zu deinen Wurzeln und erlebe den Urlaub deines Lebens!

Das dachte sich auch John Evans (Rio Dewanto) und macht mit seiner Familie Urlaub in genau so einem einsamen Haus im Wald. Doch diese Erkenntnis muss sich der Gute erst mühsam erarbeiten, denn ganz zum Anfang wacht er halb begraben und ohne Erinnerungen im Wald auf. Dann stößt er auf das Haus und findet dort die Leiche einer schwangeren Frau. Ihr Tod wurde aufgezeichnet und so wird deutlich, dass John definitiv nicht allein im Wald ist… und irgendwo da draußen könnten auch noch seine Kinder sein. Also macht John sich auf die Suche…

Regisseur Joko Anwar möchte mit seinem „Modus Anomali“ das Slasher-Genre ein bisschen aufrütteln, allerdings gelingt ihm das nur bedingt. Es beginnt eigentlich alles ziemlich stimmungsvoll: Der Mann ohne Erinnerungen mitten im Wald, die Tote, das Video und die verzweifelte Suche nach Antworten. Anwar lässt uns gemeinsam mit seiner Hauptfigur zappeln. Bevor man hier etwas erklärt bekommt, türmen sich nur noch mehr Fragen auf. Nach und nach erst wird das Bild einer glücklichen Familie enthüllt, die ein schreckliches Schicksal erleidet… und die größte aller Fragen bleibt: Warum?

Ab einem bestimmten Punkt überreizt Anwar aber diese Stimmung. „Modus Anomali“ bleibt dabei uns nur mit Häppchen zu füttern; dazu nervt irgendwann die Wackelkamera und die Idiotie von John. Wenn er einen Typen im Wald sieht und vor ihm davon läuft, behält er seine Taschenlampe natürlich schön an. Und auch findet sich John in diesem Wirr-Warr aus Bäumen erstaunlich gut zurecht und trifft fast immer diese eine Hütte, wenn er sie nur erreichen will.

Das könnte man alles noch verschmerzen, wenn sich „Modus Anomali“ nicht so amateurhaft anfühlen würde. Das beginnt bei der Wackelkamera und hört mit den Darstellern auf. Rio Dewanto kann vielleicht schauspielern, ich kenne den guten Mann sonst aus keinem anderen Film. Aber was er hier in „Modus Anomali“ abliefert, ist unterirdisch. So wie auch alle anderen Darsteller. Auch wenn Dewanto kaum Text hat (er rennt ja schließlich immer allein durch den Wald), wirkt er sehr steif… fast so als würde er bei jeder Bewegung noch einmal die Regie-Anweisungen im Kopf durchgehen. Was man dann auch von allen anderen Darstellern behaupten kann. Und so ist es leider so, dass man mit John nicht wirklich mitfiebert.

Bei alledem geht dann etwas verloren, was diesen Film eigentlich zu einem echt sehenswerten hätte machen können: „Modus Anomali“ hat ein furchtbar interessantes Ende, das einen dazu zwingt, den ganzen Film aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Die Idee, die am Ende hinter der Geschichte steckt, fand ich großartig. Abgedreht, verrückt – aber großartig. Nur wie gesagt: Der Rest des Films fesselt einen nicht wirklich… sodass man am Ende gar nicht so richtig sagen kann, was man mit diesem Film anfangen soll.

Wertung: 5 von 10 Punkten (eine großartige Idee miserabel umgesetzt)

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