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Werdet Organspender!

28. Oktober 2013

Das ist jetzt kein Aufruf, um Organspender zu werden. Wirklich nicht. Das Rote Kreuz zahlt mir kein Geld und auch keine andere Organisation, die es sich zum Ziel gemacht hat, Leute zum Organ-Spenden anzuregen. Das sollte jeder für sich selbst entscheiden. Ich sehe das nur immer von der Warte, dass ich eh schön eingeäschert und im Meer verstreut werden möchte… wozu brauche ich dann also später meine Organe? Deswegen habe ich meinen Organspende-Ausweis immer im Portemonnaie. Man kann ja nie wissen, wann man selbst zur Schlachtplatte werden kann 😉

Und mit diesem zynischen Ton sind wir auch schon beim Thema: Schlachtplatte ist ein gutes Wort. Um so was ähnliches geht es nämlich auch in dem kompliziert klingenden Film „Alles, was wir geben mussten“. Darin wachsen Kathy, Ruth und Tommy in dem beschaulichen Internat Hailsham auf. Eigentlich sieht hier alles schick und nett aus, doch irgendwann offenbart eine Lehrerin den Kindern die Wahrheit: Sie sind alle nur dafür da, um später „geerntet“ zu werden. Sie sind lebende Organ-Spender, deren ganzes Leben nur auf das Spenden hinausläuft. Davor gibt es kein Entrinnen. In dieser Welt wachsen die drei also auf. Als sie erwachsen werden, sind Tommy (Andrew Garfield) und Ruth (Keira Knightley) ein Pärchen, während Kathy (Carey Mulligan) das fünfte Rad am Wagen ist…

Bevor jetzt jemand meckert, es wurde nicht zu viel gespoilert. All das ist ziemlich schnell deutlich. Eigentlich müsste man die ersten zwei Minuten des Films verpennen, dann könnte es mit der überraschenden Offenbarung der Lehrerin noch irgendwie funktionieren. Denn schon durch ein paar Textzeilen wird das Thema Klonen zum Zwecke der Gesundheit angerissen. Anschließend erzählt uns die ältere Kathy, dass sie eine Betreuerin ist und wir sehen einen kahlrasierten Tommy, der sich auf seine nächste Operation vorbereitet. Danach erfahren wir die ganze Geschichte als Rückblende.

Basierend auf Kazuo Ishiguros Roman „Never Let Me Go“ bekommen wir mit „Alles, was wir geben mussten“ eine Art Science-Fiction-Drama, das wesentlich besser funktioniert hätte, wenn es mehr die „Sixth Sense“/ „Unbreakable“-Schiene gefahren wäre. Wie gesagt, man hätte die ersten zwei Minuten und die Lehrerin weglassen sollen, um das Ganze an einer anderen Stelle etwas später zu offenbaren.

Denn: Auch wenn man weiß, dass die ganzen Kinderlein nur Organe-Spender sind, hat das kaum großartige Auswirkungen auf ihre Entscheidungen. Die ganze Zeit hatte ich erwartet, dass sie versuchen, auszubrechen, ihr Leben irgendwo in Frieden zu Ende zu leben. Aber nein… stattdessen serviert man uns eiskalt eine ziemlich langatmige Dreiecksbeziehungskiste. Kathy liebt Tommy, der geht aber mit Ruth… oh nein… dass wir in Wirklichkeit nur gezüchtete Organe sind, scheint hier kaum jemanden zu tangieren.

Irgendwo, spätestens doch im Erwachsenenalter hätte man vielleicht doch ein wenig mehr Energie in die Handlung einbauen können. So versucht der Film ein Coming-Of-Age-Drama mit besonderem Twist zu sein… und langweilt an vielen Stellen.

Immerhin liefern Andrew „Spider-Man“ Garfield und Carey „Daisy“ Mulligan ein süßes Pärchen ab, während Keira Knightley vor allem als Krankenhausopfer echt erschreckend realistisch rüberkommt. Aber so einem Hungerhaken kauft man das dann auch sofort ab. Trotzdem: Die drei sind ein gutes Team und schauspielern so gut es geht über alle Längen des Drehbuchs hinweg, dass uns ja in drei Etappen von dem Leben der drei erzählen will.

Und das ist alles viel zu lang. Die Thematik an sich ist schon bewegend und stimmt auch nachdenklich… vor allem gerade jetzt, wo so etwas in irgendeiner Form Realität werden könnte. Aber es kümmert einen kaum im Film, weil es die Protagonisten auch nicht schert. Ich sage jetzt nicht, dass ich hier einen Hau-Drauf-Action-Film sehen will (da gibt’s einen Film, den ich mir dann eher anschauen könnte), aber so richtig zündet „Alles, was wir geben mussten“ einfach nicht.

Wertung: 4 von 10 Punkten (zu lang und zu uninspiriert, dafür aber mit guten Darstellern – dann vielleicht doch lieber das Buch!!!)

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4 Kommentare leave one →
  1. 28. Oktober 2013 10:49

    Stimmt irgendwie schon alles, was du sagst. Ich habe den Film mittlerweile zwei Mal gesehen und… was soll ich großartig sagen, ich erinnere mich gerade noch an die Namen der Darsteller und die Prämisse der Organspender. Fühlt sich lange an, verschwindet aber dafür mit rasanter Geschwindigkeit in der Vergessenheit.

    • donpozuelo permalink*
      28. Oktober 2013 11:57

      😀 Ich kann mich mittlerweile nicht einmal mehr an die Namen erinnern. Ich finde die Geschichte an sich ja eigentlich schon recht interessant, aber um tatsächlich was Gutes zu bekommen, muss man wohl das Buch lesen. Der Film hat’s irgendwie nicht geschafft, zu begeistern. Dann doch lieber „Die Insel“ 😉

      • 28. Oktober 2013 12:13

        Na wenn überhaupt dann die erste halbe Stunde von „Die Insel“. Mehr aber bei aller Liebe nicht! 😉

Trackbacks

  1. Insel-Lotterie | Going To The Movies

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