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Projekt „Flashlight“

23. Oktober 2013

Ich merke doch immer wieder, wie eingeengt doch manchmal mein Film-Horizont ist. Sei es, weil ich ihn selbst eingrenze (wie zum Beispiel bei meinem selbstauferlegten Verzicht, deutsche Filme zu schauen) oder weil Hollywood zu viel Platz in meinem Film-Leben einnimmt. Natürlich versuche ich das immer wieder gerne zu durchbrechen, aber auf Neuseeland als Garant für gute Filme wäre ich wahrscheinlich nie so wirklich gekommen. Neuseeland ist mehr das Auenland, Mittelerde… ein Ort wilder Natur und noch wilderer Fantasie-Wesen, aber Filme aus Neuseeland… klingt fast so fantastisch wie Mittelerde selbst. Aber man darf sich durch Neuseelands berühmtesten Sohn nicht alles kaputt machen, denn Neuseeland hat durchaus noch mehr zu bieten.

Unter anderem den Film „The Quiet Earth“… ein Film, bei dem ich mich wage daran erinnern konnte, ihn mal als kleiner Junge im Fernsehen gesehen zu haben. Denn als ich ihn jetzt wieder sah, kamen mir einige Szenen sehr vertraut vor. Also hat auch mein Unterbewusstsein ein wenig mitgeholfen, eine echte Perle des Endzeit-Films auszugraben.

In „The Quiet Earth“ gerät ein Experiment nämlich gehörig schief. Eigentlich sollte durch das Projekt „Flashlight“ ein riesiges Energie-Netz um die Erde gelegt werden, das wirklich jeder anzapfen kann. Doch statt freinutzbare Energie zu erzeugen, löscht das Experiment mal eben die gesamte Menschheit aus. Einfach so sind alle weg… naja, fast alle, denn Forscher Zac (Bruno Lawrence) überlebt. Genau wie die junge Joanne (Alison Routledge) und der Maori Api (Pete Smith). Im Laufe der Zeit entwickelt sich hier nicht nur eine äußerst brenzlige Dreiecksbeziehung… Zac findet auch heraus, dass das Projekt die Naturkonstanten extrem verändert hat und der Effekt des Experiments sich äußerst kritisch auf das Universum auswirkt.

„The Quiet Earth“ nimmt seinen Titel wortwörtlich. Weswegen es erst einmal ziemlich still ist. Bis auf das Rauschen des Windes dringt sonst kaum ein Geräusch an unser Ohr. Und Herr dieser stillen Erde scheint erst einmal nur Zac zu sein. Bruce Lawrence geht dabei so richtig in der Rolle auf und durchlebt alle Höhen und Tiefen, die so eine einsame Herrschaft so mit sich bringt. Was anfangs noch nach ein bisschen Spaß aussieht (wenn man sich ein neues Haus oder ein neues Auto sucht), wird so ganz allein doch schnell öde. Leere Straßen und fast vollkommene Stille können einen Mann durchaus wahnsinnig machen. Wenn Zac dann in einer Kirche den Jesus am Kreuz mit Kugeln durchlöchert und irgendwann anfängt vor Puppen große Reden zu schwingen, zeigt sich, dass es nie wirklich toll sein kann, der letzte Mann auf Erden zu sein.

Regisseur Geoff Murphy treibt Lawrence gekonnt in den Wahnsinn… und auch wenn eigentlich nicht viel passiert, ist dieser Mann, der vor unseren Augen langsam zerfällt, schon verdammt spannend. Doch ganz allein nur mit Bruce Lawrence läuft der Film dann doch nicht weiter… und so tauchen irgendwann zwei weitere Personen auf. Der Film verliert ab hier zwar ein wenig von seiner Anziehungskraft, denn die nun entstehende Dreiecksbeziehung wird etwas unnötig in die Länge gezogen – ist sie doch schon von vornherein abzusehen. Ich meine: eine Frau, zwei Männer – da ist Chaos doch schon vorprogrammiert.

Immerhin flüchtet sich Zac ab hier mehr und mehr in die Lösung des Problems… allerdings hätte ich mir auch an dieser Stelle etwas mehr gewünscht. Die ganze Zeit wird uns erzählt, dass die Naturkonstanten verändert wurden und dadurch das ganze Universum aus dem Gleichgewicht geraten ist. Bis auf die Tatsache, dass fast alle Menschen verschwunden sind, fällt das aber nicht weiter auf – das hätte man vielleicht ein kleines bisschen weiter ausbauen können. (Übrigens: Es wird immerhin eine sehr plausible Lösung dafür gefunden, warum ausgerechnet diese drei Menschen nicht verschwunden sind)

Doch trotz kleiner Kritik-Punkte ist „The Quiet Earth“ ein wirklich sehenswerter Film. Mit wenig reißerischen Effekten erzielt Geoff Murphy gerade zu Beginn eine verdammt furchteinflößende Wirkung und zeigt eine äußerst glaubwürdige Studie darüber, wie der letzte Mensch auf Erden sich selbst zugrunde richten könnte. „The Quiet Earth“ ist allein deswegen schon ein sehenswerter Film… und an das Schlussbild des Films wird man sich ebenfalls noch sehr lang erinnern (und sich fragen, was da wohl noch so passiert ist)

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein kleiner, aber äußerst feiner Sci-Fi-Endzeit-Katastrophen-Film… bei dem man sich fast wünschen würde, es gäbe ein Sequel… )

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5 Kommentare leave one →
  1. 23. Oktober 2013 08:39

    Ja, der ist wirklich gut. Mal ein Last Man on Earth-Film ohne Monster. Sehr sympathisch und doch unglaublich bedrückend.

    • donpozuelo permalink*
      23. Oktober 2013 09:00

      😀 Stimmt. Mal keine Monster oder genveränderten Menschen zu haben, ist echt eine willkommene Abwechslung.

  2. 24. Oktober 2013 16:58

    „The Quiet Earth“ ist für mich so eine kleine Perle, die in der ersten Hälfte die Prämisse vom letzten Menschen auf Erden in Reinform verkörpert. Die zweite Hälfte fand ich, wie du auch schon anmerkst, nicht mehr so berauschend. Die Dreiecksbeziehung ging mir dann doch eher auf die Nerven. Nichtsdestotrotz ist der Sci-Fi Streifen mehr als sehenswert, und zwar abseits des ganzen Mainstreams 🙂

    • donpozuelo permalink*
      24. Oktober 2013 21:22

      Ja, die erste Hälfte ist nicht zu toppen. Das ist wirklich genau so, wie ich mir den letzten Menschen auf der Erde vorstellen würde. Erst noch irgendwie happy und dann verzweifelt. Da verschmerzt man die schwache zweite Hälfte, die man sicherlich besser hätte machen können. Ich habe mir jetzt aber trotzdem mal das Buch geholt… denn gerade dieser ganze Hintergrund mit den Veränderungen der Naturkonstanten und so… das interessiert mich. Davon hätte ich lieber mehr gehabt.

      Aber trotzdem… wie du schon sagst: Trotz kleiner Schwächen ein genialer Film.

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