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Fang den Terroristen!

21. Oktober 2013

Manchmal wünschte ich mir echt, ich könnte mich klonen. Meinen Klon würde ich dann zur Arbeit schicken, damit ich in Ruhe zuhause die immer länger werdende Liste von Serien abarbeiten kann. So langsam könnte ich mich wirklich fast mehr zum Serien- als zum Filmegucker entwickeln, bieten uns die Sender doch mittlerweile echt verdammt spannende Geschichten. Aber leider habe ich noch keinen Klon, weswegen meine Liste länger und länger wird und ich einige Serien einfach noch in die Warteschleife stellen muss (da lungern unter anderem noch „Breaking Bad“, „The Sopranos“ und „Six Feet Under“ sowie zahlreiche neuere Sachen). Hin und wieder kriege ich es dann aber doch mal fertig, mich einem Favoriten auf meiner Liste zu widmen.

In diesem Fall geht’s um „Homeland“ – jene Serie, die merkwürdigerweise im Fernsehen als „die beste Serie aller Zeiten“ angepriesen wird. Ich hatte ja anfangs so meine Zweifel, inwieweit die Serie nicht vielleicht wieder zu sehr im Amerika-Pathos versinken könnte… indem man wieder alles auf die bösen Terroristen schiebt und damit eigentlich noch viel mehr die Panik über Schläfer in Amerika anfachen könnte. Aber wenn’s die beste Serie sein soll, dann muss man solche Zweifel doch auch mal überbrücken können, oder???

„Homeland“ basiert lose auf einer israelischen Serie und erzählt in der ersten Staffel, wie der im Irak vermisste Marine Nicholas Brody (Damian Lewis) nach acht Jahren Gefangenschaft wieder nach Hause zu seiner Familie (unter anderen zu „Firefly“-Schönheit Morena Baccarin) zurückkehrt und als Held gefeiert wird. Gleichzeitig gibt’s da aber noch CIA-Agentin Carrie (Claire Danes), die kurz zuvor erfahren hat, dass es Terroristen gelungen sei, einen amerikanischen Soldaten „umzudrehen“. Für Carrie ist klar: Brody ist ein Schläfer. Blöd nur, dass sie die einzige ist, die in ihm nicht den Helden sieht.

Nach der ersten Staffel bin ich mir zwar immer noch nicht sicher, ob man „Homeland“ wirklich als die beste Serie aller Zeiten anpreisen sollte. Sicher ist aber, dass sie wirklich verdammt gut ist. Das liegt vor allem daran, dass gerade die ersten Folgen die Spannung unheimlich gut aufbauen. Carrie geht den illegalen Weg, lässt in Brodys Haus Kameras installieren und bastelt sich so ihr eigenes Big-Brother. Dabei erinnert mich das ganze Geschehen ein bisschen an Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“. Carrie sieht zwar oft hin, oft aber auch nicht. Zudem hat sie keinen Ton und muss viel in das Gesehene hinein interpretieren. Genau wie wir als Zuschauer selbst. Und wie schon bei Hitchcock kann man nie so ganz sagen, was wir nun glauben sollen.

Doch dafür gibt’s Handlungsstrang Nummer 2, indem wir in Rückblenden und durch Brodys Handlungen mehr über den Marine erfahren… jetzt müssen wir uns dann doch auf Carries Seite schlagen. Die Serie springt gekonnt zwischen den beiden Charakteren hin und her – hält sowohl die Paranoia aufrecht als auch die Spannung, wenn sich Brodys wahres Gesicht mehr und mehr zeigt. Trotzdem macht es sich „Homeland“ nicht so einfach, den Schläfer einfach so als Bösewicht abzutun. Brody zweifelt und reflektiert ständig, was er als nächstes zu tun hat… und durch die Rückblenden kommt fast so etwas wie Verständnis für seine „Rekrutierung“ auf.

In den beiden Hauptfiguren und dem Geflecht aus Intrigen liegt die große Stärke der ersten Staffel. Claire Danes spielt Carrie wirklich großartig. Und Carrie ist eine Person, die nicht einfach ist, hat sie doch selbst psychische Probleme und steht deswegen eigentlich fast ständig unter dem Einfluss ihrer Medikamente – übrigens ein weiterer schöner Twist, damit man selbst als Zuschauer ihren Eifer anzweifeln kann. Damian Lewis ist das etwas ruhigere Gegenstück, doch gilt bei ihm das Sprichwort „Stille Wasser sind tief“… und während Brody nach außen hin seine Helden-Fassade aufrechtzuhalten versucht, wissen eigentlich nur wir, wie es in ihm wirklich aussieht.

„Homeland“ baut dieses Katz-und-Maus-Spiel sehr spannend und gekonnt auf. Allerdings hängt es in der Mitte der ersten Staffel etwas. Ich persönlich fand den Twist, dass Carrie und Brody eine kurze Affäre eingehen, etwas albern und überflüssig. Immerhin konnte man so der brüchigen Brody-Familie noch ein bisschen mehr Chaos hinzufügen, aber eigentlich wäre das nicht nötig gewesen. Naja, dafür holen die Macher zum großen Finale wieder alles raus und machen mit einem fiesen Cliffhanger neugierig auf die zweite Staffel.

„Homeland“ hält viele Story-Fäden in der Luft, geht sehr schön auf die zwei Hauptcharaktere ein und beleuchtet so ziemlich jeden Aspekt der beiden. Sowohl bei den „Guten“ als auch bei den „Bösen“ gibt es eigentlich nur gebrochene Menschen, von denen man nie so ganz genau weiß, was sie wirklich antreibt. Somit umgeht die Serie eigentlich recht gut das „Schwarz-Weiß“-Zeichnen. Die Darsteller sind großartig, die Stories extrem spannend – „Homeland“ Staffel 1 hat sich echt gelohnt. Aber wenn ich ehrlich sein soll, frage ich mich, wie sie dieses Niveau halten wollen. Als Mini-Serie hätte ich mir das Ganze irgendwie besser vorstellen können… schauen wir mal, was die zweite Staffel so bringt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Hochspannung pur mit wirklich überzeugenden Darstellern)

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11 Kommentare leave one →
  1. 21. Oktober 2013 10:14

    Schau auf jeden Fall die zweite Staffel, sie enttäuscht nicht. Damian Lewis und Claire Danes beweisen wiedermal, dass sie die besten Schauspieler auf dem Fernsehbildschirm sind. Und auch ein anderes Plus der ersten Staffel wird überraschend aufrecht erhalten: Obwohl man Bodys und auch seinen Gedanken immer nahe ist, zweifelt man doch ständig, ob er Held oder Terrorist ist.

    • donpozuelo permalink*
      21. Oktober 2013 11:45

      Ich habe jetzt die ersten paar Folgen gesehen und es gefällt mir nach wie vor. Es gibt zwar auch ein paar erste Kritik-Punkte, die mir aufgefallen sind, aber ich warte erst einmal ab, wie sich das noch so entwickelt. Aber selbst jetzt schon bleibe ich dabei: Als abgeschlossene Mini-Serie würd’s mir besser gefallen. Ich frage mich ja ständig, wie weit und wohin die das ganze Geschehen noch treiben wollen.

      • 21. Oktober 2013 16:40

        Gute Frage, das wirkt nach einer Staffel in der Tat auserwählt. Aber, wer weiß… 😀

        • donpozuelo permalink*
          21. Oktober 2013 17:10

          Wir werden es einfach brav abwarten 😉 Zur Not kann man für sich selbst ja immer noch entscheiden, dass man alles andere, was noch kommt, ignoriert 😀

  2. 21. Oktober 2013 10:35

    Kann ich eigentlich komplett so unterschreiben. Die Affäre sah ich auch als Schwachpunkt und als konsequenter zu Ende geführte Miniserie könnte ich mir die Serie auch gut vorstellen. Staffel 2 wartet bei mir noch auf die Sichtung.

    • donpozuelo permalink*
      21. Oktober 2013 11:43

      Freut mich! Bei Staffel 2 bin ich gerade dabei. Bis jetzt finde ich es noch okay, obwohl es schon erste Stroy-Stränge gibt, die mir nicht so zusagen. Naja, warten wir erstmal ab 😉

  3. 21. Oktober 2013 15:00

    Ich möchte die erst auf DVD gucken (will sagen, ich hab sie bewußt im TV vermieden)! Aber Damien Lewis ist klasse!

    • donpozuelo permalink*
      21. Oktober 2013 17:07

      Willkommen, greifenklaue!!! 😀

      Ich hab’s auch im TV vermieden. O-Ton ist halt doch immer schöner. Aber die erste Staffel gibt’s ja mittlerweile auch – von daher: Nur zu empfehlen.

  4. 22. Oktober 2013 12:54

    Klingt gut – natürlich. Ich meine, auch wenn ich im Vergleich zu meinem Filmkonsum nun wahrlich kein großer Serienfan bin, kann auch ich mich nicht vor den Entwicklungen insbesondere im US-Fernsehen verschließen. HOMELAND könnte mir dabei tatsächlich endlich mal wieder spannende Abende bescheren, nachdem ich mit GAME OF THRONES und BREAKING BAD wirklich nur sehr wenig anfangen konnte.

    • donpozuelo permalink*
      22. Oktober 2013 14:12

      Wie bitte??? Du kannst mit „Game of Thrones“ nichts anfangen???? SKANDAL!!!! 😉

      „Breaking Bad“ hab ich ja auch noch nicht geguckt. Aber „Homeland“ kann ich dir empfehlen.

Trackbacks

  1. Media Monday #121 | A Nerd is heard

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