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Die Liebe in Zeiten des Zeitreisens

16. Oktober 2013

Es gibt diese Momente im Leben, wo ich mir wünschte, mein Leben wäre wie ein Computer-Spiel, bei dem ich beliebige Spielstände neu laden und von vorne anfangen könnte. Mit einem Schlag würde man nicht mehr in Fettnäpfchen treten, man wüsste immer, was man sagen soll und man könnte die verschiedenen Möglichkeiten einer Entscheidung durchspielen. Jede Art der Konsequenz könnte man sich anschauen, um dann die zu wählen, die einem am besten passt. Ein schöner Gedanke… aber wer weiß, wie schnell einem davon langweilig werden würde. Das Leben würde jegliche Überraschung verlieren. Man geht einfach zurück und ändert es…

Das kann in Richard Curtis’ neuem Film „Alles eine Frage der Zeit“ auch der junge Tim (DomhnallGleeson). Denn wie ihm sein Vater (Bill Nighy) verrät, können alle männlichen Familienmitglieder in der Zeit zurückreisen. Allerdings nur so weit, wie man sich an bestimmte Dinge erinnern kann – groß die Welt verändern, ist da nicht drin. Dafür kann Tim nun seine eigenen Taten rückgängig machen. Und seine Fähigkeit nutzt er ziemlich praktisch ein, als er sich plötzlich in die charmante Mary (Rachel McAdams) verliebt. Ein bisschen Zeitreisen hier und da… und der großen Liebe steht nichts mehr im Weg. Doch läuft nicht alles rund in Tims Leben und einige Probleme lassen sich auch nicht durchs Zeitreisen verändern.

Es ist schon die Frage, ob man diesen Film nun eigentlich wirklich braucht oder nicht. Denn im Endeffekt hat Richard Curtis „Täglich grüßt das Murmeltier“ einfach noch einmal neu verfilmt. Was Bill Murray mehr oder weniger unfreiwillig aufgelegt wird, macht Domhnall Gleeson freiwillig. Doch am Ende machen sie es beide aus den gleichen Gründen: Um eine Frau zu beeindrucken. Curtis’ Zeitreise-Film erfindet das Rad also wirklich nicht neu. Immerhin ist es lobenswert, dass „Alles eine Frage der Zeit“ nicht komplett auf Kitsch und Liebe aus ist. Stattdessen wandelt sich die Liebeskomödie am Ende sogar zu einem kleinen Drama. Hier jedoch packt Curtis, der übrigens auch das Drehbuch verfasst hat, ein bisschen zu viel Drama auf einen Haufen.

Ohne hier zu viel verraten zu wollen, verrennt sich der Film ein bisschen im Drama… nur um deutlich zu machen, dass Tim seine Lektionen in Sachen Zeitreisen auch wirklich gelernt hat: Manchmal ist es besser, einfach im Hier und Jetzt zu leben. Wer zu viel dem Vergangenen nachweint, verpasst das eigentliche Leben. Schöne Moral… aber unnötig dramatisiert und in die Länge gezogen.

Was bei jedem anderen irgendwann tierisch genervt hätte, verzeiht man Curtis sofort. Denn bei der Besetzung hat der Gute alles, aber auch wirklich alles richtig gemacht. Domhnall Gleeson ist perfekt als Sympathie-Träger. Diesem große, schlaksige Typ kauft man sofort ab, dass er sich mit den Damen etwas schwerer tut. Sein Aussehen verunsichert ihn, macht ihn vorsichtig. Doch er ist ein herzensguter Mensch, der niemandem etwas böses will. Gleeson passt, wie gesagt, perfekt in diese Rolle – ein Normalo, in dem man sich als Mann irgendwie wiederfinden kann (in all den peinlichen Situationen, in denen man versucht hat, eine Frau anzuquatschen). Ihm gegenüber steht Rachel McAdams… und hier möchte man schon fast wieder sagen: „Die beiden würden doch im wahren Leben nie zusammenkommen.“ Doch auch dafür findet Curtis einen netten Dreh (den ich hier auch nicht verraten will). McAdams und Gleeson geben aber ein wunderbares Pärchen ab. Besonderes Highlight ist natürlich wieder Bill Nighy, der einmal mehr beweist, dass er zu oft in Nebenrollen versteckt wird. Nighy ist der Danny-Trejo der gehobenen Unterhaltung, wenn man das so ausdrücken könnte 😉 Nach diesem Film möchte man nur zu gerne Bill Nighy als Vater haben… oder zumindest jemanden, der eine ähnlich gute Hochzeitsrede halten kann.

„Alles eine Frage der Zeit“ ist wegen seiner verdammt guten Darsteller sehenswert geworden. Man verzeiht dem Film automatisch die Patzer, das Abdriften ins Kitschige und das Imitieren von „Täglich grüßt das Murmeltier“ – eben weil die Darsteller die schwächliche Story so gut und überzeugend darbieten. Sie lassen einen alles vergessen und hypnotisieren einen förmlich.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Gott sei Dank hatte Curtis ein gutes Händchen für die richtigen Leute, sonst wäre das ein echtes Schnarchfest geworden)

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7 Kommentare leave one →
  1. 16. Oktober 2013 22:21

    Also den werde ich mir auf jeden Fall mal antun. Mir haben die Trailer gefallen und ich lieb Nighy 🙂

    • donpozuelo permalink*
      17. Oktober 2013 09:09

      Nighy ist super! Und der Film auch sehr charmant! Kann man sich auf jeden Fall anschauen.

  2. 17. Oktober 2013 11:54

    Ich mochte den Film sehr, aber er ist sicher nicht perfekt. Doch die Schauspieler und die herzige Story sind es mir allemal wert.

    Hast du mal den englischen Wikipedia-Artikel gelesen? Der eine Abschnitt da ist echt witzig 😛

    • donpozuelo permalink*
      17. Oktober 2013 12:20

      Perfekt ist er nicht, das stimmt. Aber die Darsteller holen das alle wieder raus.

      Welchen Abschnitt aus dem Artikel meinst du denn?

      • 17. Oktober 2013 22:43

        Den „Plot Holes“-Teil. War in etwas das, was mir durch den Kopf ging 😛

        • donpozuelo permalink*
          18. Oktober 2013 09:03

          Oh ja, das stimmt. Aber pfff… mein Gott, ein Zeitreise-Film ohne Plot Holes wäre ja mal was ganz neues 😉

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