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Einer für alle…

14. Oktober 2013

Bei bestimmten Regisseuren weiß man eigentlich von vornherein, ganz genau was man bekommt. Name und Filmographie sprechen für sich, vor allem dann, wenn in der Filmographie ein Genre überwiegt. So weiß man zum Beispiel ganz genau, was man bekommt, wenn der Name Paul W.S. Anderson fällt. Für manche mag das gleichbedeutend mit… keine Ahnung, Michael Bay oder Roland Emmerich sein – ein Typ, der eigentlich immer nur das gleiche aufbrüht. Aber: Ich mag Anderson. Ich mochte „Event Horizon“ und ich bin ein großer Fan der „Resident Evil“-Reihe (auch wenn ich mir den letzten Teil gerne gespart hätte). Fällt der Name Paul W.S. Anderson weiß man einfach ganz genau, man bekommt drei Dinge: gute Action, verpackt in einer leicht bekömmlichen und unkomplizierten Story – meistens garniert mit Ehefrau und Hingucker Milla Jovovich (da war wohl früher einer ein Nerd und will es nun der ganzen Welt beweisen 😉 )

Auch in „Die drei Musketiere“ von Anderson trifft das alles zu. Die Story ist weitgehend bekannt, wurde sie doch unzählige Male erzählt und verfilmt. Der junge König Louis (Freddie Fox) ist eine Marionette von Kardinal Richelieu (Christoph Waltz), der gemeinsam mit der Doppelagentin Mylady De Winter (Milla Jovovich) daran arbeitet, einen Krieg zwischen Frankreich und England anzufangen, um sich so endgültig die Macht über den Staat zu sichern. Doch haben die beiden nicht die Rechnung mit den dem König treu ergebenen Musketieren Athos (Matthew Macfadyen), Porthos (Ray Stevenson) und Aramis (Luke Evans) gemacht. Gemeinsam mit Neuzugang D’Artagnan (Logan Lerman) kämpfen sie für Frankreich.

Ein Klassiker der Literatur- und Filmgeschichte… ein Kostümfilm ohne viel Action, da möchte man Anderson eigentlich dringend von abraten. Aber Anderson ließ sich davon nicht abschrecken und machte mit dem Film, was er immer macht: Er packt alle oben genannten Zutaten in einen Topf und macht einen Musketiere-Filme, der irgendwie anders ist: Die Story ist trotz der zahlreichen Charaktere recht einfach gehalten. Dank neu dazugedichteter Zeppeline, die auf Bauplänen von Leonardo Da Vinci basieren, hat sich Anderson zu der sonst „langweiligen“ Story eine gute Basis für mehr Action als sonst geschaffen. Und ja, Milla Jovovich darf auch mitmischen und ihre Fähigkeiten als Action-Amazone einmal mehr unter Beweis stellen.

Doch all diese Zutaten verbinden sich zu einem furchtbaren Film ohne Herz. Andersons größtes Problem sind dabei die Charaktere, von denen wirklich keiner richtig zur Geltung kommt. Die titelgebenden Musketiere wirken wie das lustige fröhliche Nebendarsteller-Trio zu Logan Lermans D’Artagnan. Doch selbst Lerman wirkt als frecher, neunmalkluger Musketier-Anfänger mit langem, wallenden Haar fehl am Platz und kann trotz der guten Fechteinlagen als großer Held nicht punkten.

Gleiches gilt leider Gottes auch für Christoph Waltz und Mads Mikkelsen als Richelieus Truppenanführer Rochefort. Da hat man zwei Darsteller, die großartig böse spielen können und dann lässt man sie nicht. Es ist wie Perlen vor die Säue. Weder Waltz noch Mikkelsen kommen wirklich zum Zug und so schafft es keiner von beiden, wirklich als Bösewicht wahrgenommen zu werden. Sie vergammeln förmlich in diesem Film.

Es ist schon ein wenig traurig, dass Anderson aus dieser namenhaften Besetzung nichts macht. Ja, die Musketiere reißen ein paar lustige Witze, kämpfen gegen Unmengen von Soldaten, aber es fehlt halt Herz. Keine einzige Person wächst einem hier richtig ans Herz… nur wenn Til Schweiger gleich zu Beginn auftaucht, kochte ich vor Wut, war dann aber froh, als dieser untalentierte Mensch auf die Fresse bekam und wieder verschwand.

Vor Wut kochen muss man bei „Die drei Musketiere“ wohl auch wegen der vielen Freiheiten, die sich Anderson nimmt, um Action einzubauen. Der Film wirkt dann nicht nur durch seine Figuren, sondern auch durch diese albernen Sequenzen extrem gewollt. Die Luftschiff-Sequenzen sind hier und da zwar ganz nett anzusehen, haben aber das gleiche Problem wie der Rest des Films. Man merkt ihnen in jeder Sekunde das Künstliche an. Hier hat Anderson offensichtlich zu oft am Computer gehockt, denn der ganze Film wirkt wie aus dem Computer. Ob nun das alte Paris, die Wasser-Explosion zu Beginn oder halt die Luftkämpfe… alles stinkt nur so vor CGI und verliert so seine Wirkung.

Auch Action-Technisch hinkt „Die drei Musketiere“ schwer hinter Andersons sonstiger Arbeit her. Alle wirklich guten Sequenzen sind fast ausschließlich für Milla Jovovich… irgendjemand muss ja in diesem Film eine gute Figur machen 😉 Ansonsten ist nichts dabei, was einen wirklich vom Hocker haut.

Mit „Die drei Musketiere“ hat sich Paul W.S. Anderson meiner Meinung nach echt überschätzt. Der Film ist zu sehr mit seinen Effekten beschäftigt und vergisst ganz nebenbei, was für starke Schauspieler er doch eigentlich hat. Mit dieser Besetzung hätte man aus dem Film so viel mehr machen können als nur einen billig aussehenden Kostüm-Action-Film.

Hoffen wir mal, dass Anderson daraus gelernt hat… obwohl das fraglich ist, denn direkt nach diesem Film kam „Resident Evil: Retribution“…

Wertung: 3 von 10 Punkten (oberflächlich und unspektakulär… und dann auch noch Til Schweiger dabei… das gibt immer Abzüge)

2 Kommentare leave one →
  1. 16. Oktober 2013 22:20

    Sehe ich punktemäßig genauso. Brauchte seinerzeit drei oder vier Anläufe bevor ich die DVD durchsehen konnte :))
    Schade, selbst wenn ich nichts erwartet hatte und Milla ohnehin total fehlbesetzt hielt und halte.
    Für mich hat Lester eine humoristische Vorlage geschaffen, die nicht zu toppen ist, auch wenn das nicht alle so sehen, für mich meine Lieblingsmusketiere 🙂

    • donpozuelo permalink*
      17. Oktober 2013 09:08

      Ich hab es gleich beim ersten Mal geschafft… obwohl ich beim ersten Auftritt von Til Schweiger schon alle Hoffnungen aufgegeben hatte. Erwartet hatte ich erstaunlicherweise viel, weil mir der Film von einem Freund wärmstens ans Herz wurde. Naja… man kann ja nicht immer alles haben. 😉

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