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Der Schmetterling und das Ei

9. Oktober 2013

Eigentlich finde ich es ja immer gut, wenn aus einem Buch eher eine Serie als ein Film wird. Gerade bei den richtig dicken Wälzern lohnt sich ein Film kaum, da eh die Hälfte wegfällt und man am Ende als Kenner der Vorlage eh nur schwer enttäuscht wird. Der Gedanke einer Serie klingt da viel verlockender, besteht für die Macher doch eher die Möglichkeit, sich näher am Original zu orientieren. Bei „Game of Thrones“ klappt das so ja auch verdammt gut… und ich möchte gar nicht daran denken, was daraus geworden wäre, wenn man es als Film verarbeitet hätte. Doch manchmal geht die Verfilmung auch als Serie gründlich in die Hose. Ich habe ja schon bei der dritten Staffel von „The Walking Dead“ gemeckert, dass man sich zu weit vom Original entfernt hat. Jetzt jedoch gibt’s eine Serie, die – bis auf die Namen und die Ausgangsposition – ihre Vorlage komplett ignoriert.

Die Rede ist von „Under the Dome“ – jene Serie, die auf dem gleichnamigen Roman von Stephen King basiert. Hier wird das kleine Städtchen Chester’s Mill eines Tages von einer riesiegen Kuppel umschlossen. Anders jedoch als bei dem „Simpsons“-Film kann man hier nicht einfach durch einen Sandkasten entkommen. Die Bewohner sind ein- und von der Außenwelt abgeschlossen. Was jetzt passiert, zeigt, wie die unterschiedlichen Personen mit der Situation umgehen: Stadtrat Big Jim (Dean Norris) versucht sich als Führer mit zweifelhaften Methoden; Geldeintreiber und Ex-Soldat Dale „Barbie“ Barbara (Mike Vogel) wäre gern aus der Stadt entkommen, denn er hat ein dunkles Geheimnis – ein Geheimnis, das auch die junge Reporterin Julia Shumway (Rachelle Lefevre) betrifft. Jims Sohn Junior (Alexander Koch) dreht währenddessen vollkommen am Rad und sperrt seine Freundin Angie (Britt Robertson) ein, während ihr Bruder Joe (Colin Ford) und seine neue Freundin Norrie (Mackenzie Lintz) irgendwie mit der Kuppel verbunden zu sein scheinen.

Ich warne schon einmal vorab: Dies wird wieder einmal ein Meckerbericht der Sorte „Ich kenne die Vorlage und kann mit der Serie nicht viel anfangen“. Es erstaunt mich bei „Under the Dome“ extrem, dass Stephen King selbst, das Drehbuch zur Pilotfolge verfasst hat… damit hätte er doch eigentlich alle Fäden in der Hand gehabt, um diese Serie richtig zu starten. Doch aus welchen Gründen auch immer verzichtet er darauf. Alles, was vom Original bleibt, sind zwei Dinge: die Namen der Charaktere und die Kuppel selbst. Allein schon nach der ersten Staffel kann man auch sagen, dass die Auflösung des Ganzen mit dem Buch nicht sonderlich viel zu tun haben wird… schließlich gibt’s da auch keine Eier und Schmetterlinge, die irgendwas mit der Kuppel zu tun haben.

Änderungen an sich wären ja auch noch nicht einmal so schlimm… nur sind sie in diesem Fall so extrem fehl am Platze. Nehmen wir allein die Rolle von Dean Norris, der hier Big Jim spielt. Im Buch ist Big Jim ein echtes Schlitzohr. Er ist nur stellvertretender Stadtrat, doch wissen alle, dass er dennoch die Fäden in der Hand hat. Jim ist im Buch viel durchtriebener, viel machtgieriger, viel mehr darauf aus, die Situation für sich zu missbrauchen. In der Serie ist gerade zu Beginn ein relativ sympathischer Kerl. Zwar wandelt er sich im Laufe der Serie nach und nach, hat aber mit der Persönlichkeit aus dem Buch noch nicht so viel gemeinsam.

Beispiele wie diese gibt es zahlreiche… so wurde aus Barbie und Julia auch passend fürs Fernsehen sehr schnell ein Pärchen gemacht, während man im Buch fast vergeblich auch so etwas wartet. Andere interessante Figuren aus dem Buch tauchen zudem gar nicht erst auf, werden schlichtweg ignoriert. Was verdammt schade ist, weil man sich so auch einige der albernen Nebenstränge hätte sparen können. Der Einzige, der halbwegs gut getroffen wurde, ist Junior – ähnlich durchgeknallt und psychopathisch wie auch im Buch.

Als ich erfuhr, dass aus „Under the Dome“ eine Serie werden wird, habe ich mich gefreut. Als Mini-Serie hätte man sich wirklich nur am Buch orientieren müssen – da gibt’s genügend krasse Sachen, in denen die Menschen in ihrer Verzweiflung schlimme Dinge tun. Dazu kommt der höchst manipulative Big Jim und unter der Kuppel ist die Hölle los. Die Serie wirkt aber im Vergleich eher etwas harmlos… und mit seiner Story von dem Ei und dem Schmetterling an einigen Stellen auch recht albern. Wenn irgendwann auch noch Galgen gebaut werden, fragt man sich schon, was soll das Ganze?

Viel von dem, was ich nicht mag, liegt echt daran, dass ich die Vorlage gekannt habe und komplett andere Sachen erwartet habe. Die Serie wurde fürs Fernsehen extrem verharmlost, viele Figuren wurden viel zu schwammig gezeichnet und die Story wird gerade zum Ende der ersten Staffel noch absurder als im Buch. Ich hätte mir das Ganze als bloße Mini-Serie gewünscht, die sich stärker am Buch orientiert. Spannend war das Ganze für mich nur selten… eigentlich schade, wenn man bedenkt, was sonst so im TV mittlerweile möglich ist.

Wertung: 4 von 10 Punkten (dann bleibe ich lieber beim Buch)

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11 Kommentare leave one →
  1. 9. Oktober 2013 15:09

    Ich mochte die Staffel, auch wenn ich mir sehr gewünscht hätte, dass sie die Serie abschließen.
    Aber ich mag King auch in den seltensten Fällen in Buchform, ohne ihm wirklich gute Stories abzusprechen, war ich schon mehr als einmal fast davor ein Buch öffentlich zu verbrennen, weil mich das Ende so sehr genervt hat 🙂

    • donpozuelo permalink*
      9. Oktober 2013 17:19

      Ich hätte mir das Ganze auch lieber als Mini-Serie gewünscht. Jetzt fühlt es sich schon wieder so extrem gezogen an. Aber gut… wenn sie es mit der zweiten Staffel beenden, könnte es ja noch gut werden.

      Was King angeht: Mit dem habe ich mehr oder weniger angefangen, „Erwachsenen-Literatur“ zu lesen 😉 Die alten Sachen mag ich teilweise sehr, „Under the Dome“ war jetzt aber das erste Buch seit Ewigkeiten, das ich mal wieder von ihm gelesen habe, weil meine liebe Frau Mama es mir empfohlen hatte.

      • 9. Oktober 2013 20:26

        :-)) okay ist ja auch heute noch in vielen Buchläden fast der Einzige, der unter Horror steht, sofern es im Geschäft eine solche Sparte gibt (bei Hugendubel Steglitz ist sie zum Beispiel verschwunden).
        Wie gesagt die Buchverfilmungen gefallen mir meistens. Christine ist bis heute einer meiner Lieblingsfilme – geniale Story, ganz zu schweigen von „Shining“ , der ja so gar nicht im Sinne Kings war.

        • donpozuelo permalink*
          10. Oktober 2013 09:08

          Oh ja, „Christine“ ist super. (Könnte ich mir auch mal wieder anschauen!) und „Shining“ sowieso. Gab’s zu dem nicht sogar mal einen Zweiteiler, der sich mehr an Kings Vorlage hält? Aber was Kubrick daraus gemacht hat, ist einfach nur toll.

  2. oldboyrap permalink
    8. Oktober 2014 08:54

    Staffel 1 hab ich leider auch gesehen. 0 von 10, größter Müll xD

    • donpozuelo permalink*
      8. Oktober 2014 10:26

      Ja, das war großer Müll… das Buch war gut, aber die Serie ist echt Schrott…

      • oldboyrap permalink
        8. Oktober 2014 14:22

        Ich hab das Buch nicht gelesen. Ich hab nach Staffel 1 nur die Auflösung vom Buch gelesen, um mich selber zu spoilern, sodass ich keine weiteren Staffeln sehen muss.

        • donpozuelo permalink*
          8. Oktober 2014 14:57

          Ich bin ja nur gespannt, ob sie das Buch-Ende so auch in der Serie verwenden. Denn letztendlich haben sie ja auch nur die Kuppel und die Namen verwenden und alles andere komplett umgeschrieben. So albernen Quatsch wie dieses Ei gab’s im Buch (zum Glück) nicht!

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