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Schwerelos

7. Oktober 2013

Einmal ins All fliegen wäre schon eine verdammt coole Aktion. Einmal unseren blauen Planeten in seiner ganzen Schönheit sehen, wäre phänomenal. Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich der Weltraum-Tourismus ja irgendwann in die Richtung, dass sie auch Pauschal-Reisen anbieten, die sich auch Normal-Sterbliche leisten können… dann wäre ich schon gern dabei. Obwohl ich wahrscheinlich Blut und Wasser schwitzen würde, wenn es dann soweit wäre. Aber noch ist das nicht soweit und ganz ehrlich, bei dem ganzen Weltraum-Schrott weiß man ja auch nicht so wirklich, was einen da oben alles erwartet.

Also bleibe ich erst einmal lieber hier auf der Erde und genieße Weltraum-Urlaub für 14 Euro. Das kann ich mir leisten und es fühlt sich verdammt noch mal fast genau so an, als wäre man wirklich im All. Und die 14 Euro lohnen sich für Alfonso Cuarons „Gravity“ wirklich. Ich kann mich wage daran erinnern, vor ein paar Jahren schon mal was von einem Film gehört zu haben, in dem Sandra Bullock und George Clooney im All „verloren“ gehen. „Gravity“ war immer einer dieser Filme, von denen ich immer nur Gerüchte hörte, von dem ich schon glaubte, er würde nie das Licht der Leinwand erblicken. Doch in Anbetracht dessen, was man in „Gravity“ zu sehen bekommt, bin ich sehr froh, dass Cuaron sich Zeit gelassen hat.

Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) ist das erste Mal im Weltall, während ihr Kollege Matt Kowalski (George Clooney) schon ein alter Hase ist. Während Stone ziemlich nervös ihren ersten Weltraum-Spaziergang angeht, ist Kowalski die Ruhe in Person, reißt dumme Witze und hofft, den Rekord für den längsten Weltraum-Spaziergang brechen zu können. Die Mission scheint ruhig zu verlaufen, bis auf einmal eine Warnung kommt: Ein Satellit wurde zerstört und die Trümmerteile jagen auf Stone und ihr Team zu. Ihr Shuttle wird getroffen, Stone wird ins All geschleudert. Nur dank Kowalski überlebt sie… doch der Rest der Crew ist tot, das Shuttle flugunfähig und die ISS ein ganzes Stück entfernt. Und Stones Sauerstoff-Vorrat neigt sich auch dem Ende entgegen.

Allein die ersten 15 Minuten von „Gravity“ werden euch vom Hocker hauen. Größtenteils wird das Bild von unserem wunderschönen Heimatplaneten ausgefüllt, erst nach und nach hört man die Astronauten über Funk, die sich unterhalten… und irgendwann schwebt das Shuttle durchs Bild. Allein schon in diesen ersten Minuten nimmt uns Cuaron aus dem Kinosessel und schickt uns wirklich ins All. Die Kamera schwebt in einer großartigen Plansequenz durchs All, das Bild dreht sich, wir drehen uns… Schwerelosigkeit war noch nie so berauschend wie in „Gravity“. Und dieses Level an Großartigkeit behält Cuaron die ganzen 90 Minuten bei.

„Gravity“ ist so gut, dass man meinen möchte, das Ding hätten sie wirklich im All gedreht. „Gravity“ ist so gut, dass man sich auf der einen Seite fragt, wie die das nur hinbekommen haben. Auf der anderen Seite will man es aber auch gar nicht wissen, weil es sonst diese perfekte Illusion von Schwerelosigkeit zerstören würde. Cuaron und sein Team haben hier wirklich etwas atemberaubendes erschaffen. Das 3D ist einfach nur grandios und „Gravity“ ist auch der erste Film, den ich in Dolby ATMOS gehört habe. Und dieses neue Sound-System ist ebenfalls der Hammer. Gerade, wenn der ganze Weltraum-Schrott auf einen zukommt, hört man den auch wirklich von überall. Obwohl das mit dem Hören ja so eine Sache im All ist… und anders als andere versucht Cuaron auch weitestgehend diese Stille im All beizubehalten. So hört man dann auch die meiste Zeit nur das angestrengte Schnaufen von Sandra Bullock.

Die sorgt dann unter anderem auch dafür, dass dieser technisch perfekte Film auch eine überaus überzeugende Darstellerin bekommt. Während Clooney in seinen kurzen Auftritten den gewohnt coolen Typen liefert, ist Bullock für uns da. Mit ihr durchleben wir die Einsamkeit, die Verzweiflung, die scheinbare Hoffnungslosigkeit. Als Weltraum-Neuling kämpft Bullock gegen die Schwerelosigkeit und beweist, warum es so wichtig ist, dass Raumstationen ihre Bedingungsanleitungen in ausgedruckter Form überall rum liegen haben 😉

Technisch top, darstellerisch top… ja, und auch die Story ist spannend und fesselnd. Cuarons „Gravity“ ist aber wirklich vor allem ein technisches Meisterwerk, bei dem Animation, Special-Effects und Realfilm so perfekt in Einklang gebracht werden, dass man gar nicht unterscheiden kann, was was ist. „Gravity“ ist wirklich der 14-Euro-Trip ins All, den man nicht so schnell vergessen wird. Und um an dieser Stelle auch mal James Cameron Recht zu geben: „It’s the best space film ever!“

Wertung: 10 von 10 Punkten (da fehlen einem am Ende die Worte… einfach nur grandios)

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22 Kommentare leave one →
  1. 7. Oktober 2013 12:20

    Na ja, ich fand ihn in der 2. Hälfte und zum Schluss hin immer blöder. Das Ende war dann superdämlich und auf keinen Fall ist es für mich der beste Spacefilm überhaupt. No Way.

    • donpozuelo permalink*
      7. Oktober 2013 12:31

      Oh, echt? Schade. Das Ende fand ich eigentlich ganz nett… ein guter Abschluss für die ganze Sache. Und gut, man könnte sich über das „beste“ vielleicht streiten, aber auf jeden Fall ist es einer der realistischsten Space-Filme. Zumindest von denen, die ich so kenne.

      • 7. Oktober 2013 22:43

        Das mit dem realistisch will ich wenigstens zum Schluss hin mal im Raum stehen lassen. Ich bezweifle, dass ein einzelner Astronaut eine solche Leistung erbringen kann (von keinem Partikel getroffen zu werden) und dann erfolgreich eine beschädigte Sojus (okay Chinavariante) zur Erde bringt (in irgendeinem Eintrittswinkel) ohne zu Asche zu zerfallen und dann auch noch in einem See landet *hust* und aufsteht.

        • donpozuelo permalink*
          8. Oktober 2013 12:44

          *nörgel nörgel nörgel* 😀 Ja, ich gebe zu, im Nachhinein kratzt man sich bei vielen Sachen am Kopf. Sauer stößt mir jetzt auch so auf, warum eine Medizinerin irgendwas am Hubble-Teleskop zu schaffen hat… aber ich finde, man kann diese kleinen Details gut verschmerzen.

  2. 7. Oktober 2013 23:18

    Fand den Film auch klasse, aber zum Meisterwerk und „best space film ever“ fehlt mir einfach noch was. Dafür war die Handlung doch zu vorhersehbar.

    Optisch aber eine Wucht und man fragt sich wirklich, ob die das im All gedreht haben (aber wahrscheinlich kam Clooney morgens in Badelatschen und Hawaiihemd da rein geschlappt, hat sein Gesicht in den Bluescreen gehalten und seinen Text aufgesprochen, so entspannt wie der war).

    8 oder 9 von 10 Punkten, da kann ich mich jetzt kurz nach dem Kino noch nicht entscheiden.

    • donpozuelo permalink*
      8. Oktober 2013 12:46

      Die Machart würde mich bei dem Film auch brennend interessieren… und bei einigen Einstellung im All habe ich mir auch gedacht, dass da einfach nur das Gesicht reingesetzt wurde. 😉

  3. 8. Oktober 2013 21:13

    Die vielen angeblich wenigen Fehler fielen mir sofort auf. Ist ja auch überhaupt nicht schlimm, ich kann sowas gut ignorieren, wenn da nicht dieser Anspruch wäre, dem der Film meiner Meinung nach gar nicht gerecht wird.
    Etwas weniger hoch gestapelt und mit ohne diesem Ende, hätte er mir wahrscheinlich mehr gefallen und mit ohne Clooney und Bullock ^.^

    • donpozuelo permalink*
      8. Oktober 2013 22:51

      gut, Clooney hätt’s wirklich nicht gebraucht. Bullock fand ich aber echt überzeugend. Und was den Rest angeht, werden wir wohl keinen Kompromis finden. Ich finde nicht, dass Cuaron hochgestapelt hat… und wenn, dann hat er trotzdem (in meinen Augen) auch gut was gemacht.

  4. 9. Oktober 2013 21:37

    Obschon das Grundgerüst des Filmes relativ simpel ist, schafft es Cuaron daraus ein extrem dichter Film (technisch wie inhaltlich) zu machen.
    Und Bullock spielt wirklich absolut hammermässig.
    Kann deiner Review und Wertung nur zustimmen. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      10. Oktober 2013 09:09

      😀 Danke! Ja, die Story ist simpel, aber packend. Wenn man sich überlegt, dass Bullock wahrscheinlich vor Green-Screen und irgendwelchen Kabeln agieren musste, macht sie das alles verdammt glaubhaft.

  5. 16. Oktober 2013 12:11

    10/10 bei dir – muss ich sehen. 🙂
    (Alles wiederholt sich.)

    • donpozuelo permalink*
      16. Oktober 2013 12:21

      In letzter Zeit waren halt echt einfach ein paar gute Sachen im Kino. Ich kann da nix für 😉

      • 23. Oktober 2013 12:21

        So, wie du schon gesehen hast – ich war begeistert, aber nicht vollends. Wie du so schön schreibst, technisch und darstellerisch top, aber abseits davon nicht das erwartete Highlight. Man kann das Spiel, eine Katastrophe nach der anderen, auch auf die Spitze treiben – so hier geschehen. Schade aber nachvollziehbar, da der Film sonst zu lahm wäre.

        • donpozuelo permalink*
          23. Oktober 2013 15:38

          Für mich war’s schon das erwartete Highlight. Cuaron hat halt das Problem, dass er zwar alles möglichst realistisch darstellen wollte, aber für die Spannung brauchte er ein paar Dinge, die nicht unbedingt sehr realistisch waren. Aber wir reden hier von einem Film, von daher kann ich ihm das gut verzeihen. 😉

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