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Echte Hassliebe

4. Oktober 2013

Ich steh’ nicht so auf Formel 1. Habe mich nie dazu durchringen können, mir so was mal komplett anzuschauen. Aber es geht einfach nicht. Das, was man im Fernsehen zu sehen bekommt, ist doch wirklich nur „Ein-Sich-Ständig-Im-Kreis-Drehen“. Vom Technischen bekommt man da kaum was mit. Und in erster Linie geht es bei diesen Rennen doch um die Technik: Wer ist schneller, wer ist leichter, wer ist besser? Ich weiß nicht, ob ich mich jetzt total ins Abseits quatsche, aber für mich ist das, wie mit Pferde-Rennen. Die Jockeys reiten, doch die Pferde machen die ganze Arbeit. Falls das irgendwie Sinn ergibt… prima. Ansonsten muss man sich einfach nur merken: Ich steh’ nicht so auf Formel 1. Und ich kenn mich da auch so gut wie gar nicht drin aus.

Umso erfreulicher musste ich dann feststellen, dass man für Ron Howards Rennfahrer-Drama kein Formel-1-Freak sein muss. Denn hauptsächlich geht es in „Rush“ um die Hassliebe zwischen dem Briten James Hunt (Chris Hemsworth) und Niki Lauda (Daniel Brühl). Der eine (Hunt) ist ein Macho und lässt wirklich nichts anbrennen – so wie wild wie er sein Leben lebt, so fährt er auch. Der andere (Lauda) ist ein arrogant wirkender Außenseiter, dafür aber ein brillanter Techniker und Fahrer, der auf alles eine kluge Antwort zu haben scheint. Und die beiden Fahrer werden im Laufe ihrer Karriere zu Rivalen. Jeder versucht den anderen auszustechen. Bis zu dem Tag im Sommer 1976, als Lauda einen schweren Unfall auf dem Nürbugring hat…

Ich gebe zu, ich habe nicht wirklich viel von Ron Howard gesehen – abgesehen von seinen Dan-Brown-Verfilmungen „Illuminati“ und „Da Vinci Code“. So richtig im Gedächtnis geblieben ist mir der Gute nur durch sein Polit-Drama „Frost/Nixon“, bei dem er wirkungsvoll gezeigt hat, wie gut er mit starken Charakteren umgehen kann. Waren es da noch Interviewer Frost, der versucht aus Nixon eine Entschuldigung für seine Missetaten zu pressen, sind es in „Rush“ nun zwei Rennfahrer. Hemsworth spielt den Macho James Hunt mit einer bewundernswerten Leichtigkeit – aber gut, wer einen Gottessohn spielen kann, der kriegt auch das hin. Sehr viel beeindruckender als Hemsworth ist in „Rush“ aber tatsächlich Daniel Brühl.

Und das sagt jemand, der mit Daniel Brühl bisher nie so viel anfangen konnte. Aber Brühl gibt hier wirklich alles. Er ist kaum wiederzuerkennen – mit seinem komischen Lockenkopf und dem österreichischen Akzent. Brühls Lauda ist arrogant, aber auch vorsichtig. Ein guter Techniker und Planer, der nichts dem Zufall überlässt. Halt das genaue Gegenteil von Hunt. Ron Howard liefert mit „Rush“ ein spannendes Psycho-Spiel zwischen diesen beiden Fahrern. Es entsteht eine richtige Hassliebe – man merkt, dass jeder den anderen braucht. Sie treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen und wirken wie rivalisierende Brüder. Man kann förmlich spüren, wie jeder seinen Ansporn durch die Erfolge des anderen nimmt… und so verwundert es dann auch irgendwie nur wenig, dass Lauda nur 42 Tage nach seinem schrecklichen Unfall wieder ins Auto steigt. Soviel zum Thema: „Wer vom Pferd fällt, sollte gleich wieder aufsteigen.“

Von einem Rennfahrer-Film hätte ich so viel Drama wirklich nicht erwartet. Aber genau das macht „Rush“ so verdammt gut. Howard findet die perfekte Balance zwischen Drama und Action. Hier finden die Charaktere ihren Platz, um ihre Geschichten zu erzählen. Gleichzeitig schafft Howard aber auch Raum für grandiose Renn-Szenen. In teilweise unmöglichen Kamera-Einstellungen kommt es einem so vor, als würde man direkt mit im Wagen sitzen. Ich hätte wirklich zu gerne die Wagen mit Kameras bestückt gesehen – teilweise flitzt man nur Millimeter vom Boden entfernt, dann steckt man wieder im Helm und sieht nur die hochkonzentrierten Augen der Fahrer, bevor man durch die nächste Kurve rast. Ganz ehrlich: Würde jedes Formel-1-Rennen so gezeigt werden wie Howard sie zeigt: Ich würde es gucken.

Ron Howards „Rush“ hat wirklich alles, was ein guter Film braucht: Menschliches Drama verpackt mit grandioser Action und sehr, sehr guten Darstellern. Einzig und allein Hans Zimmer übertreibt es manchmal ein kleines bisschen – zu oft erinnerte mich die Musik zu sehr an eine Mischung aus „Batman“ und „Inception“. Doch selbst das kann einem diesen Film nicht vermiesen.

Wertung: 10 von 10 (auch für Formel-1-Verächter wie mich ein absolut sehenswerter Film)

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8 Kommentare leave one →
  1. 4. Oktober 2013 12:23

    Hm, habe jetzt schon oft gehört, dass Daniel Brühl eine wirklich gute Leistung erbringt – aber dass der ganze Film so hoch gelobt wird, meine Herren, das habe ich nicht erwartet. Vielleicht gebe ich dem Film dann ja doch mal eine Chance, aber jetzt tummeln sich wieder so viele interessante Filme im Kino, da weiß man ja gar nicht, wo man hingucken soll… 😀

    • donpozuelo permalink*
      4. Oktober 2013 16:00

      Brühl ist wirklich verdammt gut… und das kommt von mir. Ich mochte den bisher nie so wirklich. „Rush“ ist schon ein beeindruckender Film.

  2. 16. Oktober 2013 12:12

    Grandioser Film. Gestern erst gesehen – ich war genauso begeistert!

  3. 29. Oktober 2013 07:50

    Gestern gesehen und war auch sehr begeistert! Den Einstieg fand ich allerdings etwas zäh, aber wenn man erst mal drin ist, ist er richtig stark. Die Rennszenen sind klasse (und kein Vergleich zu öden Formel 1-Übertragungen heutzutage) und spätestens der Unfall läßt einen nicht mehr kalt.

    • donpozuelo permalink*
      29. Oktober 2013 09:51

      Freut mich, dass er dir auch so gut gefallen hat.

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