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Asche zu Asche

30. September 2013

Wenn ich mich mal wieder so richtig gruseln möchte, dann spiele ich „Silent Hill“. Diese Spiele – zumindest die älteren, die ersten vier Teile – haben mich als Zocker echt absolut geflasht. Hier ballerst du nicht wie blöd auf die Monster, hier rennst du weg. Wenn die klassische „Silent Hill“-Musik ertönt, dann bekommst du eine Gänsehaut und wenn du dich durch dunkle Flure schleichst, nur im Licht deiner kleinen, mickrigen Taschenlampe, dann rutscht dir das Herz in die Hose und du betest, dass hinter der nächsten Tür nichts auf dich lauert. „Silent Hill“ kann ich als Spiel nur immer wieder weiter empfehlen. Große Klasse…

Christophe Gans traute sich 2006 an eine Verfilmung. Sein „Silent Hill“ hatte durchaus Stil, war spannend und atmosphärisch dicht. Der Look und vor allem die Musik versetzte einen wirklich direkt in dieses unheimliche Örtchen. Der Film gehört nach wie vor – auch mit seinen kleineren Macken – zu den besten Spiele-Verfilmungen, die ich so kenne. Da erstaunt es schon, dass es doch recht lange gedauert hat, bis die Fortsetzung folgte. Mit „Silent Hill: Revelations“ ist aber nun endlich für Abhilfe gesorgt.

Der Film knüpft direkt an seinen Vorgänger an. Christopher Da Silva (Sean Bean) nennt sich mittlerweile Harry Mason und Töchterchen Sharon heißt jetzt Heather (Adelaide Clemens) und ist mittlerweile ein Teenager. Doch Heather wird immer und immer wieder von Alpträumen gequält… in denen sie davor gewarnt wird, nach Silent Hill zurückzukehren. Doch wie es immer so ist: Die Ereignisse überschlagen sich, ihr Vater wird entführt und gemeinsam mit ihrem einzigen Freund Vincent (Kit „Jon Snow“ Harington) macht sich Heather auf den Weg nach Silent Hill.

Regisseur Michael J. Bassett fängt gut an. Sehr gut sogar. Denn „Silent Hill: Revelation“ zieht viel Inspiration aus dem dritten Teil der Spiele-Reihe… und die beginnt mit einer panischen Heather auf einem absurden Jahrmarkt. Auch Bassetts Jahrmarkt ist nichts für Kinder, sieht aber verdammt stylisch aus… auch wenn hier Pyramid Head das Karussell steuert und die ach so netten Maskottchen mit Blut verschmiert sind. Und diese erste Alptraum-Szene ist nicht die letzte, die mein Herz schneller rasen ließ. Tatsächlich orientiert sich Bassett gerade zu Beginn sehr stark am Spiel. So darf Heather schnell ihre Multifunktionsweste anziehen und durch eine Mall flitzen. Als sie dann auch noch ein Heizungsrohr zur Verteidigung in die Hand nimmt, war ich schon fast am Überkochen vor der Detail-Treue. Dazu muss man auch sagen, dass Adelaide Clemens der Spiele-Heather wie aus dem Gesicht geschnitten ist. So etwas nennen ich mal Hingabe zum Stoff.

Gerne würde ich jetzt weiterschwärmen; davon erzählen, wie toll „Silent Hill: Revelations“ geworden ist. Kann ich nur leider nicht. Ja, Pyramid Head kommt vor und darf sogar ein bisschen mehr tun als noch im ersten Teil. Auch meine Grusel-Favoriten, die Krankenschwestern, bekommen wieder Gelegenheit, ihren „Tätigkeiten“ nachzugehen. Und ja, vom Look her schafft es auch Bassett, das „Silent Hill“-Gefühl aufrecht zu erhalten (zumal die Musik von Akira Yamaoka allein schon fast ausreicht, um für Gänsehaut zu sorgen). Letzen Endes verrennt Bassett sich aber doch.

Den ersten großen Fehler macht er, indem er haarklein die Geschichte aus dem ersten Teil noch einmal rekapitulieren lässt. In einem langen Monolog und in zahlreichen Rückblenden wird Heather (und somit auch uns) die tragische Story hinter Heather und Silent Hill verdeutlicht. Und das nimmt der ganzen Sache den Drive. Klar ist es nett gemeint – man muss Teil 1 nicht mehr schauen (was man aber durchaus tun sollte!), aber es stört einfach nur, verlangsamt und streckt die Handlung unnötig.

Den zweiten großen Fehler begeht Bassett, indem er zu grafisch wird. „Silent Hill“ war immer mehr Kopf-Kino als alles andere. Bassett reicht das nicht und teilt deswegen ordentlich aus. Manche Sachen sind dabei durchaus gelungen, andere dann doch eher unappetitlich.

Und der dritte Fehler: Ein merkwürdiger Kampf zwischen Pyramid Head als dem Guten (???) und einem Monster. Und: ein merkwürdiges CGI-Ding, das so eine Art Schaufensterpuppenspinne ist. Brrr… nicht so cool.

Als Fan der Spiele kann man sich „Silent Hill: Revelation“ durchaus mal anschauen. Wie gesagt, gerade zu Beginn ist das teilweise sogar noch besser als im ersten Film. Leider verliert sich Bassett dann am Ende zu sehr in Erklärungen und Eigenkreationen anstatt die dunklen Gänge und den Neben von Silent Hill in den Vordergrund zu stellen. Interessanterweise scheint aber schon jetzt eine Fortsetzung angedacht zu sein, denn gleich zwei weitere Spiel-Charaktere bekommen am Ende einen kurzen Auftritt: Travis aus „Silent Hill: Origins“ und Murphy aus „Silent Hill: Downpour“. Mal schauen, was da noch kommt.

Wertung: 6 von 10 Punkten (der Anfang ist verdammt gut, danach lässt der Film aber stark nach)

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4 Kommentare leave one →
  1. 30. September 2013 20:22

    Hatte ich neulich schon auf meiner Einkaufsliste, da ich den ersten Teil ziemlich mochte. Aufgrund vieler schlechter Kritiken ist er wieder gefolgen, doch das hier klingt zumindest ganz okay… mal sehen…

    • donpozuelo permalink*
      30. September 2013 20:56

      Es kommt definitiv nicht an den ersten Teil heran, aber Mann… wenn sie die Detail-Treue vom Anfang durchgehalten hätte… Hätte ein verdammt gutes Ding werden können. Aber um einfach mal reinzuschauen, ist es schon ganz okay.

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