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To protect and serve

23. September 2013

Es ist doch eines dieser üblichen Klischees, dass, wenn man kleine Jungs fragt, was sie mal werden wollen, die meisten antworten: „Polizist!“ Gut, ich habe keine Ahnung, ob das heute immer noch so ist, aber als ich in dem Alter war, war das ganz gebräuchlich (hört nur den alten Mann reden… traurig!!!!) Ich wollte allerdings nie wirklich Polizist, sondern viel eher Privatdetektiv werden (schließlich war Mickey Mouse auch Privatdetektiv und der hatte immer verdammt coole Fälle zu bearbeiten). Wer will schon Polizist sein und auf Streife gehen müssen? Das fand ich damals irgendwie ziemlich langweilig. Hätte ich damals schon David Ayers „End of Watch“ gesehen, hätte ich mir das vielleicht noch einmal überlegt…

Ayer stellt uns die zwei Polizisten Brian Taylor (ein kahlgeschorrener Jake Gyllenhaal) und Miguel Zavala (Michael Peña) vor, die nicht nur beste Freunde, sondern auch Kollegen sind, die gemeinsam durch die Straßen von L.A. fahren. Zum Glück für uns sind die Autos voller Kameras und auch Brian hat gerade ein persönliches Projekt am Start, weswegen er so gut wie alles filmt. Selbst als sie auf ein paar böse Buben stoßen, haben wir Glück: Die filmen sich auch gerne selbst und liefern weiteres Material für diesen Film. Doch es ist nicht nur alles schick, denn irgendwann stoßen Brian und Miguel ein paar Türen auf, die sie besser nicht hätten öffnen sollen.

Man möchte es ja fast nicht glauben, dass jemand der am Drehbuch für „The Fast and the Furious“ mitgearbeitet, mehr aus sich herausholen kann als Typen, die sich gegenseitig Straßenrennen abliefern. Doch gleichzeitig zu dem Autoraser-Franchise lieferte Ayer auch das Drehbuch zu „Training Day“ ab – ein Beweis dafür, dass doch mehr in ihm steckt als nur Autos. Doch das Thema Cop scheint Ayer viel zu bedeuten, selbst als er vom Drehbuchschreiben zum Regie-Führen überging, blieb er sich treu… „Harsh Times“ und „Street Kings“ habe ich jetzt zwar noch nicht gesehen, aber nach „End of Watch“ könnte ich das vielleicht nachhholen.

Auch wenn es für mich eher untypisch klingt, aber am meisten gereizt hat mich an „End of Watch“ die Tatsache, dass es als Semi-Dokumentation im Found-Footage-Stil angepriesen wurde. Und das, wo ich mit „Found Footage“ nichts anfangen kann (sorry, „Blair Witch Project“)… aber zum Glück gehört Ayers Cop-Film zu der guten Found-Footage-Sorte. Brians Aufnahmen erzeugen nicht Kopfschmerzen und nur recht selten müssen wir mit extrem wackeligen Einstellungen vorlieb nehmen. In den meisten Fällen hingegen versucht Ayer, das Bild ruhig zu halten. Das sind dann oft die Kameras, die direkt am Auto befestigt sind und die dann teilweise herrlich gute Verfolgungsjagden ablichten (hin und wieder kommt halt doch das „Fast & Furious“ durch). Wo es nicht anders geht, verlässt Ayer auch diese Doku-Kamera und liefert uns Bilder, die von keiner Person im Film gedreht wurden. „End of Watch“ ist also auch für „Found Footage“-Hasser sehenswert… zumal Ayer hin und wieder sogar schon fast Gamer-Perspektiven erreicht, die gleich noch doppelt so viel Spaß machen.

Aber es ist ja nicht allein der Look, der zählt. Zum Glück scheint Ayer aus seinen zahlreichen Cop-Filmen viel gelernt zu haben und liefert uns mit Officer Taylor und Zavala ein absolutes Dreamteam vor der Kamera. Gyllenhaal und Peña geben ein sympathisches Duo ab – zwei auf den ersten Blick recht unterschiedliche Charaktere, bei denen aber ab der ersten Minute deutlich wird, warum die beiden sich so gut verstehen. Gyllenhaals Officer Taylor sucht noch seinen festen Platz im Leben bzw. die richtige Frau. Er wirkt ein bisschen Macho, ist es aber nicht wirklich. Peñas Zavala dagegen ist verheiratet und hat Familie. Die beiden ergänzen sich super und liefern ein paar sehr komische Wortgefechte über die Liebe, das Leben und alles andere, während sie in ihrem Auto unterwegs sind. Peña und Gyllenhaal wirken natürlich. Sie albern rum wie man es unter Typen irgendwie gewohnt ist, in ernsten Situationen können sie das aber auch fallen lassen. Die Darstellung der beiden Cops gelingt Gyllenhaal und Peña, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Klar werden ein paar Klischees beansprucht, aber das verzeiht man diesen beiden sofort…

Irgendwann kommt dann noch die überaus charmante Anna Kendrick dazu, deren Liebesbeziehung zu Gyllenhaals Taylor für die richtige Abwechslung im sonst teilweise tristen Polizeialltag sorgt…

„End of Watch“ ist eine gut durchdachte Buddy-Cop-Geschichte, die die Lacher nicht vergisst, aber trotzdem ernst bleibt. Die Geschichte nimmt irgendwann immer unschönere Wendungen und sorgte in seinem (vielleicht etwas zu) bleihaltigen Finale sogar fast für ein Tränchen… denn Ayer schafft es in seinen 110 Minuten, dass einem die beiden Cops schon sehr ans Herz wachsen… ich zumindest habe echt mitgefiebert!!!

Wertung: 9 von 10 Punkten (ein unerwartetes Juwel des Cop-Movies mit viel Spannung und Herz)

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7 Kommentare leave one →
  1. 23. September 2013 08:15

    Sehe ich genauso. Klasse Film. Freut mich, dass er dir gefallen hat.

    • donpozuelo permalink*
      23. September 2013 14:45

      Echt klasse. Hatte ja anfangs so meine Bedenken, aber die waren echt schnell verflogen. Toll gespielt, toll gedreht… kann man sich angucken 😉

  2. 23. September 2013 08:19

    Naja ich fand, wenn man Southland gesehen hat, kommt hier nur wenig Neues dazu – außer vielleicht, dass es etwas gewalttätiger ist als die Serie. Aber trotzdem natürlich kein schlechter Film.

    • donpozuelo permalink*
      23. September 2013 14:46

      Dann ist’s ja gut, dass ich „Southland“ nie gesehen habe. Die Cop-Serien sprechen mich ehrlich gesagt auch nicht so besonders an. Als Film schaue ich das aber ganz gerne… und „End of Watch“ gehört da definitiv zu den sehenswerteren.

  3. 23. September 2013 10:44

    Hatte mir auch sehr gefallen, kam alles ganz natürlich rüber, bis auf den Schluss, aber gut, ein paar Abstriche kann man schon machen 🙂

    • donpozuelo permalink*
      23. September 2013 14:47

      Ja, okay… ich gebe zwar zu, dass mich das Ende ziemlich bewegt hat, aber Ayer trägt da verdammt dick auf. Vielleicht etwas zu dick… aber mein Gott, das können wir ihm verzeihen 😉

Trackbacks

  1. My home is my Panzer | Going To The Movies

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