Skip to content

Bin ich schon wach?

18. September 2013

Stanislaw Lem gehört für mich neben Philip K. Dick zu meinen absoluten Lieblingsautoren im Science-Fiction-Bereich… was vor allem daran liegt, dass Lem wirklich zu denen gehörte, die versucht haben, realistische Ansätze im Bereich Science-Fiction mit einzubringen. Der gute Mann hat sich noch wirklich Gedanken darüber gemacht, anstatt einfach nur Typen mit Laserkanonen aufeinander los zu jagen. Lem war einer der Philosophen des Sci-Fi-Genres, spekulierte gerne damit, wie wir uns in der Zukunft verändern würden und was das alles aus uns machen würde. Ich kann nur jedem empfehlen, mal ein Buch von Lem in die Hand zu nehmen. Vielleicht sogar sein Buch „Der futurologische Kongress“… denn es jetzt für alle, die kein Bock zum Lesen haben, auch als Film gibt.

Ari Folman verzaubert das Buch in einen Animationsfilm mit Realfilm-Anteilen… oder doch eher in einen Realfilm mit Animations-Anteilen??? Egal, wie man es bezeichnen will, „The Congress“ ist ein Film, den man nicht verpassen sollte.

Schauspielerin Robin Wright (Robin Wright selbst) bekommt von den Miramount Studios ein letztes Angebot: Da die Schauspielerin als besonders schwierig gilt, will man sie einfach einscannen – sowas wie Performance Capturing. Nur halt für immer. Die digitale Robin Wright wird so alleiniges Eigentum des Studios und tritt brav in allen Filmen auf, die man ihr zuteilt. Robin nimmt nach einigem Zögern an. 20 Jahre später besucht sie den animierten Futurologischen Kongress von Miramount, bei dem etwas ganz Neues vorgestellt wird: Eine Art Droge, durch die man sich selbst in animierte Avatare verwandeln kann. Man kann sein, wer oder was man will… doch kommen Robin jetzt Zweifel. Nur leider ist es dafür schon zu spät.

„The Congress“ ist ein wirklich ein wahrer Augenschmaus. Obwohl Augenschmaus vielleicht der falsche Begriff ist. Eher möchte man „The Congress“ mit einem LSD-Trip bezeichnen. Ich habe zwar keine persönlichen Erfahrungen, aber was man da von Regenbogen-Straßen, lachenden Kraken oder sich ständig verwandelnden Personen so zu sehen bekommt, kann man das schon als Trip bezeichnen. Die Animationen sind wirklich krass. Es erinnert sehr stark an die alten Cartoons von Max Fleischer oder auch an die früheren Disney-Cartoons. Die Figuren muten manchmal mit ihren merkwürdigen langen Körpern etwas skurril an. Doch gerade das macht dann auch irgendwie diese herrlich surreale Welt von „The Congress“ aus. Den Film muss allein schon wegen seiner Ideen-Vielfalt mehrmals schauen, denn Ari Folman kennt hier wirklich keine Grenzen.

Ein zweites Mal schauen könnte sicherlich auch nicht schaden, um die Story voll und ganz zu verstehen. Der Anfang – der „reale“ Teil – ist noch recht simpel. Hier klingen kritische Töne zum bösen Hollywood-System an, indem du nur zu etwas zu gebrauchen bist, wenn du dich dem Studio unterwirfst. Hier kann Robin Wright dann auch als abgekämpfte und erschöpfte Frau punkten, die eigentlich nur in Ruhe ihr Leben führen will. Gleichzeitig streckt die Geschichte um ihren Sohn Aaron (Kodi Smit-McPhee) die Story etwas. Aber das ist alles noch zu verschmerzen.

Etwas verwirrend und unübersichtlich wird’s dann in der animierten Traum-Welt. Hier springt der Film anfangs ziemlich schnell von einem Geschehen zum nächsten und man grübelt schon, was jetzt gerade wirklich passiert. Und dann sind auf einmal noch ein paar Jahre vergangen, von denen Robin Wright (eingefroren) und wir (verwirrt) nichts mitbekommen. In dieser neuen Welt findet man sich dann aber doch irgendwie wieder zurecht. Hier schließt sich dann auch der Bogen zum Anfang ein bisschen und Folman präsentiert uns eine unangenehme Zukunft, in der man entweder ein Zombie oder ein animiertes Wunder sein kann. Nur bleibt halt die Frage, ob man sich selbst aufgeben will, um dieses Wunder zu werden?

„The Congress“ überzeugt durch seine Machart und kann dadurch über die recht verworren erzählte Geschichte gut hinwegtäuschen. Meiner Meinung nach hätte man die Geschichte übersichtlicher und spannender erzählen können, aber wie gesagt… die Animationen und das, was am Ende herauskommt, überzeugt dennoch. Ari Folmans „The Congress“ ist auf jeden Fall ein Film, den man nicht verpassen sollte.

Wertung: 8 von 10 Punkten (LSD-Trip mit Robin Wright – mal was ganz anderes)

Advertisements
12 Kommentare leave one →
  1. 18. September 2013 17:51

    Ja, man braucht ein bisschen, bis man durchblickt. Und meist ist die Story dann schon einen Schritt weiter. Aber ich fand sie so toll, dass ich das gerne verschmerze.

    • donpozuelo permalink*
      19. September 2013 09:21

      Ja, ich fand die Story auch super… allerdings entschlüsselte sich das für mich alles erst so richtig zum Ende. Wie gesagt, deswegen wäre ich ja nur zu gern für eine zweite Sichtung. Ich glaube, da könnte das Ganze sich noch mehr erschließen.

  2. 19. September 2013 08:59

    Asimov ist auch nicht schlecht 😉

    • donpozuelo permalink*
      19. September 2013 09:23

      Von Asimov habe ich, wenn ich ehrlich sein soll, noch nicht so viel gelesen. Aber steht auf meiner Liste 😉

  3. 19. September 2013 13:46

    Folman hat sich dazu entschieden eine sehr personenzentrierte Geschichte zu erzählen. Deshalb wissen wir als Zuschauer nie mehr als Robin Wright (im Film). Dadurch mutet die Handlung wirklich sehr unübersichtlich an, ist aber eigentlich auch gleichzeitig eine der größten Stärken von THE CONGRESS. Wir können Wahrheit und Traum nicht wirklich voneinander unterscheiden und das wird auch für Robin zunehmend schwerer. Das ist super gelungen.
    Meine einzigen Kritikpunkte sind wahrscheinlich die zu plumpen Anspielungen. Miramount hört sich nach einem vollkommen bescheuerten Namen an und die Steve Jobs-Anspielung hätte das Namenspiel im Film nicht nötig gehabt. Aber hey, das ist Erbsenzählerei.

    • donpozuelo permalink*
      19. September 2013 14:16

      😀 Zwischendurch dachte ich mir immer: „Mann, ich würde gerne mehr von ihrer Tochter erfahren.“ Zwischendurch klingt da ja immer mal was an, was Robins Tochter in dieser Welt so treibt. Das hätte ich fast spannender gefunden als die Sache mit ihrem Sohn. Aber egal… das ist wirklich Erbsenzählerei 😉

  4. 19. September 2013 18:50

    Meine (momentane) Meinung kennst du ja, es braucht definitiv eine zweite Sichtung

    • donpozuelo permalink*
      19. September 2013 19:29

      Ja, eine zweite Sichtung ist hier auf jeden Fall angebracht. Werde ich wohl auch noch einmal machen.

  5. 19. September 2013 22:18

    Ich habe mir die Trailer angeguckt und irgendwie hat mir der „Spaß“ auf den ersten Blick ja so gar nicht zusagen wollen. Vermutlich habe ich deshalb auch mal die Kritik gelesen, bevor ich einen Film sehe. 😉 Jedenfalls macht mir deine Kritik ein wenig Hoffnung. Irgendwann mal auf DVD – ist geritzt.

    • donpozuelo permalink*
      20. September 2013 09:02

      Auf DVD werde ich mir den wohl auch definitiv holen… da kann man dann zur Not gleich noch eine zweite Sitzung mit ranhängen, um auch wirklich alles zu erfassen 😉

Trackbacks

  1. 2013 | Going To The Movies
  2. Blogparade: My 100 greatest films of the 21st century… so far | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: