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Die etwas andere Familie

13. September 2013

Komödien haben immer ein besonderes Problem – und das heißt Trailer! Denn in so vielen Fällen verpulvert der Trailer alle guten Gags und für den Film bleibt am Ende nicht mehr all zu viel übrig. Da wünscht man sich dann, man hätte nur den Trailer gesehen, denn der war wenigstens witzig. Nur selten ist es in letzter Zeit einer Komödie gelungen, über den Trailer hinaus zu überzeugen. Ein weiterer Kandidat für das Ungleichgewicht zwischen Trailer und Film ist ohne Zweifel „Wir sind die Millers“.

Darin soll Dealer David (Jason Sudeikis) für seinen Boss Brad (Ed Helms) Marihuana von Mexiko in die USA schmuggeln. Um dabei an der Grenze nicht unnötig aufzufallen, hat David eine Idee. Er engagiert seine Nachbarin und Stripperin Rose (Jennifer Aniston), den dümmlichen Jungen Kenny (Will Poulter) von nebenan und die obdachlose Streunerin Casey (Emma Roberts), damit sie seine Familie spielen. Schließlich wirkt eine kleine Familie wesentlich unschuldiger als ein nervöser Typ. Gesagt, getan… und das Chaos nimmt seinen Lauf.

Die Inhaltsangabe lässt es schon ein wenig vermuten und auch der Trailer deutete schon darauf hin, was „Wir sind die Millers“ werden würde: Kein richtiges Road-Movie, sondern mehr eine Road-Movie-Sketch-Show. Denn statt einer runden Story, die sich um die Figuren und deren Taten kümmert, gibt es nur Stichwortgeber für den nächsten Sketch. Immer, wenn die Story droht, ins Stocken zu geraten, passiert etwas unerklärliches, was aber die ganze Handlung weiter vorantreibt. So bleiben die ganzen Schurken-Charaktere in „Wir sind die Millers“ langweilig und wirklich nur bedingt bedrohlich. Auch ist der Film von Minute Eins vorhersehbar bis zum Ende. Große Überraschungen oder gar eine herausragende Kino-Komödie dürft ihr also bloß nicht erwarten.

Und trotzdem ist „Wir sind die Millers“ jetzt auch nicht unbedingt die schlechteste Komödie, die ich in diesem Jahr zu Gesicht bekommen habe. Auch wenn es genügend Gags gibt, die einmal mehr unter die Gürtellinie gehen, sind auch ein paar echt gute Lacher dabei. Die Szene, mit der ich diesen Film ab jetzt immer in Verbindung bringen werde, ist Will Poulters Hommage an TLC. Wenn der Junge anfängt, zu „Waterfalls“ zu rappen, ist das schon wirklich saukomisch. Und wer sich jetzt gefragt hat, warum ich nicht die Jennifer-Aniston-Strip-Show gewählt habe, der hat den Film ganz offensichtlich noch nicht gesehen: Denn so knackig Frau Aniston auch noch aussehen mag, so wirklich beeindruckt hat ihr Strippen jetzt nicht. Da bleibe ich dann lieber bei TLC, Will Poulter und „Waterfalls“.

Doch ich will jetzt auch Jennifer Aniston oder sonst irgendwen in diesem Film schlecht reden. Denn auch wenn die Story ziemlich einfallslos ist und nur Gag an Gag reiht, so sind die Darsteller doch derart sympathisch, dass sie den ganzen Film gut tragen können. Jason Sudeikis und Jennifer Aniston bieten ein wunderbares Leinwand-Pärchen und liefern sich teils recht amüsante Wortgefechte. Will Poulter überzeugt als dümmlicher Kenny und darf sich für seine Kuss-Übungsszene mit Jennifer Aniston und Emma Roberts meines Neids sicher sein. Womit wir dann auch schon bei Emma Roberts wären, die einzige in diesem Vierergespann, die nicht zu hundert Prozent überzeugen kann. Ähnliches gilt übrigens für „Hangover“-Star Ed Helms, der in diesem Film komplett versauert.

Wo stehen wir nun also bei „Wir sind die Millers“? Der perfekte Film für einen entspannten und amüsanten DVD-Abend. Die Stars können zum Glück überzeugen und über die Schwächen des Films – vor allem, was die Story angeht – hinwegtäuschen. „Wir sind die Millers“ hat halt einfach nur das Problem, sein ganzes Pulver schon im Trailer verschossen zu haben…

Wertung: 7 von 10 Punkten (gesundes Mittelmaß mit ein paar guten Lachern, sympathischen Stars und einer etwas lieblos inszenierten Handlung…)

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2 Kommentare leave one →
  1. 13. September 2013 09:32

    Bin ein weiteres Mal gleicher Meinung. Fand den echt witzig, aber er hatte nicht so viel Biss wie er hätte haben können. Mein Highlight war natürlich das eine Outtake da im Abspann. Und sowieso: Welcher Film hat noch Outtakes im Abspann? Das war echt cool!

    • donpozuelo permalink*
      13. September 2013 09:42

      Ja, dieses besondere Outtake war wirklich ein Highlight… 😉 Schön gemacht. Ich finde übrigens auch das gerade Komödien ruhig mehr Outtakes in den Abspann packen könnten. Haben die denn gar nichts von Jackie Chan gelernt 😉

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