Skip to content

1 Nacht, 12 Pubs, 60 Liter Bier

11. September 2013

Trilogien müssen nicht immer zwangsläufig eng miteinander verbunden sein. Dem ein oder anderen Regisseur reicht da schon ein übergeordnetes Thema, um drei Filme zu einer Trilogie zu formen (schließlich klingt Trilogie einfach viel besser): So hat die Filmgeschichte zahlreiche Beispiele wie Sergio Leones Amerika-Trilogie, Lars von Triers Europa-Trilogie oder Park Chan-wooks Dreiergespann zum Thema Rache. Aber man kann das Ganze noch einfacher machen, indem man einfach drei Filme dreht, die wirklich nichts miteinander zu tun haben… außer dieser einen Sorte von Eis, die immer wieder gegessen wird. In Edgar Wrights Fall ist das Cornetto. Für blutige Zombies gab’s Erdbeer, für blaue Cop-Action Classic… und jetzt? Folgt mit „The World’s End“  jede Menge Bier vermischt einer ordentlichen Portion Science-Fiction (und wenn man genau hinschaut auch ein letztes Cornetto…)

Vor gut zwanzig Jahren versuchten Gary King (Simon Pegg) und seine Kumpels die berühmte „Goldene Meile“ in ihrer Heimstadt Newton Haven zu beenden: Ein Tour durch zwölf Pubs – angefangen beim „The First Post“ bis zum letzten Pub mit dem klangvollen Namen „The World’s End“. Doch damals hielten sie es nur bis zur Hälfte durch. Jetzt will es Gary noch einmal wissen: Gemeinsam mit seinen Jugendfreunden Andy (Nick Frost), Steven (Paddy Considine), Oliver (Martin Freeman) und Peter (Eddie Marsan) kehren sie nach Newton Haven zurück… doch der Weg zum „The World’s End“ wird dieses Mal nicht nur durch starke Trunkenheit erschwert, sondern durch die langsame Gewissheit, dass die Bewohner der Stadt von Aliens ausgetauscht wurden.

Wie schon seine Vorgänger „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ punktet „The World’s End“ natürlich vor allem durch seinen teilweise schon recht absurden Humor. Schon Shaun brauchte eine Weile, um zu erkennen, dass er von Zombies umgeben ist. Während blutdurchtränkte Kleider und offene Wunden damals ein recht offensichtliches Merkmal für die lebenden Toten waren, erweist sich hier das Erkennen außerirdischer Kopien als etwas schwieriger. Doch ein Herrentoiletten-Besuch und einen abgetrennten Kopf später wird auch Gary und seinen Freunden klar, das hier etwas nicht stimmt.

Regisseur Edgar Wright kostet seine Möglichkeiten hier dann auch voll aus. Schließlich sieht es weit weniger fies aus, wenn statt Körperteilen und Kunstblut menschenähnliche Roboter auseinander genommen werden, die erstaunlich „blau-blütig“ sind. Im Kampf dürfen die trinkfesten Freunde dann beweisen, was sie können. Leider ist das nicht viel, weswegen gerade die Kampfszenen das Zwerchfell ganz schön in Anspruch nehmen. In bester Buster-Keaton-Manier stolpern die Fünf durch die Kämpfe. „The World’s End“ überzeugt durch viel Slapstick und herrlich absurde Momente… bei denen natürlich auch nicht die berühmte Flucht über einen Zaun fehlen darf. Neben Eigenzitaten beansprucht „The World’s End“ aber auch alte Klassiker wie „Das Dorf der Verdammten“ oder „Die Frauen von Stepford“. Doch wie schon bei seinen Vorgängern beschränkten sich die Drehbuchautoren Edgar Wright und Simon Pegg nicht mit bloßen Kopien, sondern setzten ihre eigene Story um. Dabei geht es nicht nur um eine wilde Science-Fiction-Verballhornung, sondern auch um einen tiefsinnigeren Blick hinter die Psyche des in der Midlife-Crisis steckenden Mannes. Trotzdem bleibt die kleine quälende Frage, ob man der sich zum Ende hin etwas wiederholenden Story nicht ein klein wenig mehr Würze hätte verleihen können. Immerhin sind zwölf Pubs auch nur zwölf Pubs.

Wenn fünf Männer im besten Alter zusammentreffen, um in zwölf Pubs ordentlich einen zu saufen, klingt das nicht nur wie die Vorgeschichte zu „Hangover“. Alkohol macht Zungen locker und so werden gemeine Witze über die Mutter des anderen oder auch die Schwester gemacht. Alte Rivalitäten kochen auf und wollen aufgeklärt werden. „The World’s End“ bietet eine herrlich sympathische Gruppe von Männern, in der jedes Klischee liebevoll vertreten ist – vom erfolgreichen Geschäftsmann bis hin zum junggebliebenen Rocker. Und auch wenn alle Darsteller perfekt in die ihnen gegebenen Charaktere passen und so eine wirklich glaubhafte Gruppendynamik entsteht, steht ein Mann ganz klar im Mittelpunkt: Simon Pegg. Doch der Brite ist dieser Aufgabe gewachsen und präsentiert mit Gary King eine seiner besten Darstellungen.

Wer sich jetzt aber besonders viel von „Der Hobbit“-Darsteller Martin Freeman erhofft, den muss ich ein wenig enttäuschen. Wie die anderen hat er seine guten Momente, fungiert aber hauptsächlich als Stichwortgeber für Pegg und Frost.

Nichtsdestotrotz gelingt Edgar Wright ein würdiger und amüsanter Abschluss für seine Trilogie rund um Blut und leckeres Eis, bei dem sich das Dream-Team Pegg-Frost noch einmal so richtig schön austoben kann. Eine Alien-Invasion war wohl noch nie so schön skurril.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Das Eis ist vorerst gelutscht… aber ich bleibe nach wie vor bei Erdbeer)

Advertisements
13 Kommentare leave one →
  1. 11. September 2013 21:36

    War das für diesen Film nicht das köstliche Cornetto Mint? Ich meine schon. Gibt es hier ja leider nicht.

    • donpozuelo permalink*
      12. September 2013 08:51

      Ja, hier war’s das Cornetto Mint… hab ich aber, ehrlich gesagt, noch nie probiert. Ich bleib da bei Erdbeer! 😉

      • 12. September 2013 13:13

        Schmeckt wie gefrorenes After Eight :))

        • donpozuelo permalink*
          12. September 2013 14:23

          Okay, das klingt schon wieder ziemlich interessant. After Eight esse ich ja dann und wann mal ganz gern 😉

  2. 12. September 2013 20:19

    NUUUUUUUUUUUUUU und ich kann ihn mir hier nicht ansehen!

    • donpozuelo permalink*
      12. September 2013 22:31

      ??? Warum nicht???

      • 12. September 2013 22:47

        Die Schweizer Filmverleiher haben unisono entschieden den Film hierzulande in keinem Kino zu zeigen, da Mister Wright offenbar nicht genügend Leute in Kino lockt :/ naja wird dann ziemlich sicher mal kurz über die Grenze düsen und mir den Film in Konstanz oder Freiburg ansehen

        • donpozuelo permalink*
          13. September 2013 09:12

          Was ist das denn für ein Scheiß??? Als wenn Edgar Wright nicht schon oft genug bewiesen hätte, dass er Leute ins Kino locken kann. Dann hoffe ich ja mal für euch, dass die Schweizer Filmverleiher bei „Ant-Man“ nicht das Gleiche denken 😉

        • 25. September 2013 00:27

          Das letzte Mal lockte Wright schlappe 2000 Leute ins Kino. Schweizweit. Die Angst der Verleiher ist also schon ein bitz begründet 😉

          Meine Meinung zum Film kennste ja, jetzt hab ich deine Review auch gelesen und denke, wir können einig gehen. Mal abgesehen von den zwei Punkten mehr, die es bei mir hagelte.

          Das einzige was mir fehlte, war das Blut. 😉

        • donpozuelo permalink*
          25. September 2013 09:14

          Es gab doch genug Blut… äh, Tinte zu sehen 😉 Roboter bluten doch schließlich nicht.

  3. 20. September 2013 14:26

    Ich war ja ziemlich enttäuscht. Meine Erwartungen waren zugegebenermaßen auch mal wieder zu hoch, aber der Film schien lange nicht so viele Running Gags, Querverweise und Zitate besessen zu haben wie die Vorgänger. Die stattdessen ausgeprägte Charakterisierung der Figuren hat dafür viel Raum bekommen, der aber nur mit Andeutungen gefüllt wurde. Für mich leider mit Abstand der schwächste Beitrag der Trilogie. Ausführlicher gibt’s das dann ab Dienstag im CineCouch-Podcast 😉

    • donpozuelo permalink*
      22. September 2013 20:20

      Okay, ich sehe ihn auch als schwächsten Teil der Reihe, aber trotzdem ist es bei allem, was sonst so in diesem Jahr als Komödie im Kino lief, ein Highlight. Mir hat der Film unheimlich viel Spaß gemacht… und ich glaube, die ganzen Zitate sind im Sci-Fi-Bereich vielleicht auch nicht so leicht für uns nach zu vollziehen, da Wright sehr viel Inspiration bei britischen Sci-Fi-Filmen und Serien gefunden hat. Möglicherweise haben wir einige Sachen gar nicht erkannt 😉

      Aber so oder so… ich fand’s gut.

Trackbacks

  1. Der Mörder und seine Muse | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: