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Die etwas andere Tour durchs Weiße Haus

6. September 2013

Vorsicht: Roland Emmerichs „White House Down“ ist nicht nur ein Action-, sondern auch ein Lehrfilm. Nirgends sonst werdet ihr so viele interessante (und vielleicht auch uninteressante) Fakten über das Weiße Haus lernen. Ganz, ganz früher zum Beispiel nannte man es noch den Präsidentenpalast, 1814 wurde es von den Briten niedergebrannt (also lange bevor Emmerich es kaputt machen konnte) und eigentlich besteht das Weiße Haus aus drei Häusern. Dazu gibt’s 35 Badezimmer in dem Haus… schließlich müssen die zig Millionen Besucher pro Jahr auch irgendwo ihr Geschäft verrichten. Und die vielleicht interessanteste Info: Um das Weiße Haus noch cooler kaputt zu machen als in „Independence Day“, ließ Emmerich große Teile des Hauses in einem Studio nachbauen… nur um alles schön kaputt zu machen.

Und mittendrin in dieser Zerstörungsorgie steht Channing Tatum als John Cale. Eigentlich wollte er sich nur um einen Job als Personenschützer bemühen (denn: „Nichts ist ehrenhafter als den Präsidenten zu beschützen!“) und mit seiner total Politik begeisterten 11-jährigen (!!!) Tochter Emily (Joey King) eine Tour durchs Weiße Haus machen. Doch dann kommt es zu einem Angriff und Cale wird von seiner Tochter getrennt. Auf der Suche nach ihr rettet Cale nebenbei noch Präsident Sawyer (Jamie Foxx) vor den bösen Buben…

Roland Emmerich – unser Mann für die Zerstörung. Nach dem sein Film darüber, ob Shakespeare nun wirklich seine Werke selbst geschrieben hat oder nicht, an den Kassen floppte, entschied er sich jetzt wieder für das, was er gut kann. Und so bekommen wir wieder genau das, was wir erwarten, wenn Emmerich drauf steht: Viel Action! Viele Explosionen! Viele heroische Momente zu heroischer Musik! Und… große Überraschung: hintergründige politische Themen zum Nachdenken. „White House Down“ ist wahrscheinlich Emmerichs politischster Film, der sich mit aktuellen Themen wie der Waffenlobby und ihrer Unterstützung von Kriegen beschäftigt. Wie schwer es wirklich ist, Krieg zu führen und wie viel schwieriger es doch sein kann, Frieden zu bringen. Denn auch vom Krieg profitieren mehr Menschen als man glauben möchte. Action zum Nachdenken…

Aber bevor ihr jetzt verzweifelt: Es bleibt natürlich alles ein Emmerich-Film. D.h., es bleibt zu allererst gewaltiges Popcorn-Kino! Mit Botschaft, aber auch mit sehr viel Bumm, Bumm. Und die Action kann sich wirklich sehen lassen. Im Gegensatz zu seinen früheren Zerstörungsakten bleibt das Weiße Haus dieses Mal etwas länger intakt und bietet so eine wunderbare Kulisse für etwas, das man wohl auch wunderbar in ein Computer-Spiel verwandeln könnte. Aufgabe: Präsidenten beschützen, Tochter finden, Welt retten. Wie kommt man da hin? Man lässt Channing Tatum in bester „Die Hard“-Manier böse Buben killen.

Und „Die Hard“ ist irgendwie ein gutes Stichwort: Denn „White House Down“ fühlt sich an wie ein 80er-Jahre-Action-Film. Emmerich findet eine wunderbare Balance zwischen Charakter-Entwicklung, Action, Comedy und Drama. Wie es Emmerich eigentlich immer irgendwie geschafft. Dabei darf man auch bei „White House Down“ aber auch nicht zu genau auf die Figuren oder etwa die Story schauen. Denn die Story ist manchmal echt haarsträubend, manchmal etwas albern. Man nehme nur die Tatsache, dass Cale den Talent-Wettbewerb seiner Tochter verpasst, bei der sie als Tambour-Major den Stab wirbelt. Zum Glück für Cale wirbelt sie irgendwann mit einer amerikanischen Flagge. So haben wir alle noch einmal ihr Talent bewundern können. Gott sei Dank.

Aber Story war noch nie so wirklich Emmerichs Stärke, auch wenn er an genau den richtigen Stellen mit viel Musik genau die richtigen Emotionen hervorruft.

Auch die Charaktere bleiben etwas einseitig und oberflächlich, doch mit Channing Tatum ist der perfekte Mann gefunden, der trotzdem noch eine Sympathie-Figur aus John Cale machen. Jamie Foxx wird vom Sklaven zum Präsidenten erhoben, verblasst aber fast ein wenig. Aber als Buddy-Duo funktionieren die beiden trotzdem ziemlich gut.

Man könnte sicherlich viele Sachen finden, die an „White House Down“ etwas störend wirken, aber man kann auch einfach über die Story-Patzer und die etwas oberflächlichen Charaktere hinwegsehen. Denn: „White House Down“ ist vor allem eins: Ein unterhaltsamer und großartig inszenierter Action-Film. Perfektes Popcorn-Kino nach Emmerich-Art. Da muss man nicht will denken, sondern einfach nur Spaß haben.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Emmerich macht das, was er am besten kann und er macht es gut)

9 Kommentare leave one →
  1. 6. September 2013 07:41

    Der Hammer, wer hat da von wem abgeschrieben? 😀 Sogar den „Die Hard“-Vergleich haben wir gemein. Angst.

    • 6. September 2013 11:07

      Also der Die Hard-Vergleich wird ja ehrlich gesagt schon nach 2 Sekunden Trailer deutlich. 😛 Tanktop, Frisur, Solotour gegen Terroristen und Name „John Cale“? Und wie es scheint, haben wir den guten 5. Teil den wir nie hatten, bekommen.

      • 6. September 2013 11:29

        Du Klugscheißer. 😀

      • donpozuelo permalink*
        6. September 2013 13:07

        Wir haben auf jeden Fall den guten 5.Teil bekommen, denn wir nie hatten. Jetzt fehlt nur noch ein Cross-Over: John Cale kämpft zusammen mit John McClane gegen Terroristen auf dem Eiffelturm 😉

        Aber wie gesagt: „WHD“ macht echt Spaß.

    • donpozuelo permalink*
      6. September 2013 13:04

      Ich schreib doch nur von dir ab, wenn die Meinungen stimmen 😉 Bin dir halt eng verbunden 😀

  2. 8. September 2013 09:39

    Anders als bei den früheren Emmerich-Blockbustern kann man bei dem Film wahrscheinlich ganz gut auf die große Leinwand verzichten und WHITE HOUSE DOWN dann demnächst auch vom Sofa aus gucken. Wenn ich mal wieder Sehnsucht nach John McClane bekomme, aber die Discs zu weit entfernt liegen, hat der neue Emmerich bei mir eine Chance verdient 😉

    • donpozuelo permalink*
      8. September 2013 19:14

      Naja, ich würde schon sagen, dass sich „White House Down“ im Kino schon lohnen würde. Aber gut, auf nem großen Fernseher kommt der sicherlich auch noch gut zur Geltung 😉

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