Zum Inhalt springen

Märchen-Allerlei

4. September 2013

Was macht man, wenn man nach sechs Jahren endlich von einer Insel voller verrückter Sachen zurückkommt? Braucht man erst einmal eine Therapie, um Rauchmonster, Zeitreisen und andere Mysterien zu verarbeiten? Und wenn ja, welche Art von Therapie nimmt man? Für die meisten „Verlorenen“ scheint Therapie Arbeit zu bedeuten. Chief Master of Desaster Damon Lindelof probiert sich ja mittlerweile an Großproduktionen und versaute vielen den Spaß an „Prometheus“. J.J. Abrams macht sich an „Star Trek“ und „Star Wars“ zu schaffen, hatte aber immer noch Zeit für „Fringe“. Tja und die weniger bekannten Schreiber aus „LOST“? Die machten sich auch daran, schwer zu arbeiten.

Zwei von ihnen, nämlich Edward Kitsis und Adam Horowitz, wollten mal was ganz anderes ausprobieren. Obwohl so ganz anders ist es dann vielleicht doch nicht. „Once Upon A Time“ erzählt vom Reich der Märchen, in dem die böse Königin Regina (Lana Parilla) einen unheimlichen Fluch ausspricht: Alle bekannten Märchenfiguren befinden sich plötzlich in unserer Welt – in dem kleinen Ort „Storybrooke“. Nur kann sich niemand an das alte Leben erinnern – außer der bösen Königin. Was die allerdings nicht bedacht hat: Das Kind von Schneewittchen (Ginnifer Goodwin) und Prince Charming (Josh Dallas) wurde gerettet. Als 28-Jährige kommt Emma (Jennifer Morrison) nach Storybrooke. Hergebracht hat sie ihr Sohn Henry (Jared S. Gilmore), den Emma in jungen Jahren zur Adoption freigab und der so zum Adoptivsohn von Regina wurde. Henry ist dank eines Buches mit dem Titel „Once Upon A Time“ davon überzeugt, dass Emma die Lösung für den Fluch ist. Doch so ganz will die das nicht glauben.

Nach umgewandelten Märchenfiguren im Kino kommen sie nun auch im Fernsehen in leicht umgewandelter Form. Dabei will ich gleich von Anfang an ehrlich sein. Die erste Staffel von „Once Upon A Time“ fand ich eher schwach… naja, vielleicht ist „schwach“ das falsche Wort. Ich bleibe mal beim „LOST“-Vergleich: Genau wie in der allerersten Staffel von „LOST“ muss man sich in „Once Upon A Time“ erst einmal durch die ganzen Charakter-Folgen schauen. Und genau wie bei „LOST“ wird in jeder Folge eine Märchenfigur näher beleuchtet. Dabei erleben wir diese Märchenfigur auf zwei Arten: Einmal in der Märchenwelt vor dem Fluch und einmal in unserer Welt danach. So entstehen teils recht interessante Einzelfolgen, die sich auch oft sehr bemühen, den bekannten Figuren einen neuen Anstrich zu verpassen. Ich will nichts verraten, aber gerade bei Rotkäppchen oder Rumpelstilzchen wird es interessant. Dieser Wechsel zwischen Gegenwart und Rückblick schreit förmlich nach „LOST“ (auch wenn die sowas natürlich nicht erfunden haben), und genau wie auf der Insel streckt sich die Märchenserie dadurch extrem. Bei gut 20 Folgen mit einer 45-minütigen Laufzeit war bei mir zwischendurch echt die Puste raus. Dazu kommt, dass die Haupthandlung – das Beseitigen des Fluchs – nicht ganz so zügig vorangetrieben wird, wie es mir persönlich lieber gewesen wäre.

Was in einigen Folgen besonders extrem war, waren die Effekte. Mittlerweile wird doch für viele Serien ordentlich Geld ausgegeben. Nur scheint „Once Upon A Time“ dabei übergangen worden zu sein. Es gibt so viele Momente, wo man ganz, ganz böse sieht, dass das alles nur vorm Green Screen gedreht wurde. Da sehen die Hintergründe zu sehr nach billigen Computer-Bildern aus. Sowas ruiniert dann die Illusion der Märchenwelt.

Aber es muss ja irgendeinen Grund geben, warum ich trotzdem fleißig durchgehalten habe? Nun, es gibt sogar zwei: Grund Nummer 1 heißt „LOST“. Wenn ich bei dem „LOST“-Vergleich noch einmal bleiben darf: Da wurde es ab Staffel Zwei ja richtig super. Wenn erst einmal alle Figuren vorgestellt sind, dann kann man sich endlich mehr auf die Story konzentrieren. Und da es in der ersten Staffel ja zum Ende doch noch richtig spannend wird und das Ganze dann auch gleich in einem großartigen Finale/ Cliffhanger endet, bin ich schon sehr gespannt auf das, was die Märchengestalten wohl als nächstes erleben.

Grund Nummer 2 ist eine Frau. Nicht etwa Hauptdarstellerin Jennifer Morrison. Die kannte ich vorher nur aus „How I Met Your Mother“ und brauchte ein bisschen, um mich so richtig an sie als Heldin zu gewöhnen. Nein, wirklich grandios und absolut sehenswert ist eine andere… ja, natürlich meine ich die böse Königin. Schließlich ist das wohl auch die interessanteste Rolle – mal ist sie nett, mal ist sie fies, aber sie ist definitiv immer herrlich hintertrieben. Selbst wenn sie mal was Gutes tut, ist das am Ende doch für ihren eigenen Nutzen. Lana Parilla ist in dieser Rolle so überzeugend, dass sie einem schon echt Angst machen kann. Aber wenn diese Frau fies lächelt, dann weißt du, dass es Zeit ist, in Deckung zu gehen. Großartig… was John Noble für „Fringe“ war, ist Lana Parilla für „Once Upon A Time“ – ein guter Grund, um einfach weiter zu gucken.

Natürlich sind auch die anderen Darsteller toll. Jennifer Morrison überzeugt und Ginnifer Goodwin passt als Schneewittchen perfekt – mal zuckersüße Prinzessin, die gerettet werden will, mal knallharte Kriegerin. Alles in allem ist die komplette Schauspieler-Riege perfekt besetzt und liefert mit Robert Carlyle als hinterlistiges Rumpelstilzchen sogar auch ein etwas bekannteres Gesicht.

„Once Upon A Time“ konnte mich nur bedingt fesseln. Die Story an sich ist schon interessant, wird halt nur in dieser ersten Staffel extreeeeeeem gestreckt. Trotzdem: Ich hoffe ja auch eine gute zweite Staffel und verbleibe derweilen in Storybrooke.

Wertung: 5 von 10 Punkten (Märchenfiguren sind auch nur ganz normale Menschen)

12 Kommentare leave one →
  1. 4. September 2013 10:04

    Ich hatte große Hoffnungen für die Serie, doch letztendlich fand ich sie zu unfokussiert erzählt und auch einfach nicht gut genug. Bin deshalb bei ca. der Hälfte der Staffel ausgestiegen.

    • donpozuelo permalink*
      4. September 2013 10:50

      Ja, so wäre es mir auch fast ergangen, aber ich habe dann doch noch ein bisschen durchgehalten. Ich habe die Hoffnung da noch nicht so ganz aufgegeben, obwohl die erste Staffel schon ziemlich schwächelt… diese ganzen Charakter-Vorstellungen blockieren den Fortschritt der Handlung doch schon sehr. Was schade ist… denn die Schauspieler fand ich super und gerade in Anbetracht von Comics wie „Fable“ und Co. hätte so ein Format echt was schaffen können.

  2. 4. September 2013 11:36

    Stimme dir ganz zu, wobei mir Carlyle etwa gleich gut gefiel wie Parilla. Den Rest der Darsteller fand ich dafür mies.

    • donpozuelo permalink*
      4. September 2013 12:30

      Carlyle war mir einfach etwas zu albern. Parilla dagegen ist für mich ab jetzt die perfekte Besetzung für die böse Königin. Großartig, wie sie zwischen lieb und böse hin- und herspringt. Die anderen Hauptfiguren (Charming, Snow White) fand ich in Ordnung… auch wenn sie nicht so viel Platz hatten, um sich wirklich zu entfalten. Aber wie gesagt, ich gebe meine Hoffnung für Staffel 2 noch nicht auf 😉

  3. 4. September 2013 13:02

    Ach je, noch ein Opfer der Bösen Königin 😆
    Ich mag die Serie, auch wenn die Effekte manchmal echt mies sind und war ziemlich entsetzt, als es hieß es kommt eine zweite Staffel. Für mich hätte sie Serie auch gut so zu Ende sein dürfen, muss aber sagen, dass mir die zweite Staffel ebenso gut gefällt. Die Böse Königin gerät natürlich etwas ins Schleudern und bekommt sogar noch Konkurrenz, aber guck selber 🙂

    • donpozuelo permalink*
      4. September 2013 14:11

      😀 Ja, noch ein Opfer der Bösen Königin!

      Auf Staffel 2 bin ich schon gespannt… und dass die gute Königin ein wenig ins Schleudern gerät, war ja nach dem Finale von Staffel 1 ein wenig zu erwarten.

  4. Sebastian permalink
    4. September 2013 15:31

    Besser als das fand ich’s dann doch, hatte aber nach ein paar Folgen der zweiten Staffel doch keine große Lust mehr … Wenn man sich erst mal an HBO-Standards gewöhnt hat, strengen diese bemüht auf 20+ Folgen gestreckten Staffeln schon irgendwie an, zumal wenn sie, wie hier, ihre Längen haben. Viele schöne Ideen, teilweise wirklich mit Liebe zum Detail umgesetzt, aber erzählerisch dann doch mit viel Leerlauf. Robert Carlyle hat viel Auftrieb geliefert, aber irgendwann fehlte echt die Puste, sowohl der Serie als auch mir.

    • donpozuelo permalink*
      4. September 2013 15:44

      Das mit den 20+ Folgen ist ein guter Hinweis. Da hast du vollkommen Recht. Nach 10-12 Folgen hätte hier eigentlich auch schon Schluss sein können. Da haben sie sich gerade in der ersten Staffel viel zu sehr damit verfahren, jede noch so kleine Figur genau vorzustellen.
      Viele schöne Ideen sind wirklich dabei… nur das Tempo hätte man echt anziehen müssen.

Trackbacks

  1. Pimp my Märchen! | Going To The Movies
  2. Die zehn bösesten Bösewichte aus Film und Fernsehen | Going To The Movies
  3. Bunny-Cop | Going To The Movies
  4. Filmreise Etappe #55: Der Mann in Schwarz | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: