Skip to content

Irgendwie alles falsch

2. September 2013

Ein Feuerwehrmann kackt seelenruhig auf die Straße, während seine Kollegen gelangweilt am Wagen stehen und in die Gegend starren. Keiner von ihnen scheint das brennende Auto direkt neben ihnen zu bemerken. Klingt doch irgendwie falsch und vollkommen absurd, oder? Ziemlich genauso falsch wie die Arbeitnehmer in einem Büro, in dem es konstant von der Decke regnet, ohne das jemand es auch nur zu Kenntnis zu nehmen scheint. Es ist fast so, als wäre man in einem Parallel-Universum, in dem das Falsch regiert, in dem das vollkommen undenkbare plötzlich doch denkbar wird. Es klingt, als wäre es in diesem Universum sogar möglich, dass ein Autoreifen zum Leben erwachen und auf tödliche Jagd gehen könnte. Nun, wenn das alles stimmt, dann hat wohl auch wieder Quentin Dupieux seine Finger im Spiel.

Nach seinem herrlich skurrilen Reifen-Thriller „Rubber“ versucht sich Dupieux in einer ähnlich skurrilen Welt. Dieses Mal allerdings mit einem echten Menschen als Hauptdarsteller. In „Wrong“ wacht Dolph Springer (Jack Plotnick) jeden Morgen pünktlich um 07:60 auf und macht sich und seinem Hund Paul Frühstück. Doch an diesem Morgen ist Paul nicht da. Verzweiflung kommt in Dolph auf und er macht sich auf die Suche nach seinem Hund. Dabei bekommt er unerwartete Hilfe von dem mysteriösen Master Chang (William Fichtner).

Wer „Rubber“ kennt, der weiß, was ihn beim Namen Quentin Dupieux erwartet. Aber während er mit „Rubber“ einen wirklich sehr absurden, surrealen Film gedreht hat, wirkt „Wrong“ schon sehr viel zugänglicher. Vielleicht liegt es einfach daran, dass man hier mit Jack Plotnick einen wunderbaren Hauptdarsteller hat, mit dem man so richtig mit leiden kann. Plotnick wirkt wie eine Mischung aus David Arquette und Earl aus „My Name is Earl“… ein liebenswerter, wenn auch leicht verplanter Mensch, der trotz Kündigung seit drei Monaten weiterhin an seinen alten Arbeitsplatz geht. Plotnicks Dolph ist das Zentrum dieses Films, dieses falschen Universums, um den sich alles dreht.

Nur leider dreht sich das Universum scheinbar in eine falsche Richtung. Einer Richtung, der sich Dupieux komplett unterwirft. In gut durchdachten Bildern und grandios geschriebenen Szenen baut Dupieux diese Welt auf. Da wird ein Flirt am Telefon innerhalb von wenigen Stunden zu einer handfesten Beziehung, da werden aus Palmen Tannen und ein Hundedetektiv kann durch spezielle Techniken die letzten Erinnerungen aus Pauls Kot entschlüsseln. Dupieux‘ falsche Welt ist herrlich surreal… aber dank Dolph gibt es immer wieder einen Ruhepol, zu dem der Film und wir als Zuschauer zurückkehren können. So entwickelt der Film eine extrem ruhige Gangart, die aber nie droht, zu langweilen.

Dafür gibt es neben dem guten Dolph ja auch noch zahlreiche andere Figuren. Besonders zu erwähnen ist natürlich wieder einmal William Fichtner, der wirklich jeden Film (ja, selbst „Lone Ranger“ oder „Drive Angry“ bereichert). Sein Master Chang ist so over-the-top und skurril… herrlich! Aber auch Èric Judor als Dolphs Gärtner stellt ein besonderes Highlight des Films dar. Es ist eigentlich schwer zu sagen, wer hier nicht überzeugt hat, denn alle Darsteller sind durchgehend großartig und erfüllen diese falschen Menschen mit viel echtem Leben.

„Wrong“ ist ein manchmal witziger, manchmal echt trauriger Film über einen Mann, der das Einzige sucht, was seinem Leben wirklich einen Sinn gibt. Und vielleicht ist auch das ein Teil dieser falschen Welt, in der sich manche Menschen mehr um ihre Tiere als um ihre Mitmenschen kümmern. Auf jeden Fall ist „Wrong“ aber ein wunderbarer Film, auf den man sich aber einlassen muss. Wenn man sich zu sehr den verrückten Ideen von Dupieux verschließt, dann wird einem dieser Film schon nach zehn Minuten tierisch auf den Sack gehen. Bleibt man aber aufgeschlossen, dann erwartet euch ein wunderbar schräger Film voller witzig absurder Ideen und bevölkert von den merkwürdigsten, aber gleichzeitig liebenswertesten Menschen, die man in so einem falschen Universum erwarten kann.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Dupieux „Wrong“ kann ich euch wirklich nur wärmstens empfehlen – ob ihr nun Hundeliebhaber seid oder nicht)

Advertisements
5 Kommentare leave one →
  1. 2. September 2013 17:28

    Mir hat er auch extrem gut gefallen. Irgendwie hatte ich auch keinen Zweifel daran, warum auch immer, Dupieux ist ganz meine Wellenlänge 🙂

    • donpozuelo permalink*
      2. September 2013 21:25

      Ja, geht mir auch so. Ich mag Dupieux auch sehr gerne. Und „Wrong“ war die perfekte Mischung aus charmant und herrlich skurril.

Trackbacks

  1. Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (02-09-13)
  2. 2013 | Going To The Movies
  3. Die Suche nach dem perfekten Stöhnen | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: