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Süße lila Rache

28. August 2013

Weibliche Westernhelden haben es nie ganz so einfach wie ihre männlichen Kollegen. Was aber vielleicht auch zum größten Teil daran liegen könnte, dass es nicht all zu viele „Cow Girls“ gibt, die ihren eigenen Film bekommen. Meistens ist der Lone Gunman, der Clint Eastwood so berühmt gemacht hat, eindeutig die spannendere Wahl. Schweigsam und kaltblütig durchstreift er den Wilden Westen – tötet ohne Fragen zu stellen und ohne zurück zu blicken. Für Frauen ist da kein Platz und eine Frau in dieser Welt wäre doch sicherlich viel zu weich… oder vielleicht doch nicht???

Regisseur Logan Miller hat sich gemeinsam mit seinem Bruder Noah dran gemacht, dem weiblichen Westernhelden eine Chance zu geben. In „Sweetwater“ (hin und wieder findet man den auch unter „Sweet Vengeance“) lebt die junge Sarah (January „Emma Frost“ Jones) gemeinsam mit ihrem Mann Miguel (Eduardo Noriega) auf einer kleinen Farm. Nur mühsam kommen sie über die Runden. Als sich Miguel eines Tages bei dem selbst ernannten Propheten Josiah (Jason Isaacs) darüber beschwert, dass dessen Schafe die halbe Ernte des Paares wegfressen, begeht Miguel einen folgeschweren Fehler. Josiah bringt ihn um und versucht anschließend Sarah für sich zu gewinnen. Doch Vergewaltigung spricht selten für viel Liebe und wenig später rächt sich Sarah im lila Rache-Kleid bitter an dem Propheten und dessen Jüngern. Gleichzeitig wird so auf der etwas eigenwillige Sheriff Jackson (Ed Harris) auf das Ganze aufmerksam…

Ich muss mich an dieser Stelle schon jetzt dafür entschuldigen, dass diese Inhaltsangabe ein etwas falsches Bild von dem Film an sich abgibt. Ähnlich wie schon der Trailer zum Film deutet hier so viel auf einen reinen Rachefilm hin. Dabei lässt sich Miller sehr viel Zeit, bevor Sarah wirklich Rache nehmen darf. Erst einmal führt uns Miller in dieses illustre Dreiecksgespann ein. Und das könnte besser besetzt nicht sein. Allerdings muss man vielleicht bemängeln, dass die männlichen Darsteller wesentlich präsenter sind als die zauberhafte January Jones. Auch wenn alles auf ihre Rache hinarbeitet, muss sie doch vorerst ein Spielball in der Welt der Männer sein. Aber selbst da ist sie ein Spielball, der auch mal zurückprallt – wenn sie zum Beispiel von einem unanständigen Ladenbesitzer beim Umziehen beobachtet wird.

January Jones muss vorerst aber zwei anderen Männern Platz machen, die sich aber ein großartiges und sehenswertes Gefecht liefern. Highlight von „Sweetwater“ ist eindeutig Ed Harris. Sein Sheriff Jackson redet mit seinem Pferd, ist ein äußerst unhöflicher Tisch-Gast (worunter unter anderem auch ein armer Mahagoni-Tisch leiden muss) und ein recht skurriler Gesell, der mal ganz gerne ein Tänzchen aufführt. Doch hinter diesem schon irrsinnig wirkenden Typ steckt ein gewitzter Ermittler, der brav nach CSI-Manier sogar Kugeln untersuchen lässt.

Ihm gegenüber scheint der Teufel höchstpersönlich… Jason Isaacs lieferte eine wirklich furchteinflößende Darstellung des religiösen Fanatikers Josiah. Er ist ein eiskalter Mensch, der streng nach den Gott gegebenen Regeln lebt… die er wiederum selbst so auslegt, wie es ihm und seinem persönlichen Gewinn am besten passt. Mit Josiah und Sheriff Jackson prallen zwei unterschiedliche, aber perfekt ausgearbeitete Charaktere aufeinander – fast so als würde rationaler Wahnsinn auf wahnsinnigen Rationalismus treffen… nur irgendwie vollkommen überdreht. Auf jeden ist bei den beiden schon von Anfang an klar: Wenn die sich treffen, dann knallt’s.

Und es knallt auch ordentlich. Und es darf sogar gelacht werden, schließlich bietet sich ein merkwürdiger Sheriff gerade dazu an, noch absurdere Aktionen durchzuführen. Ed Harris geht in der Rolle richtig auf und es ist ein wahres Vergnügen, ihm dabei zu zuschauen. Aber wie gesagt, irgendwann beginnen die Morde und die wütende Sarah ballert sich durch Josiahs Männer. Hier schwächelt „Sweetwater“ in der Hinsicht, dass der Rache-Teil nicht ansatzweise so gut ist wie der ganze Anfang. Die gute Vorarbeit verliert sich in einer relativ schnellen Abfolge von Morden und endet dann in einem recht unspektakulärem Finale. Dafür, dass Miller sich so viel Mühe gibt und so tolle Charaktere aufbaut, ist das ein bisschen schade.

Aber deswegen sollte man keineswegs einen Bogen um „Sweetwater“. Im Gegenteil: Der Film macht – trotz des etwas schwachen Endes – richtig Spaß – nicht zuletzt wegen einem wunderbaren Ed Harris.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Western sind wieder schwer im Kommen und der hier macht auch noch richtig Spaß… fast alles richtig gemacht)

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2 Kommentare leave one →
  1. 29. August 2013 17:24

    Oh, ein Western. Gleich notiert, danke für den Tipp.

    • donpozuelo permalink*
      29. August 2013 22:08

      Ja, ein Western. Kommt ja auch nicht mehr so oft vor. Aber „Sweetwater“ ist echt nicht schlecht.

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