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Extremes Philosophieren

23. August 2013

Philosophie-Unterricht in der Schule fand ich immer recht langweilig… was aber vielleicht eher am Lehrer als am Stoff lag. Gerade die teils doch recht interessanten Gedankengänge mit denen Philosophen versucht haben, zu erklären, ob es Gott nun gibt oder nicht, fand ich schon recht spannend. Aber ansonsten war Philosophie eins dieser Fächer, die man einfach irgendwie abgesessen hat… immer in der Hoffnung, es hätte bald ein Ende. Das einzig wirklich Coole, was wir je im Unterricht gemacht haben, war „Matrix“ zu gucken – als ein Beispiel für das Höhlengleichnis von Platon. Mehr aber auch nicht. Da hätte ich mir dann hin und wieder doch einen Lehrer gewünscht, der etwas mehr aus dem Philosophieren macht. So wie etwa Mr. Zimit in „The Philosophers“.

Mr. Zimit (James D’Arcy) ist Philosophie-Lehrer an einer internationalen Schule in Jakarta. Vor ihrem Abschluss und dem Weg zur Uni möchte er ein letztes Gedankenexperiment mit seinen Schülern machen. Die sollen sich vorstellen, dass die Menschheit durch mehrere Atombomben ausgelöscht wird. Es gibt einen Bunker, in dem zehn Menschen ein Jahr lang problemlos überleben können. Allerdings gibt es 21 Menschen (Klasse plus Lehrer), die vor dem Bunker stehen. Per Los wird jedem Schüler ein Beruf zugeteilt… vom Doktor zum Ingenieur bis hin zur Opernsängerin. Jetzt soll die Gruppe entscheiden, wer in den Bunker darf. Wer ist unersetzbar? Mit wem sollte man nach einem Jahr am besten den Wiederanfang starten?

Regisseur John Huddles hat sich mit „The Philosophers“ eigentlich eine ganz spannende Idee genommen, bei der man selber fröhlich miträtseln kann, wen man dann selbst mit in den Bunker nehmen würde. Ich weiß jetzt zwar nicht, ob ich dem Dichter jedes Mal einen Kopfschuss verpasst hätte, aber es funktionierte als kleiner Running Gag und ich hätte ihn wahrscheinlich auch nicht mit in den Bunker gelassen. Der Film selbst bietet uns verschiedene Szenarien der gleichen Situation. Kleine Veränderungen im Experiment sorgen für neue Anordnungen und für ein kleines bisschen Aufregung.

Das Gute an „The Philosophers“ ist die Tatsache, dass wir als Zuschauer live beim Gedankenexperiment dabei sind. Man muss jetzt also keine zwei Stunden Leuten beim Quatschen zu sehen. Viel geredet wird zwar trotzdem, aber dank wirklich durchweg guter Jungdarsteller und einem herrlich ominösen James D’Arcy wird einem bei „The Philosophers“ nicht langweilig. Wenn es passt, liefert der Film recht komische Szenen, verpasst es aber auch nicht, den Zuschauer mit ein paar krassen Entscheidungen zu schocken.

Trotzdem bin ich mit gemischten Gefühlen aus dem Kino gegangen… denn was „The Philosophers“ fehlt, ist eine richtige Story. Nachdem ich den ersten Trailer gesehen hatte, hatte ich gedacht, der Film würde Realität und Gedankenexperiment irgendwann vermischen. Vielleicht nehmen die Schüler das Ganze zu ernst und fangen an sich selbst in dem Experiment zu verlieren. Aber nix da… in der Hinsicht bleibt der Film brav bei seiner Story und liefert uns nichts aufregendes auf das man sich freuen könnte.

Immerhin kann man beruhigt sein, dass die verschiedenen Verläufe des Experiments immer einen anderen Ausgang haben und gerade zum Schluss wird’s sehr witzig. Da begehren die Schüler unter der Führung von Streberin Petra (Sophie Lowe) auf und drehen das Spiel um. Allerdings beginnt damit auch ein Ende, das einfach nur furchtbar ist. Was sich Huddle, der auch das Drehbuch verfasst hat, dabei wohl gedacht hat? Ich weiß es nicht, aber mit dem Ende versaut einem den ganzen Film.

Ansonsten ist „The Philosophers“ schon mal was anderes. Allerdings hätte ich mir schon gewünscht, es wäre irgendwie mehr Schwung drin gewesen. Die Idee an sich mit dem Experiment ist schon super… aber weil es eben immer ein Gedankenexperiment bleibt, muss man sich um keine der Figuren wirklich Sorgen machen. Denn am Ende sitzen eh alle wieder brav im Klassenzimmer. Ich kann nicht einmal sagen, wie ich es anders gemacht hätte, aber der Film bietet irgendwann nicht mehr so viel.

Immerhin schließt der Film, wie es sich für einen Ausflug ins Fach der Philosophie gehört, mit einer wunderbaren Moral. Ab da hätte man eigentlich aufhören können… aber es musste ja noch dieses doofe Ende hinzugefügt werden.

Wertung: 6 von 10 Punkten (spannende Idee mit tollen Darstellern… allerdings wird’s irgendwann etwas ziellos und das Ende versetzt dem ganzen Film den Todesstoß)

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9 Kommentare leave one →
  1. 23. August 2013 08:16

    Also für mich klingt der Film spannend. Ich brauche keine physische Action, es muss auch niemand in Gefahr sein. Ich werde mir den Film mal amsehen

    • donpozuelo permalink*
      23. August 2013 08:37

      Er ist auch eigentlich nicht so schlecht. Nur irgendwann wiederholt es sich halt und das eigentliche Ende versaut irgendwie den ganzen Film.

  2. 23. August 2013 08:54

    Meine Karten fürs Fantasy Filmfest sind zwar schon gekauft – aber kommen bei dir noch weitere Reviews von den Filmen?

    • donpozuelo permalink*
      23. August 2013 11:08

      Auf jeden Fall! Ein paar Filme werde ich mir schon noch anschauen.

  3. 23. August 2013 10:46

    Also ich fand alles sehr schlüssig und die Story war da und klar.
    Wiederholt hat sich doch nichts. Wir hatten zwei Szenarien, die durch den Dozenten gelenkt wurden, aber aufs gleiche hinausliefen. Die dritte Variante hatte die Karten ganz neu gemischt. Drei sehr unterschiedliche Szenarien. Den Schluss hätte man sicher noch etwas eindampfen können oder sogar weglassen, denn dass war dann für die ganz doofen, aber egal so abwertend fand ich das jetzt nicht.
    Aber gut, Du hattest einfach mehr erwartet 🙂

    • donpozuelo permalink*
      23. August 2013 11:10

      Das Ende fand ich furchtbar, da führt für mich kein Weg dran vorbei. Das war Scheiße.

      Wiederholt hat sich tatsächlich nichts, weil die Szenarien unterschiedlich waren. Ich habe halt nur immer irgendwie gehofft, dass die Experimente an sich auch Auswirkungen auf das Klassenzimmer selbst haben. Ich glaube, ich habe einfach etwas sehr viel krasseres von dem Film erwartet und komme deswegen nicht so ganz damit klar. Aber auch so fand ich das Ganze halt einfach ein wenig ohne bestimmtes Ziel. Die Gedankenexperimente waren toll, aber irgendwie mehr auch nicht…

  4. 23. August 2013 12:06

    Ist auch einer der drei Filme, die ich mir beim FFF ansehen werde *freu*

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