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Robo-Matt

19. August 2013

Es sieht ja fast ein wenig danach aus, als würde sich 2013 zu dem Jahr entwickeln, in dem die meisten groß angekündigten Blockbuster floppen. Wir sind ja mittlerweile so gut wie am Ende der großen Sommer-Blockbuster-Welle und bisher haben es nur wenige geschafft, sowohl Publikum als auch Kritiker zu überzeugen. „Man of Steel“ fand nicht so recht den Anklang, „Pacific Rim“ tat sich auch schwer und „Lone Ranger“ scheint auch irgendwie aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Wenn man so darüber nachdenkt, bleiben nicht mehr viele übrig, die sich in diesem Jahr behaupten konnten… Wenigstens J.J. Abrams konnte mit „Star Trek Into Darkness“ punkten, weswegen er dann wohl zum König der 2013-Blockbuster ernannt wird.

Aber gut, man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben (oder in diesem Fall verfluchen). Ein paar Filme kommen ja noch, die vielleicht den Glauben an überfinanzierte Blockbuster zurückbringen könnten. Den Anfang zum Ende des Sommers macht Neill Blomkamp. Nachdem ja alle so furchtbar begeistert waren von seinem „Distric 9“ – etwas, das ich nie so ganz nachvollziehen konnte – bekam Blomkamp wesentlich mehr Geld, um seinen nächsten Film zu produzieren, der auch wieder versucht, etwas sozialkritisch zu sein. Leider bleibt es auch hier nur bei einem Besuch und Blomkamp reiht sich somit in die Reihe langweilige Blockbuster dieses Jahres ein.

Im Jahr 2154 ist die Erde eine einzige Müllhalde. Die Menschen leben in riesigen Slums ohne Perspektiven. Alle, die es sich leisten können, machen einen Abstecher ins All, denn da – weit genug entfernt vom Dreck der eigentlich schon toten Erde – schwebt die Raumstation Elysium. Hier ist jeder quasi unsterblich, weil alles geheilt werden kann. Es gibt Luxus im Überfluss. Und das Beste daran: Die niederen Erdenbewohner dürfen nicht rein… egal, wie oft sie es mit illegalen Transporten versuchen, die Verteidigungsministerin von Elysium Jessica Delacourt (Jodie Foster) sorgt dafür, dass es keine Illegalen auf die Station gelangen. Doch schon bald bekommt sie ein Problem im Form von Max (Matt Damon): Nach einem Arbeitsunfall, bei dem er so extrem verstrahlt wird, dass er auf der Erde nur noch fünf Tage zu leben hat, schließt er sich mit dem Kriminellen Spider (Wagner Moura) zusammen, um nach Elysium zu gelangen. Um das zu verhindern, aktiviert Delacourt den verrückten Schläfer-Agenten Kruger (Sharlto Copley).

Ich habe mich echt gefreut auf „Elysium“ und irgendwie gehofft, dass Blomkamp nicht die gleichen Fehler begeht wie bei „District 9“. Leider wurde ich schwer enttäuscht, denn es tauchte alles wieder auf. Wie schon bei seinem Vorgänger dient der „sozialkritische Aspekt“ und das einzig wirklich Interessante an dem Film ziemlich schnell in den Hintergrund. Wie schon zuvor folgt ziemlich schnell eine reine Materialschlacht, in der sich zwei Typen gegenseitig die Fresse polieren. Das ist dann der ganze Film. Mehr nicht. Wer also weiterhin nach einer spannenden Story sucht, die sich damit beschäftigt, dass die Reichen die Erde verlassen und die Armen versuchen, ihnen zu folgen, der sollte bei „Battle Angel Alita“ bleiben. Der Manga ist sehr zu empfehlen… und wer weiß, wenn James Cameron damit fertig ist, seine „Avatar“-Reihe ins Kino zu bringen, dann macht er vielleicht „Alita“. Zumindest hat er das immer gewollt.

„Elysium“ funktioniert an keiner Stelle richtig gut, was vielleicht auch daran liegt, dass die Story weitesgehend vorhersehbar und ohne wirkliche Überraschungen bleibt. Alles ist stur vorgezeichnet und folgt den üblichen Klischees. Dazu kommt, dass die Charaktere des Films ebenfalls recht eindimensional und damit recht langweilig sind. Matt Damons Max handelt frei nach dem Motto: „Jeder ist sich selbst der Nächste“. Er denkt nur an sich, an sein Überleben. Dass er irgendwann seine Freundin Frey (Alicia Braga) und deren kranke Tochter beschützen muss, ist keine Entscheidung, die er selber fällt. Sie wird ihm mehr oder weniger aufgezwungen. Max funktionierte für mich einfach nicht als Held, weil er nie so richtig leidet. Er ist so der Typ: „Okay, ich sterbe eh, also was habe ich zu verlieren?“ Man fiebert nicht wirklich mit ihm mit. Damon gibt sich zwar alle Mühe, aber im Endeffekt muss er hier ja eh nur wild durch die Gegend ballern.

Auch Jodie Foster, die zuletzt ja in „Gott des Gemetzels“ so wunderbar zeigen konnte, was sie kann, kommt nicht wirklich zum Einsatz. Ein paar Sätze, ein bisschen grimmig gucken und das war’s. Immerhin kann „District 9“-Veteran Sharlto Copley ein wenig als verrückter Typ mit Schwert begeistern, aber auch das nur für ein paar Szenen. Irgendwann wird sein südafrikanischer Akzent echt anstrengend und durch die blöden Floskeln, die er von sich gibt, auch irgendwann sehr nervig.

Das Einzige, was halbwegs hinhaut, ist die Optik. „Elysium“ ist ein Ort wie aus einem Bilderbuch mit schönen Häusern und schönen Pools und schönen Menschen, die aber alle wie Roboter wirken. Sie dienen dem Film im Endeffekt auch nur als Kanonenfutter. Auf der Erde wird’s dann dreckig und vor allem wackelig. Blomkamp scheint von Steady-Cams nicht allzu viel zu halten, weswegen wir wirre und unübersichtliche Kämpfe bekommen.

„Elysium“ verkommt zu einem Wirrwarr aus verschiedenen zusammengeklauten Ideen – besonders „Blood Diamond“ und „Gladiator“ scheinen es Neill Blomkamp angetan zu haben, weswegen wir davon eine Menge wiederentdecken. Der Rest verläuft nach dem gleichen Schema wie schon „District 9“: Wir nehmen eine coole Idee, ignorieren die dann nach 30 Minuten und spielen danach einfach Krieg. „Elysium“ fühlt sich an, wie nicht ordentlich durchdacht. Der Stoff bietet so viele gute Möglichkeiten und Blomkamp macht daraus nichts… und „Elysium“ reiht sich in die Reihe der Enttäuschungen ein.

Wertung: 4 von 10 Punkten (ein paar nette Ideen machen noch keinen guten Film)

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14 Kommentare leave one →
  1. 19. August 2013 07:24

    Ich fand ihn eigentlich ganz unterhaltend aber ich sehe wo die Probleme liegen könnten
    Pacific Rim tat sich schwer? Wo denn?

    • donpozuelo permalink*
      19. August 2013 09:15

      „Pacific Rim“ hat nich ansatzweise das eingespielt, was man sich erhofft hatte. Mittlerweile verpsrechen die sich ja viel von den Zahlen aus China, wo der Film ja doch sehr viel besser angenommen wurde als sonst wo.

      • 21. August 2013 19:53

        Ja gut aber übers Ganze gesehen war er ja dann doch ziemlich erfolgreich.

        • donpozuelo permalink*
          21. August 2013 22:13

          Schon, aber es sah lange Zeit nicht danach aus, weswegen der auch schon fast als finanzieller Flop verbucht wurde. Ein Hoch auf die Chinesen 😉

  2. 19. August 2013 09:15

    Oha, Du gehst ja mit Abstand am härtesten mit dem Streifen um und jetzt mag ich dafür überhaupt nicht mehr ins Kino gehen, auch wenn seine Stärken genau für die große Leinwand sind. *stöhn*

    • donpozuelo permalink*
      19. August 2013 09:42

      Es ist schon ein Film, der auf die große Leinwand gehört… aber es bleibt halt die Frage, ob man ihn da auch wirklich gucken gehen sollte. Ich war echt schwer enttäuscht. Es sieht zwar hier und da nett aus, aber die Handkamera stört extrem und die Story ist auch nur zusammengeklauter Kram. Und wie gesagt: Matt Damons Max war irgendwie so lala….

  3. 19. August 2013 13:04

    Die Story fand ich auch sehr dünn und die Sozialkritik war (für mich im Gegensatz zu District 9) kaum vorhanden. Aber die Schauwerte und auch die Inszenierung der Kämpfe haben es irgendwie rausgerissen, obwohl ich Wackelkamera und Co. eigentlich hasse. Insofern war Elysium trotz aller Mängel ein versöhnlicher Abschluss für die diesjährigen Sommer-Blockbuster.

    • donpozuelo permalink*
      19. August 2013 22:36

      Willkommen!!! 😉

      Die Story war mehr als nur dünn und ehrlich gesagt fand ich die Kämpfe auch etwas öde. Ich hatte gehofft, die Schwert-Nummer gut zu finden, aber dem war leider nicht so. Irgendwie kamen mir diese Body-Suits viel zu kurz. Die Schauwerte waren schon nicht schlecht, aber für das Budget waren die jetzt auch nicht unbedingt besonders.

      Ich find’s ja gut, dass du aus dem Film noch was rausholen konntest, aber mich hat der schon schwer enttäuscht.

  4. 19. August 2013 21:25

    Fand ihn dann doch noch etwas unterhaltsamer als du – obwohl ich mit meiner Punktewertung kurz davor war, noch weiter runterzugehen. Habe mich dann aber doch von meinem Gefühl leiten lassen, dass noch nach dem Kinobesuch herrschte – enttäuscht zwar, aber eben doch die meiste Zeit gut unterhalten. Aber ganz ehrlich – der Film hätte deutlich, DEUTLICH besser werden können. Blomkamp verschenkt da wirklich Unmengen an Potential – schadeschade.

    • donpozuelo permalink*
      19. August 2013 22:37

      Blomkamp verschenkt einfach zu viel. Die Idee an sich ist echt nicht schlecht… wie gesagt: Da hoffe ich irgendwie doch noch auf Cameron und seiner Version von „Battle Angel Alita“.

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