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Der Tag des Witzigen Gerichts

9. August 2013

Stell dir vor, es ist Weltuntergang und keiner geht hin. Ich kann mir vorstellen, dass es – sollte dieser Tag jemals für uns eintreffen – wohl wirklich so ablaufen könnte. Klar, es wird einige geben, die ganz nach bester Hollywood-Endzeitfilm-Manier bewaffnet durch die Straßen ziehen werden – entweder um den Helden oder den Bösewicht zu spielen. Aber ich schätze mal, das sind die Ausnahmen. Im Regelfall werden sich wohl die meisten irgendwo verkriechen und darauf hoffen, dass es alles schnell vorbei ist. Denn mal im Ernst: Was soll man schon anderes machen, wenn die Welt untergeht?

Versorgt mit nur wenig Essen, ein wenig Wasser und Alkohol, dafür aber mit jeder Menge Drogen und einem Milky Way sehen sich in Hollywood ganz andere dem Weltuntergang gegenüber. Während einer Party in der Villa von James Franco bricht die Apokalypse aus (ob das eine mit dem anderen zusammenhängt, muss jeder für sich entscheiden 😉 ). Panik bricht aus… und so ziemlich alle auf dieser Party sterben – inklusive Rihanna! Übrig bleiben nur Franco, Seth Rogen, Jay Baruchel, Jonah Hill, Craig Robinson und Danny McBride, die sich in Francos Villa verbarrikadieren und abwarten…

Weltuntergang von seiner komischen Seite… Was Seth Rogen und Co. hier mit „This ist the End“ („Das ist das Ende“) auf die Leinwand bringen, ist bescheuert, total absurd und manchmal auch ziemlich krank. Aber auf eine gute, Tränen lachende Art und Weise. Ich gestehe, das ich mich auf diesen Film sehr gefreut habe. Allerdings hatte ich auch ein wenig Angst: Angst davor, dass alle guten Szenen schon im Trailer zu sehen waren. Angst davor, dass Rogen, Franco und Co. zu viele doofe Fäkal-Witze machen würden. Angst davor, dass die Story irgendwann ziemlich langweilig wird, wenn einfach nur sechs Typen in einem Haus hocken.

Zu meiner großen, großen Freude waren alle meine Ängste unbegründet. „Das ist das Ende“ ist wirklich gut geworden. Es fängt an wie eine Art „Hangover“-Klon – mit einer wilden Party. Schon da dürfen sich die ersten Stars (ich nenne hier vor allem Michael Cera) gekonnt selbst in den Dreck ziehen. Dann bricht das Chaos aus und die sechs übrig Gebliebenen servieren uns eine Art „Big Brother“-Soap Opera. Dabei sind Franco, Rogen, Baruchel und Co. so, wie man es sich nur vorstellen könnte, wenn sechs Typen ohne Plan in einem Haus eingesperrt sind. Die Apokalypse vernachlässigend ulken und albern die Sechs rum, streiten sich wegen Essen, wer das letzte Pornoheft „zugeklebt“ hat und drehen ihre eigene kurze Fortsetzung zu „Pineapple Express“.

„Das ist das Ende“ ist daher zum größten Teil einfach nur ein Film über ein paar Typen. Aber auf eine gute Weise. Rogen und Evan Goldberg, die sowohl das Drehbuch geschrieben als auch Regie geführt haben, sorgen dafür, dass sich die meisten Dialoge echt anfühlen. Vieles wirkt fast schon wie improvisiert und behält deswegen seinen Charme. Dazu kommt, dass sich die einzelnen Darsteller wirklich überzeugen selbst spielen können – vermischt mit dem, was wir aus der Gerüchteküche und aus dem Fernsehen sonst noch von ihnen kennen. Aber ein James Franco als selbstverliebter und Seth-Rogen-liebender Schnösel passt genau so gut wie ein heuchelnder Jonah Hill oder ein nervöser Seth Rogen. Es ist der klassische Männer-Freundschaften-Film mit allen Klischees und sehr, sehr viel Selbstironie.

Und mal ganz ehrlich: Jeder, der mal mit seinen Kumpels irgendwo einen ruhigen Abend verbracht hat, kennt das. Nur halt nicht im Zusammenhang mit der Apokalypse. Und auch da muss ich Rogen und Goldberg ein großes Lob aussprechen. Ähnlich wie unsere sechs „Helden“, die ja keine sind, weil sie sich einfach nur verstecken, vergisst man als Zuschauer gerne mal, dass draußen vor der Tür ja eigentlich gerade die Welt untergeht. Doch „Das ist das Ende“ findet immer wieder zum richtigen Zeitpunkt den Weg vor die Tür. Hier gibt’s dann biblischen Weltuntergang wie er in dem Buch der Bücher steht. Natürlich mit Monstern und Dämonen…

„Das ist das Ende“ kann seine kleinen Fehler und Unstimmigkeiten sehr gut verbergen, weil es einfach so verdammt viel Spaß macht, mit diesen sich als Pfeifen outenden Hollywood-Darstellern auf das Ende der Welt vorzubereiten. Und wie es sich gehört, haben sich Rogen und Goldberg zwei der besten Sachen für den Schluss aufgehoben. Ich sage nur so viel: Es lohnt sich und wird in Erinnerung bleiben!!!

Wertung: 9 von 10 Punkten (Weltuntergang mal ganz anders, aber – verdammt noch eins – es ist saukomisch)

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5 Kommentare leave one →
  1. 9. August 2013 07:30

    Klingt wirklich gut! Dem Trailer nach zu urteilen hätten das von ziemlichen Mist bis genial alles sein können – scheint ja dann gut ausgegangen zu sein.

    • donpozuelo permalink*
      9. August 2013 10:01

      Nach dem Trailer hatte ich auch so leichte Zweifel. Das hätte auch richtig schief gehen können. Aber im Endeffekt war’s echt einfach nur verdammt witzig. Für mich bis jetzt die „lustigste“ Komödie des Jahres.

  2. 9. August 2013 08:21

    „Stell dir vor, es ist Weltuntergang und keiner geht hin.“ Aber war das denn nicht erst letzten 21.1.2 so? Also ich bin jedenfalls nicht hingegangen

    • donpozuelo permalink*
      9. August 2013 10:02

      Stimmt, da ist auch schon keiner hingegangen 😉

Trackbacks

  1. Undercover-Schüler | Going To The Movies

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