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Hi-ho, Silver! Away!

7. August 2013

(Super)Helden-Verfilmungen gibt’s mittlerweile wie Sand am Meer. Das Gleiche gilt für Comic-Verfilmungen, wobei die beiden ja fast immer Hand in Hand gehen. Es scheint wirklich die große Zeit des Recycelns in Hollywood gekommen zu sein… deswegen werden selbst Helden verwendet, von denen viele vielleicht noch nie etwas gehört haben. Dabei ist der einsame Texas Ranger a.k.a „Lone Ranger“ schon seit 1933 im Namen der Gerechtigkeit und in bester Zorror-Manier unterwegs. In fast 3000 Radioshows und auch in einer eigenen TV-Serie und zahlreichen Filmen sorgte der „Cowboy“ für Recht und Ordnung… immer mit dabei: sein treues Pferd Silver und sein tapferer Indianer-Freund Tonto.

Offenbar erfreut sich „Lone Ranger“ einer großen Fanbase, weswegen wir uns nun eine große, teure Disney-Produktion dazu anschauen sollen. Dabei wurde das „Fluch der Karibik“-Team Verbinski-Depp wieder vereint und mit Armie „The Social Network“ Hammer als Lone Ranger erweitert.

John Reid (Hammer) kehrt in seine alte Heimatstadt Colby, Texas zurück, wo er auf seinen Bruder, den Ranger Dan trifft. Der wiederum wartet auf den gefürchteten Gangster Butch Cavendish (William Fichtner), der im gleichen Zug wie John Reid nach Colby gebracht wird. Doch Cavendish kann dank der Hilfe seiner Band entkommen. Als rechtschaffender Staatsanwalt will John seinen Bruder bei der Jagd begleiten… leider geraten die Ranger dabei in einen Hinterhalt. John, Dan und der Rest der Ranger werden brutal niedergeschoßen. Aber dank des indianischen Seelenpferds und dem leicht verwirrt wirkenden Indianer Tonto (Depp) steigt John Reid aus seinem Grab auf, nimmt seine Maske an sich und nimmt gemeinsam mit Tonto die Verfolgung auf.

Ich find’s fast ein wenig schade, dass Johnny Depp eigentlich nur noch für die gleichen Rollen bejubelt wird. Aber wenn er mal etwas ernster sein will, dann geht keiner ins Kino und so schlüpft er auch in „Lone Ranger“ einmal mehr in die Rolle, für die ihn alle ja soo lieben. Sein Tonto ist im Endeffekt nichts anderes als Captain Jack Sparrow, der sich dieses Mal als Indianer verkleidet, merkwürdige Sachen sagt und eine tote Krähe füttert. Und ehrlich gesagt, ich habe von Jack Sparrow langsam die Schnauze wohl… auch wenn er einen Indianer spielt.

Dazu kommt noch, dass Regisseur Gore Verbinski sich auch nicht einmal Mühe gibt, die Parallelen zu verwischen und so tauchen im Film zahlreiche deutliche Zitate auf den tuntigen Piraten-Kapitän auf. Vielleicht wird’s die Hardcore-Karibik-Fans freuen, ich fand’s ziemlich lahm.

Lahm ist auch, dass der Film das Hauptaugenmerk ganz klar auf Johnny Depp legt: Sein Tonto bekommt die interessantere Origins-Story, sein Tonto bekommt die besseren Sprüche und die rar gesäten guten Lacher, sein Tonto dominiert den armen Armie Hammer so sehr, dass der gar nicht richtig zum Zug kommt. Wenn man überlegt, dass Tonto in die Radio-Show eingeführt wurde, damit der Lone Ranger jemanden zum Reden hat… naja… der relativ unbekannte Armie Hammer war den Produzenten wahrscheinlich ein zu hohes Risiko.

Dabei spielt Hammer echt gut… wenn man ihm mehr Platz gegönnt hätte, und ihm vor allem eine spannendere Geschichte auf den Leib geschrieben hätte, hätte das was werden können. Aber ihr merkt schon selbst: hätte, hätte, hätte… Armer Armie Hammer. Spielt in seinem eigenen Film eigentlich nur eine Nebenrolle, denn selbst William Fichtner ist als Bösewicht Cavendish tausendmal sehenswerter als der Lone Ranger. Aber gut, von Fichtner erwarte ich auch nichts anderes… der meistert jede Rolle mit Bravour.

Zu dem Casting-Gemecker kommt für mich noch dazu, dass „Lone Ranger“ sich scheinbar nicht auf einen bestimmten Weg festlegen kann. Bisweilen ist der Film recht brutal… da werden Herzen gegessen und Indianer massakriert, als gäbe es kein Morgen mehr. Und einen Atemzug später werden wir mit der fröhlichen Titelmelodie der alten Serie bombardiert… als musikalische Unterlage für eine 30-minütige alberne Action-Sequenz. Von todernst auf albern-lustig in zwei Sekunden… passt irgendwie gar nicht. Dazu kommen viele merkwürdige Ideen, die das Ungleichgewicht der Natur darstellen sollen (siehe das Pferd oder die ziemlich aggressiven Hasen des Films) und eine vollkommen unnötige Rahmenhandlung mit einem alten Tonto, der die ganze Geschichte einem Jungen erzählt…

Mit seinen 149 Minuten ist „Lone Ranger“ eigentlich eine gute Stunde zu lang. Weniger wäre mehr gewesen – und eine eindeutige Linie auch. So wird „Lone Ranger“ zu einem hübsch fotografierten, aber überladenem Johnny-Depp-Spektakel… aber wahrscheinlich ging es genau darum… schade nur für Armie Hammer und den Lone Ranger.

Wertung: 4 von 10 Punkten (Piraten in der Wüste, kemosabe, die Natur ist wirklich außer Kontrolle!)

BTW: Fun Fact, den ich zum Thema „Lone Ranger“ gelernt habe: John Reid ist der Vater von Brit Reid, der – genau wie sein Papa – Kämpfer für die Gerechtigkeit wird. Nur statt in weiß wählt er grün, statt einem Indianer einen erfahrenen asiatischen Kampfsportler und nennt sich dann „The Green Hornet“. Britt Reid ist der Sohn von Dan Reid Jr., also vom Neffen von John Reid aka Lone Ranger.

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22 Kommentare leave one →
  1. 7. August 2013 09:50

    Ich dachte mir ja schon fast, dass „The Lone Ranger“ die vermeintliche nächste Enttäuschung wird – was mich ehrlich gesagt seit der Ankündigung des Films nicht wirklich überrascht.
    Dass der Film nun auch schon wieder 149 Minuten Zeit verschlingt, ist – wenn ich deine Inhaltsangabe so lese – mal eine reine Farce. Masse statt Klasse. Und mir tut es eigentlich viel mehr um Johnny Depp Leid, der so viel mehr kann, aber seine Rollenwahl immer mehr einschränkt.

    • donpozuelo permalink*
      7. August 2013 10:00

      Um Johnny Depp tut’s mir auch echt sehr leid. Der wird auch irgendwie nur noch in diese Sparte „skurriler Rollen“ gesteckt. Schon ein bisschen traurig… denn Tonto ist echt nichts anderes als eine Abwandlung von Captain Sparrow.

      Der Rest des Films ist wirklich eine Farce… künstlich gestreckt mit einer langweiligen Story, die echt in 90 Minuten viel besser erzählt worden wäre. Aber naja… das hoffe ich bei diesem Film sehr, dass sie es nicht zum zweiten Teil schaffen.

  2. 7. August 2013 10:23

    Zwei Worte: Wie erwartet.

    • donpozuelo permalink*
      7. August 2013 10:41

      Irgendwie schon! Aber trotzdem irgendwie schade, weil es nicht der erste Blockbuster in diesem Jahr ist, der so fies floppt. Da möchte man doch echt weinen.

  3. 7. August 2013 10:48

    Auch du? Werde mir morgen selbst ein Bild über dessen Minderwertigkeit verschaffen

    • donpozuelo permalink*
      7. August 2013 10:59

      Wer denn noch, außer dem ganzen Rest der Welt??? Ja, leider auch ich. Der Film ist wirklich nicht sehr berauschend….

  4. 7. August 2013 17:53

    Ich will ihn trotzdem sehen, genau wegen Tonto. Bin ich jetzt ein schlechter Mensch?

    • donpozuelo permalink*
      7. August 2013 20:37

      Ein schlechter Mensch auf keinen Fall, ein komischer Filmfan schon eher – wenn ich diesen Wortwitz jetzt mal bringen darf 😉

  5. 7. August 2013 20:04

    Oha wie enttäuschend, aber ehrlich gesagt dachte ich mir, dass das nichts wird. Arnie Hammer ist so „luschi“ *hihi*

    • donpozuelo permalink*
      7. August 2013 20:40

      Armie ist gar nicht sooo luschi. Ich fand ihn sogar eigentlich ganz gut… also immerhin etwas. Ansonsten ist der Film echt nicht zu empfehlen. 😉

      • 7. August 2013 20:48

        Ich weiß nicht, in den Trailern fand ich ihn recht uncool. Aber gut ein Kinobesuch hat sich ja nun erst mal relativiert 🙂

        • donpozuelo permalink*
          8. August 2013 22:00

          Ja, ist vielleicht auch keine schlechte Idee 😉

  6. 9. August 2013 16:00

    Von mir gibt es – nimm es mir nicht übel – viel Widerspruch. Für mich ist Tonto im Endeffekt nicht Captain Jack Sparrow, sondern eine weitaus vielschichtigere und ausgefeiltere Figur. Sparrow ist über weite Strecken der „PotC“-Filme einfach nur ein wandelnder Gag, wobei ich nicht leugnen will, dass beide Charaktere sich im Aufbau nicht unähnlich sind (aber auch nicht mehr als Superman in „Man of Steel“ und Batman in Nolans Trilogie).

    Das Finale war für mich zudem keine alberne Action-Sequenz, sondern dank lahmarschiger (meine persönliche Meinung) Filme wie „Pacific Rim“, „Man of Steel“ und Co. wohl mit das Gelungenste, was es seit Monaten im Kino zu bestaunen gab.

    Dass viele sich an den „brutalen“ Einschüben stören, kann ich nachvollziehen, ich rechne es dem Film aber hoch an, dass er die ganzen kritischen Querverweise zum Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern nicht für seinen Klamauk (hey, hier ein maskierter Mann mit Indianer-Sidekick!) opfert, sondern die gesamte Handlung letztlich darum konstruiert (daher auch der alte Depp als Erzähler des Films, degradiert zum Ausstellungsmaterial nebst ausgestopften Tieren in einem Wanderzirkus).

    Der Film will nicht „Schindlers Liste“ sein, sondern ein Western-Familienevent. Dass Verbinski daher nach dem Comanchenmassaker das Pferd auf den Baum packt, ist für mich insofern verständlich als dass er wieder die Weichen stellt für den weiteren Verlauf. Kann man als deplatziert empfinden, ist mir aber lieber als ein weichgespültes Ausblenden der damaligen Begleitumstände, nur um dem Zuschauer Kuschelkino zu bieten.

    Für mich war das der mit Abstand beste Sommer-Blockbuster. Schade, dass er ähnlich wie „John Carter“ zuvor so wenig geschätzt wird.

    BTW: Britt Reid ist der Sohn von Dan Reid Jr., also vom Neffen von John Reid aka Lone Ranger.

    • donpozuelo permalink*
      9. August 2013 16:31

      „John Carter“ habe ich sehr zu schätzen gewusst. Und du musst dich nicht für deine widersprüchliche Meinung entschuldigen. Meine ist ja nicht in Stein gemeißelt. Ist doch gut, wenn dir der Film gefallen hat. Ich konnte damit wirklich nicht viel anfangen… Das Warum hast du ja gelesen.

      Und btw: Danke für den Hinweis mit dem Familien-Stammbaum 😉

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