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Ein böser Jack

5. August 2013

Seriendarsteller haben es wirklich nicht einfach. Haben sie ihre Karriere mit einer erfolgreichen Serie angefangen, wird’s spätestens am Ende jener schwierig. Denn jetzt heißt es, die alte Rolle entweder komplett abzulegen oder ihr auf irgendeine Art und Weise weiterhin zu entsprechen. Ob im Fernsehen oder im Kino – das ist egal. So oder so wird man immer der Typ von der Serie XY sein. Nehmen wir nur den guten David Duchovny: Erst war er Mulder, dann war er gar nichts mehr… außer hier und da in den Schlagzeilen wegen seiner angeblichen Sexsucht. Und – oh oh – daraus wurde eine Serie. Duchovny ist jetzt der sexsüchtige Mulder oder besser bekannt als Hank Moody.

So sieht’s wohl aus… harte Zeiten für Seriendarsteller (obwohl vielleicht auch nicht, immerhin werden die Serien auch immer besser und besser). Ich gestehe ein, ich finde es immer wieder super, alte Serienfreunde woanders wieder zu sehen. Daher konnte ich auch gar nicht anders als mir „Alex Cross“ anzuschauen. Schließlich ist da Übervater Jack Shepard a.k.a. Matthew Fox als brutaler Bösewicht zu sehen.

In „Alex Cross“ gibt Fox den fiesen Killer, der es ganz offensichtlich auf Firmen-Mogul Mercier (Jean Reno) und dessen Vorstände abgesehen hat. Um die alle zu beseitigen, lässt er sich ein paar noch fiesere Dinge einfallen. Polizeipsychologe Alex Cross (Tyler Perry) soll ihn aufhalten und gerät dabei selbst ins Visier des Killers.

Für alle, die mit dem Namen Cross nichts anzufangen wissen: Das ist eigentlich schon ein alter Hase. Krimi-Autor James Patterson hat sich den Guten ausgedacht und ihm bereits zwanzig Bücher gewidmet. 1997 und 2001 durfte Morgan Freeman schon mal die Rolle des Ermittlers übernehmen. Jetzt gelangte der Stoff an „The Fast and the Furious“-Regisseur Rob Cohen, der den Alex Cross für eine neue Generation aufpimpen wollte.

Problem ist nur, dass das überhaupt nicht funktioniert. Noch viel schlimmer ist für mich die Tatsache, dass ich fast mehr mit Killer-Darsteller Matthew Fox mitgefiebert habe als mit Tyler Perrys Cross. Und das ist eigentlich genau die falsche Ausrichtung bei so einem Katz-und-Maus-Spiel.

Ich weiß nicht wirklich, wer Schuld hat. Vielleicht lagen Cohen noch zu viele stumpfe Filme wie „xXx“ oder eben „Fast and Furious“ auf der Seele, dass er „Alex Cross“ eben genau daran anlehnt. Sprich: Es gibt eine flache Story, schlechte Dialoge und den Fokus auf Gewalt.

Tyler Perry haut sein „psychologisch“ fundiertes Profil des Killers bei Anschauen einer Leiche raus und wirkt dabei eher als hätte er sein Psychologie-Wissen dank einer Frauenzeitschrift gewonnen. Statt erst einmal ein paar Indizien zu sammeln, steht für ihn schon beim ersten Opfer alles fest. Und dann sind alle umso erstaunter, wenn die ein oder andere Sache nicht funktioniert hat. Allerdings kann man Perry daraus keinen Vorwurf machen. Er versucht ja ganz verzweifelt, seine schwach ausgelegte Rolle mit Leben zu füllen. Leider darf er in diesem Film nicht mehr sein als ein billiger Stichwortgeber.

Da hat es Matthew Fox schon ein wenig einfacher. Etwas mager, aber durchtrainiert darf er als Glatzkopf seinem „LOST“-Image gehörig in den Arsch treten und eine herrlich skrupellose Sau spielen, die selbst da nicht Halt macht, wo Hollywood sonst gerne Halt macht (ich schreibe das jetzt hier so herrlich kryptisch, um nicht einen der wenigen WTF-Momente des Films zu zerstören). Fox hat zwar auch sehr mit dem schwachen Drehbuch zu kämpfen, doch hat er hier als einziger noch die Chance, eine denkwürdige Performance abzugeben. Sein Killer ist ein echtes, knallhartes Arschloch, der gegen so ziemlich jede Regel verstößt. Daraus hätte was Gutes werden können, wenn er den einen würdigen Gegner gehabt hätte… nur Tyler Perry reißt es halt nicht raus.

Noch schlimmer wird’s nur mit Jean Reno. Hat der Mann Geldsorgen oder warum macht der so eine Scheiße??? Gruselig!!!!

„Alex Cross“ hätte ein geiler Psychothriller werden können, wenn die Story irgendwie gestimmt hätte. So setzt Cohen eher auf ordentlich Gewalt und ein paar fiese Schockmomente, verspielt das große Potenzial seiner Schauspieler und lässt uns mit einem bitteren Nachgeschmack zurück. Ernsthaft, ich war wirklich mehr für Matthew Fox als für Tyler Perry… das ist doch nicht normal!

Wertung: 4 von 10 Punkten (Fox ist gut, hätte aber, wie alles andere auch, grandios sein können)

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